Neuer Blick auf einen kleinen Ort

Radtour führt zu den Sehenswürdigkeiten Harreshausens

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Der i-Punkt lud zu einer Radtour von Babenhausen nach Harreshausen mit Erkundung des kleinen Stadtteils ein.

Harreshausen - Geführt vom TVB-Vorsitzenden Bert Bernhardt machte sich eine Schar Radler nach Harreshausen auf. Das meiste gab es über die Mühlen zu berichten. Von Michael Just

Eigentlich klingen die Namen so, als ob die Siedlungen irgendwo an der deutschen Nordseeküste liegen. Doch Hardirshusen, Hardershusen, oder Herdershusen sind allesamt Bezeichnungen für Harreshausen, die das Dorf im 14. und 15. Jahrhundert erhielt. Das vermittelte Bert Bernhardt, der eine geführte Radtour durch den Babenhäuser Stadtteil anbot. Da Bernhardt Vorsitzender des Turnvereins ist, ließ sich vermuten, dass er im Namen des TVB unterwegs war. Doch die Sache lag anders: Bernhardt gab sein Wissen für den i-Punkt und damit die Stadt Babenhausen weiter. „Sylvia Kloetzel hatte die Idee, und ich habe ja gesagt“, berichtete der 50-Jährige. Dafür bringt er die optimalen Voraussetzungen mit: Vor rund 30 Jahren ließ sich der Berufsschullehrer zum Stadtführer ausbilden, um damit einem interessanten Hobby nachzugehen.

Zuerst stand im Raum, dass Bernhardt alle Stadtteile in die Runde einbezieht. Das erschien ihm dann aber doch zu sportlich. Er schlug vor, Harrreshausen alleine in den Fokus zu nehmen. „Neben der Kernstadt gibt es wohl keinen Stadtteil, der historisch so viel Interessantes bereithält“, ist sich der echte Babenhäuser, dessen Großvater aus Harreshausen stammt, sicher. Die Teilnehmer bildeten am Samstagnachmittag eine kleine Gruppe. Los ging es am i-Punkt. Der erste wichtige Stopp war vor der Harreshäuser Allee, wo der Baumbestand von 500 Exemplaren (1986) auf mittlerweile 325 Linden und Rosskastanien geschrumpft ist. Vor allem aus Altersgründen fanden hier in jüngster Zeit immer wieder Fällungen statt.

Beim ehemaligen Jagdhaus, das Graf Johann Reinhard III. von Hanau in den Jahren 722 bis ‘23 errichtete, rückte der freie Blick durch die Allee zum Babenhäuser Schloss in den Mittelpunkt. Das ehemalige Jagdschlösschen ist heute im Privatbesitz und Kulturdenkmal. Die Blickachse wurde auch in den folgenden Jahrhunderten bei der Entstehung neuer Häuser nicht zugebaut. „Von Amtswegen hat man darauf geachtet“, führte der TVB-Vorsitzende an. Das verwirre seinen Worten nach heutzutage immer noch Fremde, dass hinter einigen Häusern ein Weg verläuft, der dort so gar nicht hinpasst. Als interessant erwies sich zudem das Rollfeld, das Harreshausen vor dem Zweiten Weltkrieg bekommen sollte. Die geheimen Pläne kamen aber ans Tageslicht, weshalb der Flugverkehr dort nie richtig in Gang kam. Ein Stopp an der schönen Eiche gehörte als weiterer Höhepunkt zum Ausflug.

Mit das meiste gab es über die Harreshäuser Mühlen zu berichten. Einst standen gleich vier Exemplare am nördlichen Ortsausgang Richtung Stockstadt. Ab dem Jahr 1685 wurden zwei auf der rechten und eine auf der linken Seite der Gersprenz gebaut. Das Flüsschen hat an dieser Stelle ordentlich Kraft, da es kurz zuvor das Wasser von Lache und Ohlebach aufnimmt.

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Die vierte Mühle, die sogenannte Papiermühle, verrichtete an der bayrischen Grenze ihren Dienst. Bis in die 1950er Jahre war sie bewirtschaftet. Heute sind noch ein paar Mauerreste erhalten. Vielen Schaafheimern wurde in der Vergangenheit auferlegt, ihr Getreide in der Papiermühle zu mahlen. Aus diesem Grund gehört Schaafheimer Bürgern immer noch ein Großteil des Areals. Laut Bernhardt stand in der Harreshäuser Gegend schon vor 1685 eine Mühle. Sie war Teil von Altdorf, einer Ansiedlung in der heutigen Gemarkung Babenhausen, die aber im Lauf der Zeit unterging.

Von ihrem Frontmann erhielten die Radler eine Fülle an Informationen, die zum Teil ganz neue Blicke auf Harreshausen freigaben. So lohnte sich, neben der sportlichen Betätigung, die Tour gleich in mehrfacher Sicht. Das bewies nicht zuletzt die Eingangsfrage von Bernhardt: Als er nachhakte, was die Teilnehmer bereits über Harreshausen wissen, bekam er als Antwort, dass es ein „Labbes-Fest“ gibt und dass generell ein Dorf mit diesem Namen existiert. Diese bescheidene Kenntnis bot ausreichend Gelegenheit, Wissen draufzupacken.

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