Vico Merklein zurück von Paralympics

Empfang für Gewinner der Goldmedaille in Langstadt

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Vico Merklein wurde beim „Ochsen-stadl“ von vielen Fans empfangen.

Langstadt - Der Handbiker Vico Merklein hat bei den Paralympics in Rio Gold und Bronze gewonnen. Die Medaillen präsentierte er nun bei einer Feier am „Ochsenstadl“. Von Jens Dörr 

Gold im Straßenrennen, Bronze im Zeitfahren: Bei den Paralympischen Spielen, die am Wochenende in Rio de Janeiro zu Ende gingen, sorgte ein Langstädter für gleich zwei der ingesamt 57 deutschen Medaillen. Handbiker Vico Merklein wurde seiner Mitfavoritenrolle gerecht und komplettierte seinen Medaillensatz. Bereits bei den Paralympics 2012 in London hatte er mit der Kraft seiner Arme, die die dreirädrige, bei den Topleuten um die 20 000 Euro teure Spezialanfertigung in Fahrt setzen, bereits Silber im Straßenrennen erreicht. In Langstadt bereiteten dem aus Berlin stammenden und seit mehr als einem Jahrzehnt im Babenhäuser Stadtteil lebenden 39-Jährigen am und im „Ochsen-stadl“ Dutzende Freunde und Bekannte einen rauschenden Empfang.

„Es ist schön, nach Hause zu kommen – jetzt bin ich wohl ein Lengschder“, sagte Merklein auch deshalb gerührt im Langstädter Dialekt, weil er im großen Begrüßungskomitee besonders viele Gesichter aus dem Stadtteil selbst ausgemacht hatte. Bei der Ankunft am Frankfurter Flughafen waren die Medaillen noch ganz unten im Koffer, berichtete er beim Aussteigen. Als der seit einem Verkehrsunfall kurz vor seinem 20. Geburtstag querschnittsgelähmte Handbiker am „Ochsenstadl“ im Rollstuhl auf die Wartenden zurollte, präsentierte er das Edelmetall dann aber stolz mit den Worten „Langstadt ist reicher“.

Als „unfassbar“ bezeichnete der Vollprofi seinen sportlichen Erfolg selbst. Unter anderem schilderte der mehrmalige Vize-Weltmeister auch die Trainingsumstellung vom „Pulsverfahren“ zum „Watt-Leistungs-Niveau“ und dankte einmal mehr seinem Trainer Ralf Lindschulden und seinem Team Sopur für die Unterstützung. „Mein letzter Urlaub war vor vier Jahren“, verdeutlichte er, zwischen den Spielen von London und Rio alles dem Traum von der Goldmedaille untergeordnet zu haben.

Bunt und imposant: Bilder der Paralympics-Eröffnungsfeier

Sichtlich stolz und hocherfreut war unter den Feiernden auch Gerhard Weber, der bis vergangenes Jahr ebenfalls in Langstadt lebte und inzwischen in Darmstadt wohnt. Er traf Merklein vor zehn Jahren zufällig, als dieser auf dem Radweg zwischen Langstadt und Harpertshausen fuhr. Weber, ehemaliger Nachwuchs-Landestrainer im hessischen Radrennsport, kam mit dem Handbiker ins Gespräch: „Ich habe sofort gemerkt, dass er diesen Killerinstinkt hat“, berichtete er. „Ich habe aber auch gesehen, dass er völlig falsch trainierte. Er ist immer voll gefahren, bis er müde war.“ Jahrelang coachte Weber den jetzigen Star der Paralympics-Szene, „er hat auch immer hundertprozentig auf das gehört, was ich ihm gesagt habe.“ Mit Sponsoren und besserem Material kamen weitere Leistungssteigerungen zustande, „in nächtelangen Gesprächen war ich zudem sein Mentaltrainer“. Längst hat Merklein einen anderen Trainer, das Verhältnis zu Weber fand beim Wiedersehen jedoch noch einmal einen emotionalen Höhepunkt.

Überdies zeichnete auch die Stadt Babenhausen ihren Medaillengewinner aus: Bürgermeister Joachim Knoke überreichte ein Stadtwappen mit Goldkranz. Und Merklein durfte sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Langstadts Ortsvorsteher Günther Eckert stellte fest: „Wir sind mächtig stolz, einen Olympiasieger in Langstadt zu haben“ und formulierte lokalpatriotisch weiter: „Er ist ein Lengschder unter vielen Lengschdern.“

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