Einkaufen im Dorf

Mickas Lädchen in Langstadt feiert einjähriges Bestehen

Langstadt - Es war im letzten Jahr Anfang August, als Heidi Micka ihren Nahkauf eröffnete und damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgung im Ort leistete. Vor allem ältere und immobile Langstädter sind ihr für den Mini-Supermarkt dankbar. Nun feierte sie mit bayerischem Ambiente und Blasmusik das einjährige Bestehen. Von Michael Just 

In die kleinen Dörfer zieht es die großen Handelsketten nur selten. Das wissen auch die Ortsbeiräte in den Babenhäuser Stadtteilen, die sich immer wieder Klagen über die unzureichende Nahversorgung anhören müssen. Gab es früher zumindest einen Bäcker und einen Metzger, verschwinden selbst die ohne Nachfolger mit dem Rentenalter der Inhaber. Meist tut sich bei der Nahversorgung nur dann etwas, wenn Bürger das Risiko Einzelhandel und Selbstständigkeit selbst angehen.

So wie Heidi Micka: „Ich wollte unbedingt die Initiative ergreifen und die Sache versuchen“, berichtet sie. Die Jahre zuvor war an gleicher Stelle ein Schlecker-Markt. Nach dem Ende der Kette versuchte sich der Besitzer des Hauses selbst mit einem Lebensmittellädchen, was aber mit seinem Hauptberuf kollidierte. Eine Nachfolgerin tat sich mit Micka, die zum Mitarbeiterstab gehörte, auf.

Seit einem Jahr leitet sie nun die Geschicke und ist dabei um zahlreiche Erfahrungen reicher geworden. Produkte kamen und verschwanden aus dem Sortiment. Was einige Kunden nicht wissen: Auch wenn bestimmte Lebensmittel oder exotische Obstsorten nicht im Regal stehen, können Sonderwünsche bestellt werden. Am meisten gefragt sind Milch, Zucker und Mehl. Der gute Verkauf von Süßwaren belegt, dass auch in Langstadt reichlich Naschkatzen vorhanden sind. Mit der Zunahme eines DHL-Paket-Shops sowie einer Wäschereinigung hat die Inhaberin das Angebot klug erweitert. Zudem gibt es neben dem Eingang einen kleinen Café-Bereich, der Kaffee-Genuss und Plausch verbindet. Senioren bekommen ihren Einkauf ab 20 Euro nach Hause gefahren. Darunter kostet der Service gerademal 1,50 Euro zusätzlich.

Doch die Idylle im sehr persönlich geführten Tante-Emma-Laden der Neuzeit trügt ein wenig über die Realität hinweg: In den letzten Monaten waren unweit der Kirche auch immer wieder Zukunfts- und Existenzsorgen vorhanden. „Wir haben unsere kleine Stammkundschaft. Es fehlt aber an weiteren Langstädtern, die das Angebot annehmen“, berichtet die Einzelhändlerin. Nach einer Flaute im Frühjahr hat sich die Situation jetzt wieder gebessert.

Dazu halfen Micka verschiedene Umstände und Maßnahmen. Nachdem die örtliche Metzgerei schloss, ist sie bei den Fleisch- und Wurstprodukten nun erster Versorger im Ort. Hier wird mit einer Metzgerei in Harpertshausen kooperiert, die verpackte Frischware liefert. Sehr gefragt sind die regionalen Produkte, wie etwa Kartoffeln aus Kleestadt. Bei den lokalen Waren ist die Kalkulation oft schwierig, wenn Obst und Gemüse über den Hauptversorger (Nahkauf/Rewe) günstiger sind. Um zu überleben, nahm Micka die letzten Monate weitere, einschneidende Maßnahmen vor. Sie reduzierte die Zahl der Mini-Jobber auf eine Stelle. Neben der zeitaufwendigen Büroarbeit packt sie noch mehr im Laden mit an. Der Montagnachmittag, der zuvor geschlossen war, ist jetzt offen. Ebenfalls positiv: Der gestiegene Einkauf aus den Nachbardörfern wie Schlierbach oder Harpertshausen.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Clemens Müllemann gehörte zu den treuen Kunden, die das Einjährige mitfeierten. Zum Jubiläum gab es auf jeden Einkauf einen Abschlag von 15 Prozent. Müllemann engagiert sich in verschiedenen Arbeitskreisen, wie etwa beim Dorfentwicklungsprogramm IKEK und steht oft in der ersten Reihe, wenn es darum geht, den Ort nach vorne zu bringen. Wie er sagt, kaufe er grundsätzlich bei Micka zuerst ein. Nur für jene Dinge, die er nicht bekommt, geht es in die Stadt. Dass der unansehnliche Schlecker-Leerstand weg ist, ist für ihn eine große Errungenschaft. Mit Blick auf die Zukunft des Ladens denkt er weniger an sich selbst, als vielmehr an die ältere Generation mit Rollator, die hier barrierefrei einkaufen kann. „Mit diesem Angebot muss sich niemand um einen Fahrdienst in die Kernstadt bemühen“, sagt er. Vor allem die soziale Komponente des Ladens sieht er, neben der Versorgung, als höchstes Gut: „Das garantiert einen lebendigen Dorfmittelpunkt. Dafür bin ich gerne bereit, mehr zu zahlen“, so Müllemann.

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