Reinhold Blaha zeigt eine Auswahl seiner Fotografien

Wolkenberge und ein Klo

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„Deckel runter“ hat Fotograf Reinhold Blaha dieses Werk genannt. Aufgenommen worden ist es in der Babenhäuser Kaserne.

Babenhausen – Natur, verfallene Gebäude oder auch Fachwerk: 27 Bilder des Kunstfotografen Reinhold Blaha, „The Matrixer“, sind nun im Erdgeschoss der K&S-Seniorenresidenz ausgestellt. Von Petra Grimm

Babenhausen – Natur, verfallene Gebäude oder auch Fachwerk: 27 Bilder des Kunstfotografen Reinhold Blaha, „The Matrixer“, sind nun im Erdgeschoss der K&S-Seniorenresidenz ausgestellt. Der 46-Jährige hat einen ganz speziellen Blick auf die Dinge, auf winzige Details oder auch das große Ganze, das er oft von oben aufnimmt. Eines der großformatigen Bilder von Künstler Reinhold Blaha, die durch mehrfach Belichtung oft wie ein Gemälde daher kommen, ist in der verlassenen Kaserne in Babenhausen aufgenommen und zeigt ein etwas verstörendes Motiv. Es erlaubt den Blick in ein vergammeltes, seit Jahren unbenutztes Badezimmer und dort direkt auf die wenig einladende Toilette. Der Titel lautet „Deckel runter“. Seit Samstag ist es in der K&S-Seniorenresidenz zu sehen. Es hängt zwischen zwei Türen, die zu – man ahnt es fast – Toiletten führen.

Industriekultur und den Verfall von Räumen in Momentaufnahmen einzufangen sind ein Faible des gebürtigen Offenbachers, der seit sechs Jahren in Babenhausen lebt und bei der Firma Continental arbeitet. Es ist der morbide Charme herunter gekommener Orte, der ihn besonders fasziniert. In der Seniorenresidenz sind – von der künstlerisch abgebildeten Toilette abgesehen – allerdings eher Lebens bejahenden Motive zu sehen. Naturaufnahmen mit Bäumen, Wolkenbergen und Landschaften. In Babenhausen und der Partnerstadt Bouxwiller gefundene Fachwerkhäuser sollen in den Seniorenheim-Bewohnern positive Erinnerungen an bekannte Orte wachrufen.

Technisch und künstlerisch beeindruckend sind sowohl Blahas Makroaufnahmen, beispielsweise eines Tautropfen auf einem Grashalm, als auch seine an klassische schwarz-weiß-Fotos erinnernde Gebäudeaufnahmen. Sein Spiel mit natürlichem und künstlichem Licht taucht die Bilder in eine beinahe unwirkliche Atmosphäre, die oft einen Widerspruch findet in der Bodenständigkeit der Motive. So versteht er es eigentlich unspektakuläre Motive, wie eine schlichte Treppe („Stairway to Heaven“) oder eine Reihe von Briefkästen in einem Hochhaus („Post“) so in Szene zu setzen, dass sie plötzlich mehr sind als Treppenstufen oder Briefkastenschlitze, in denen unzählige Zeitungen stecken.

Das fotografische Wissen hat er sich selbst mit Büchern, Lehrvideos und durch fröhliches Experimentieren beigebracht, ebenso seine Fähigkeiten, die Aufnahmen anschließend zu bearbeiten. „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie oft ich das Handbuch meiner Kamera durchgelesen habe“, sagt er schmunzelnd. Angefangen hat Blaha im Alter von zwölf Jahren mit einer Super 8 Kamera: „Ich war als Kind ein großer Science-Fiction-Fan und habe aus Bausätzen Raumschiffe und Ufos gebaut, die ich im Film dann mit Zeitraffertechnik habe fliegen lassen“. Seit 16 Jahren arbeitet er mit der Digitalkamera. Von seinem Talent können inzwischen auch Hochzeitspaare und andere Interessenten profitieren: „Eigentlich träume ich davon, das Fotografieren zu meinem Hauptberuf zu machen.“

Perspektive pur: Fotos und Videos im Panoramaformat

Dass es ihn auf der Suche nach guten Motiven besonders zu alten Industrieanlagen und verfallenen Gebäuden zieht, liegt in seiner Kindheit begründet. „Wir haben in Offenbach in der Nähe des Hafens gewohnt.“

Für die Seniorenresidenz, die den Künstlern in Zusammenarbeit mit der städtischen Kultur- und Wirtschaftsförderung, seit zwei Jahren regelmäßig ihr Erdgeschoss als Ausstellungsfläche überlässt, hatte Blaha als Geschenk eine Fotografie mitgebracht, die er bei Nacht in Langzeitbelichtung von einem höher gelegenen Balkon der Einrichtung auf die Stadt hinunter gemacht hat. Er überreichte es Jaqueline Müller, der Leiterin der Seniorenresidenz, die mit den Präsentationen mehrere Anliegen verbindet. Zum einen sei es für die oft nicht mehr mobilen Besucher eine willkommene Möglichkeit wechselnde Kunstausstellungen zu genießen. „Außerdem ist es uns wichtig, nach außen offen zu sein. Deshalb haben wir auch einem öffentlichen Frisör und der Augenarztpraxis Räume überlassen. Unsere Kaffeebar ist immer geöffnet.“ Bürgermeister Joachim Knoke, in dessen Büro „ein Blaha“ hängt, lobte den guten Zusammenhalt der Babenhäuser Künstler, die mit ihren Arbeiten und ihrem Engagement eine Bereicherung für alle seien.

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