Wunderbar überdrehte Geschichte

Kikeriki-Theater ist zum TV Babenhausen-Jubiläum zu sehen

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Das Kikeriki-Theater kommt nicht alle Tage nach Babenhausen. Der TVB machte das im Jubiläumsjahr möglich.

Babenhausen - Zum 125-jährigen Bestehen präsentierte der Turnverein seinen Mitgliedern und Babenhäusern zwei Auftritte des Kikeriki-Theaters. Bereits vor zwei Jahren wurden dafür die Verträge geschlossen. Von Michael Just 

Es gab mal ein Dorf. Jeder Tag war ein Festtag, denn die Leute liebten ihren Ort, sie liebten das Leben und sie liebten einander. Doch eines Tages geschah in diesem Dorf etwas, was dort zuvor noch nie geschehen war: Ein fremder Reitersmann stand plötzlich da und verdrehte allen den Kopf... Wie die Geschichte um den „Deppenkaiser“ ausgeht, lässt sich in der Regel nur beim Kikeriki-Theater in Darmstadt-Bessungen erfahren. Es sei denn, man holt die Comedy-Hall, die dort gewöhnlich für Monate im voraus ausgebucht ist, in die eigene Stadt. Zum 125-jährigen Jubiläum des Turnvereins kam das Puppen-Theater für zwei Abende in die Stadthalle. Bereits vor 24 Monaten wurden dafür die Verträge geschlossen.

„Mit Kikeriki kann man nichts falsch machen. Das ist ein Selbstläufer, nur vier Plakate in der Stadt haben ausgereicht“, berichtet Vorsitzender Bert Bernhardt über den bereits sehr guten Vorverkauf. Ein finanzielles Risiko bestand ohnehin nicht: Die Comedy-Hall übernahm die Gewähr für den Erfolg und band den TVB anteilig am Erlös der Tickets ein. In der Pause oblag es den Turnern, mit dem Verkauf von Getränken und Snacks die Vereinskasse aufzubessern. Die Frage an Bert Bernhardt, ob er sich mit den Vorstandskollegen „Deppenkaiser“ zuvor anschaute und dann auswählte, verneint er. Das Stück habe die Comedy-Hall passend zu ihrem Jahresprogramm ausgesucht.

Rund 1 000 Besucher zog es in die Stadthalle.

Wie der Samstagabend bewies, zieht der Name ,,Kikeriki“ nahezu unabhängig vom gezeigten Stück. 600 Besucher sorgten für ein volles Haus und füllten Parkett und Rang der Stadthalle. Der Sonntag war nicht ganz so stark, reichte aber immer noch aus. Nach dem Ausgehen der Lichter legte das Kult-Ensemble kräftig los und stimmte auf einen heiteren Abend ein. „Fühlt euch wie daheim: trinkt Bier und lasst Bumbes“, hieß es ans Publikum. Kikeriki sei zwar nicht das beste, dafür aber das bekloppteste Theater in Hessen. Viel Nachdenken bringe nichts: „Wir spielen das Stück seit vier Jahren und haben es bis jetzt selbst nicht verstanden.“

Die ersten Minuten sorgten bereits für reichlich Lacher, was sich im Verlauf des Abends noch steigern sollte. In dem hessischen Dorf gab es nämlich keine Währung und die Leute bezahlten mit dem was sie herstellten: Äppelwoi, Handkäs‘ und Brezel. Der Deppenkaiser versucht nun eine Währung mit Wertscheinen einzuführen, da es für ihn sonst keine Ordnung, keine Zukunft und keinen Fortschritt geben würde. Begriffe wie Währungsreform und Konjunktur sorgten im sympathischen Hinterweltlerdorf für reichlich Verwirrungen und eine gelungene Persiflage auf die Finanzwelt der Menschen. Die gewohnt erfolgreichen Stilmittel griffen auch in Babenhausen: urkomische und rasante Dialoge, hessischer Dialekt, eine überdrehte Geschichte, Bezüge zur Gegenwart und Perspektivwechsel, in denen die Sprecher die Handlung verlassen und mit dem Publikum kommunizieren.

Bilder: Viel Theater in Hanau

Beim Bezug zur Gegenwart fand die Niederlage von Darmstadt 98 in Köln wenige Stunden zuvor Eingang ins Stück. Fans der Eintracht sollten sich darüber nicht freuen, denn die werde bald gegen Offenbach spielen. Das sei gut, denn Roßdorf wäre schlimmer. Sickenhofen durfte sich ebenfalls über eine Erwähnung freuen: Dahinter beginne nicht, wie so oft vermutet, das ewige Eis. Für zahlreiche Schenkelklopfer sorgte stets die hessische Note: Da wurde der Handkäs‘ zum Kellerlicht („Er macht net hell, aber wo‘s stinkt is die Wand“) und der Äppelwoi zum Intelligenzförderer („Durch den dicken Kopf am nächsten Morgen verdoppelt sich die Gehirnmasse“). Zum Schluss scheiterte Freiherr Franz von Zossenheim dann doch, das Dorf auf einen, modernen Weg zu bringen, was Dorfbewohner und Publikum gleichermaßen glücklich machte.

Der Besuch des Kikeriki-Theaters war nur ein Teil des großen Programms, das der TVB im Jubiläumsjahr bietet. Am 3. Oktober gibt es im Café Engel, Gründungsstätte des Vereins, einen Brunch. Mit ihm wird die akademische Feier ersetzt, die der Vorstand außer Mode sieht. Am 8. Oktober folgt ein Konzert mit Joe Whitney und seiner Streetlife-Familiy. Dazu gibt es fast in jedem Monat des Jahres weitere Lehrgänge und Workshops, die sonst nicht üblich sind. Läuft alles so gut wie beim Gastspiel von Kikeriki, darf sich der TVB über ein erfolgreiches Jubiläumsjahr freuen.

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