Zwingermauer erlaubt Blick zurück

Schlossumbau bringt historisch interessanten Fund ans Tageslicht

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Fluchtweg oder geheime Verbindung zur Stadtkirche? Bei dem kleinen Tunnel dürfte es sich eher um einen Abwasserkanal zum äußeren Grabenbereich gehandelt haben.

Babenhausen - Wenn an historischen Orten im Boden Löcher entstehen, kommen fast immer Reste längst vergangener Tage ans Licht. Das ist beim Babenhäuser Schloss nicht anders. Von Michael Just 

Mit dem Umbau des Schmuckstücks in ein Luxushotel wird gerade an der Ostseite gegraben, wo im Souterrain der Spa-Bereich entsteht sowie die Verbindungen zum externen Technikgebäude verlaufen. Vor wenigen Monaten stieß man dabei auf die noch gut erhaltene Zwingermauer. Auf Einladung der Schlossfreunde rückte die nun Klaus Mohrhardt, der sowohl dem Heimat- und Geschichtsverein als auch den Schlossfreunden angehört, im Gasthaus Zum Schwanen in den Mittelpunkt.

Die Zwingermauer stellte in der frühen Epoche des Schlosses, das um 1200 entstand, die äußerste Schutzmauer dar. „Da sie zu Verteidigungszwecken nicht ausreichte, wurde nur wenige Jahrzehnte später eine weitere, größere Mauer um das Gebäude gelegt“, erklärte Mohrhardt. Doch damit der Schutzbemühungen nicht genug: Im Lauf der Zeit folgten noch zwei Wälle und drei Gräben, die das Schloss nahezu uneinnehmbar machten. Die Zwingermauer entstand in einem Abstand von sieben Metern zur Schlossfassade. Sie hatte eine Höhe von zehn bis zwölf Metern und wies vier Ecktürme auf. Dass sie unter die Erde, und damit aus den Augen der Nachwelt, verschwand, lag an der Umgestaltung des Schlosses 1862 in eine Kaserne. Dafür wurde ein Großteil der Mauer abgetragen und die Zwischenräume zur Schlosswand verfüllt. Von 1869 bis 1881 beherbergte die Kaserne ein Reiterregiment der Roten Dragoner.

Neueste Entdeckungen stellte Klaus Mohrhardt nun vor.

Für Historiker und Geschichtsfreunde bieten sich mit der Freilegung der Zwingermauer, die laut Denkmalschutz stehen bleiben muss, neue Möglichkeiten, einen Blick in die Vergangenheit des Babenhäuser Schlosses zu werfen. Da es als mittelalterliche Wasserburg entstand, tut sich die Frage auf, ob der Bereich zwischen Mauer und Schloss mit Wasser gefüllt war. Für Klaus Mohrhardt war das vermutlich nicht der Fall, da dies unweigerlich zu einer nassen Schlossfassade geführt hätte. Viel eher dürfte der Schlosskoch, dessen Küche in der Nähe lag, den geschützten Bereich für Anpflanzungen genutzt haben. Vor allem lassen weitere Fundamente und Baureste darauf schließen, dass hier kein Wasser war.

Die spektakulärste Entdeckung stellt ein kleiner Tunnel dar. „War er ein Fluchtweg? Oder die geheime Verbindung zur Stadtkirche?“, fragte Mohrhardt geheimnisvoll und gab darauf selbst die Antwort: „Es dürfte sich eher um einen Abwasserkanal zum äußeren Grabenbereich gehandelt haben.“ Des Weiteren kam ein mutmaßlicher Erker bei den Grabungen zum Vorschein. Er enthält einen wertvollen Wappenstein mit den Hanauer Sparren, die bekanntermaßen auch im Babenhäuser Stadtwappen zu finden sind. Der Stein stammt aus dem Jahr 1526 und weist Philipp III. als Bauherren aus. Zukünftig soll er das Lapidarium im Hof des Territorialmuseums bereichern.

Führung durch Schloss in Babenhausen

Mit allen Vorträgen rund um das Schloss ist derzeit stets die Frage verbunden, wie die Umwandlung in ein Hotel voranschreitet. Da Klaus Mohrhardt mit den Besitzern, der Alfa-Consulting, in engem Kontakt steht, erhofften sich die Besucher im Anschluss an den Vortrag Informationen aus erster Hand. Laut dem Referenten wird derzeit der Spa-Bereich angegangen und ein großer, außenliegender Aufzug aus Glas und Metall angebracht. Er soll den Wellness-Bereich und die einzelnen Etagen des Hotels verbinden. Die Aufwendungen im Spa-Bereich bezeichnete Mohrhardt mit den Stabilisierungsmaßnahmen als groß. Mit Stahlbeton werde sogar ein zusätzlicher Kellerbereich eingezogen. Die Renovierung und Schaffung der Hotelzimmer steht noch aus. Trotzdem zollt Mohrhardt der Alfa-Consulting hohen Respekt: „Hier machen gerademal fünf Bauarbeiter mit großem Sachverstand einen tollen Job.“

Den langsamen Fortschritt stellte er in einen direkten Zusammen mit dem Denkmalschutz, der Achtung, den die Schlossbesitzer ihrem Objekt entgegenbringen und dem schwierigen Geldfluss, den die Situation in der Ukraine sowie das Embargo gegen Russland nach sich zieht. Laut Mohrhardt gelte deshalb unvermindert das Credo, dass man Geduld braucht. Wichtig sei, dass die Baustelle – wenn auch in diffiziler Form – am Leben ist.

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