Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses

Stadtbücherei: „Lieber ein Ende mit Schrecken“

Babenhausen - Drei Millionen Euro müssen her, um für die Stadt 2017 einen ausgeglichenen Haushalt zu bewerkstelligen. Von Ursula Friedrich 

Statt an der Steuerschraube (Grundsteuer B) zu drehen, setzt die Mehrheitskooperation von CDU und FWB auf Sparen, vor allem freiwillige Leistungen werden gekürzt. Realistisch, prognostiziert Bürgermeister Achim Knoke, ließen sich zwölf Prozent von der in über 30 CDU/FWB-Anträgen eingeforderten drei Millionen Euro Konsolidierungssumme sparen. Die beiden Fraktionen haben auch das Ehrenamt als Steuermodul entdeckt, um Kosten zu drosseln. Sowohl beim Betrieb des Schwimmbads, als auch für die Beratungstätigkeit im Frauenforum oder der Fortentwicklung IKEK wurden Personalkosten nach dem Willen von Union und Freien Wählern zum Teil auf Null heruntergefahren. Und: Nachdem die Reinigungsleistung für städtische Hallen und Bürgerhäuser gekürzt wurde, müssen Nutzer, insbesondere Vereine, künftig öfter zu Besen und Wischer greifen. Nun soll auch die städtische Bücherei ab 1. Januar 2017 ehrenamtlich betrieben werden. Einsparchancen: Rund 41.000 Euro.

Gemeinsam mit der Verwaltung soll die Babenhäuser Ehrenamtsagentur (BEA) eine Neukonzeption für den Betrieb der Bücherei erarbeiten, diese CDU/FWB-Forderung fand im Hauptausschuss für Finanzen, Wirtschaft und Beschäftigung am Mittwochabend zwar keine Mehrheit – doch in der Sitzung des Stadtparlaments am Donnerstag, 13. Oktober, können sich die Fraktionen mit ihrer Ein-Stimmen-Mehrheit vermutlich durchsetzen. Die weiteren Punkte im Antrag ging auch die FDP mit: Für Erwachsene gibt es eine Jahresgebühr von 20 Euro, Menschen bis 18 Jahre zahlen zehn Euro. Ein neuer Bücherei-Ausweis soll signiert und damit nicht übertragbar sein. Die Anzahl der Medien, die ausgeliehen werden dürfen, wird auf fünf begrenzt. „Ich finde es anmaßend, wenn wir Politiker den Bürgern Ehrenamt verordnen“, konterte für die SPD Peter Roth, „das steht uns nicht zu“. Der Grüne Kurt Gebhardt sprach von einer „Zumutung“.

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Achim Knoke hält die Einbindung ehrenamtlicher Helfer für machbar, nicht jedoch den kompletten Betrieb der Bücherei. Zudem brächte die Einführung von Jahresgebühren, das Anlernen von Helfern und ein nicht übertragbarer Ausweis einen hohen Aufwand mit sich. Schon jetzt würde die Bücherei mit einem Minimum an Öffnungszeiten betrieben. Statt das Bildungs- und Freizeitangebot Bücherei auf diese Weise einem allmählichen Absterben zu überlassen, empfahl er dem Mehrheitsbündnis: „Machen sie lieber ein Ende mit Schrecken.“

Joachim Heizmann, der Vertreter der Ehrenamtsagentur, äußerte sich befremdet über das politischen Vorgehen: „Der Umgang mit dem Ehrenamt ist doch sehr fragwürdig“, so Heizmann, der sich mit fünf weiteren Ehrenamtlichen für BEA engagiert, um Projekte (wie etwa das Reparaturcafé) anzustoßen, zu vermitteln und Netzwerkarbeit zu betreiben. Heizmann: „Es finden sich sicher ein paar Ehrenamtliche die man für die Stadtbücherei begeistern könnte, aber man sollte vorher mit den Leuten reden. Ein Handlungsauftrag der Politik an uns Ehrenamtliche ist der falsche Weg.“

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