Arbeiten zum Schutz vor Hochwasser

Bagger buddeln am Mühlen-Wehr

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Schweres Gerät und Fingerspitzengefühl waren notwendig, um aus der Gersprenz die Sandsteinquader fachgerecht auszugraben, ohne dass Schäden an den historischen Wehranlagen entstanden.

Babenhausen - Seit Jahren immer wieder auf der Liste steht die Sanierung der Wehranlage an der Konfurter Mühle. Die Arbeiten zum Hochwasserschutz haben dieser Tage begonnen. Von Walter Kutscher

Schweres Baugerät steht am Gewässer. Die großen und kleinen Bagger und Radlader sind bis voraussichtlich zum Frühherbst im Einsatz, um am Wehr Maßnahmen zum Hochwasserschutz zu realisieren. Abhängig vom Wasserstand können die Arbeiten auch früher beendet sein oder aber auch länger dauern. Im Falle starken Regens benötigt eine Hochwasserwelle vom Oberlauf der Gersprenz im Bereich bei Reichelsheim rund sechs Stunden bis nach Babenhausen.

Die Arbeiten erfordern gute Sachkenntnis vom Fließverhalten des Wassers, wird doch an dieser Stelle die Gersprenz in drei Arme aufgespalten. Die ausführende Firma aus Groß Zimmern hat einige Subunternehmer an der Hand, die auf Wasserbauarbeiten spezialisiert sind. Den Hauptarm bildet das Flüsschen mit einem leichten Linksbogen, geradeaus fließt das Wasser durch die Konfurter Mühle und rechts über das Wehr schießen die Wellen in südliche Richtung in einen Graben, der nach zirka 300 Metern zusammen mit dem Richerbach den Ohlebach bildet. Damit auch während der Bauphase wegen des Fischbestandes genügend Wasser dorthin fließt, wird von der Gersprenz am Wehr vorbei eine Rohrverbindung zum Graben gelegt. Der Mühlgraben, der hinter der Mühle wieder in die Gersprenz mündet, wird von dieser Seite mit Wasser versorgt, da der bachaufwärts liegende Zufluss abgetrennt wurde. Allerdings befürchten die Anwohner, dass bei Niedrigwasser im Hochsommer die Geruchsbildung im stehenden Brackwasser unangenehm sein könnte.

Die Arbeiten begannen damit, die alten Sandsteinquader, die zum Aufstauen des Wassers dienten, aus dem Flussbett zu heben und abzutransportieren. Ob diese wieder eingebaut werden, ist noch nicht entschieden, aber die schweren Blöcke werden aufbewahrt, da sie unter den Denkmalschutz fallen. Des Weiteren wurden hinter dem Wehr riesige mit Sand gefüllte Säcke im Wasser platziert, die einen künstlichen Staudamm bilden.

Nach weiteren Bagger- und Ausschachtarbeiten rund um das Wehr wird in den nächsten Tagen der Kampfmittelräumdienst das Gelände nach Blindgängern absuchen. Schließlich ist die 1359 erstmals urkundlich erwähnte Konfurter Mühle in den vergangenen Jahrhunderten häufig verschiedenen Kriegswirren ausgesetzt gewesen. In den 1930er Jahren gab es in der Nähe ein „Soldatenbad“, da Babenhausen Garnisonsstadt war. Auch Ende des Zweiten Weltkriegs fielen hier Bomben, und so gehört die Suche nach Munitionsresten zum Standard.

Wie vom Fachbereich Bauwesen im Rathaus zu erfahren war, sind zur Finanzierung der Maßnahme 500.000 Euro geplant. Den Löwenanteil muss der Stadtsäckel stemmen, aber auch vom Landesprogramm Gewässerentwicklung und Hochwasserschutz werden 160.000 Euro beigesteuert. Über den Fortgang der Bauarbeiten vor Ort kann sich in den kommenden Sommermonaten jeder interessierte Ausflügler selbst ein Bild machen.

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