Mirco Heil und Jan Belzner erhalten Auszeichnung

Weitblick im Tunnelbau

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Machten den Tunnelbau der Firma INKA mit ihrer preisgekrönten Projektarbeit zukunftsfähig (v.l.) Jan Belzner, Mirco Heil und Christian Schmitt.

Babenhausen - Der technische Fortschritt braucht kluge Köpfe. Zwei davon sitzen in Sickenhofen und Hergershausen: Mit dem Gewinn des BVT-Award 2016 erhielten Mirco Heil und Jan Belzner die höchste technische Auszeichnung in Deutschland. Von Michael Just

Der Bundesverband höherer Berufe der Technik, Wirtschaft und Gestaltung (BVT) mit Sitz in Königswinter ermittelt alljährlich die beste Projektarbeit von 35 Fachschulen und Akademien im Bundesgebiet. Als Studenten der Staatlichen Technikakademie Weilburg standen auch Mirco Heil, Jan Belzner, Patrick Hommrich und Christian Schmitt vor der Aufgabe, ein Abschlussprojekt anzugehen. Dazu war ein Kooperationspartner für fünf Monate nötig. Den fand das Quartett in der INKA GmbH aus Aachen.

Im Tunnelbau tätig, legt das Unternehmen Versorgungsschächte für Elektro-, Wasser- und Gasleitungen mit einer Länge von bis zu einem Kilometer. Das findet ohne Gräben mit der Verwendung eines Rohrvortriebs statt. Dabei drückt die Hauptpresse die Rohre mit bis zu 600 Bar ins Erdreich. An der Vortriebsmaschine befinden sich wichtige Sensoren eines Überwachungssystems. Letzteres dokumentiert einerseits den Fortgang, andererseits soll es Schäden durch übermäßige Kraftübertragung verhindern. „Die hohe dynamische Belastung der Rohre kann zu einseitiger Krafteinwirkung mit Abplatzungen führen“, weiß der 25-jährige Mirco Heil, der als Projektleiter auftrat.

Das Überwachungssystem von INKA galt durch seine Entwicklung vor zehn Jahren als veraltet. Die Messtechnik auf den neuesten Stand zu bringen war das Hauptziel der Projektanten. Sie suchten nach optimierungsbedürftigen Komponenten, wie etwa Platinen, und ersetzten sie durch Standardbauteile, die zuvor bei INKA nicht in Betrieb waren. Gerade diese sind laut Heil wichtig: „Im Gegensatz zu Spezialanfertigungen lassen sie sich schnell und kurzfristig ersetzen“, erklärt der Sickenhöfer, der sich in seinem Heimatort bei der Feuerwehr als Gerätewart engagiert. Eine der wichtigsten Errungenschaften der jungen Männer war die Reform der Datenübertragung. Die geschah bisher über Kabel, die von der Hauptpresse an die Erdoberfläche führten. Da immer wieder Dreck und Feuchtigkeit durch die Steckverbindungen eindrang, suchte das Quartett nach einem Funksystem. Damit wird im Tunnel- und Bergbau bisher noch selten gearbeitet, da die Übertragung der Wellen schwierig ist. Hier wurde ein innovatives Funksystem ausfindig gemacht – allerdings ohne die Garantie des Herstellers, dass die Marktneuheit an dem geplanten Einsatzort funktioniert. Trotzdem gelang eine sichere und komfortable Datenübertragung. Dafür wurden zwei Extra-Schaltschränke entwickelt. „Unsere Vorstellungen wurden vollumfänglich erfüllt und sogar übertroffen. Als herausragende Innovation kann dabei die teilweise kabellose Übertragung von Messdaten genannt werden. Sie wurde insofern stabilisiert, dass sie witterungs- und baustellenbedingte Einflussfaktoren ausschließt“, lobte INKA.

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Über den BVT-Award, der in Weilburg überreicht wurde, können die Babenhäuser zurecht stolz sein. Statt der von ihrer Akademie angedachten 400 Stunden steckte das Team 1 200 Stunden Aufwand hinein. Sowohl am Wochenende als auch in den Ferien wurde zusätzlich gearbeitet.

In Weilburg bleiben die staatlich geprüften Techniker künftig in guter Erinnerung: Zum ersten Mal in der 50-jährigen Geschichte holten sie einen großen Preis an die hessische Einrichtung. Der BVT-Award wird sich in ihren Lebensläufen gut machen. Beim Übergang in das Berufsleben konnten Heil und Belzner bereits aus einer Vielzahl von Angeboten auswählen. Derzeit arbeiten beide in Dieburg bei den Firmen Solitec und Nelskamp. Der Sickenhöfer ist Assistent der Werksleitung, der Hergershäuser Leiter der Instandhaltungstechnik. Mit dem Award war ein Pokal und ein Preisgeld von 500 Euro verbunden. Etwas höher liegt der „Gewinn“ von INKA durch die Arbeit der Projektanten: Hier wurden fast 100.000 Euro an Personal- und Materialkosten eingespart.

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