Territorialmuseum in Babenhausen

Arbeit am Lapidarium kann beginnen

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Steinmetzmeister Franz-Josef Becker inspiziert eine Grabplatte, die aus der Stadtkirche stammt. Er und sein Team müssen das rund 1200 Kilo schwere Trumm säubern, bevor es im Lapidarium aufgestellt wird.

Babenhausen - Das Territorialmuseum wird erweitert, und zwar in seinem Außenbereich. Dafür gab es gestern einen Zuwendungsbescheid zur Förderung der ländlichen Entwicklung in Hessen. Von Stefan Scharkopf 

Eine Sammlung von Steinwerken, zu der Grabsteine, Grabplatten, Andachtsbilder sowie Grenz- und Markierungssteine gehören – so lautet die Definition für ein Lapidarium. Namensgeber ist der lateinische Begriff Lapis, zu deutsch: Stein. „In der Menschheitsgeschichte haben Steine eine besondere Bedeutung“, sagte Dieter Aumann von der Stiftung Amtsgasse 32, die das Territorialmuseum trägt. „Die Steinzeit dauerte über eine Million Jahre, Steine dienen nicht nur als Werkzeuge, sie sind auch Kultgegenstände. Auch in Babenhausen sind sie Teil der Historie.“ So wird nun im Außenbereich des mehrfach ausgezeichneten Museums ein Lapidarium eröffnet, das besondere Exemplare aus Sand- und anderem Stein ausstellt.

Landrat Klaus Peter Schellhaas bereiste gestern Babenhausen, machte auch Station im Territorialmuseum und überreichte an die Aumann-Stiftung einen Zuwendungsbescheid zur Förderung der ländlichen Entwicklung in Hessen (Leader-Programm) für das Lapidarium von knapp 20.000 Euro. Das Investitionsvolumen beträgt rund 46.000 Euro. Der HGV und die Aumann-Stiftung hatten sich an die Regionalförderung gewandt, die über den Kreis und das Land Hessen läuft – und waren nun erfolgreich.

Bis etwa Spätsommer soll das Lapidarium eröffnet sein. Es wird unter anderem eine Sammlung von historischen Grabsteinen aus der Stadtkirche beinhalten, die sich im Besitz des Heimat- und Geschichtsvereins befinden. Die bilden die Grundlage. Jene rund ein Dutzend historischen Überbleibsel wurden bei der Renovierung des evangelischen Gotteshauses vor ein paar Jahren freigesetzt. Für sie gab es keinen Platz mehr. Waren die mächtigen Quader zunächst im Bauhof untergebracht, kamen sie später zur Firma von Dieter Aumann. Jetzt lagern sie in Kisten verpackt auf dem Betriebsgelände von Franz-Josef Becker in Harreshausen. Der Steinmetzmeister und sein Team werden die Epitaphe säubern, die Ornamente und die Schriften von Dreck säubern, der sich über die Jahrhunderte hindurch auf die wuchtigen Platten gelegt und reingefressen hat, und so gut es geht wiederherstellen.

Neues Museum in Babenhausen eröffnet

Das Alter der Grabsteine wird auf bis zu 500 Jahre, ihre Entstehung auf den Zeitraum von 1500 bis 1800 geschätzt. Geschaffen wurden sie einst zum Gedenken an Kleinadelige, die ihre letzte Ruhe etwas abseits vom Altar fanden. Dazu gehörte beispielsweise Balthasar Prechter. Er war Rat- und Amtmann zu Babenhausen, was 1588 urkundlich festgehalten wurde. Auf seiner Grabplatte aus rotem Odenwälder Sandstein ist sein Tod am 26. Februar 1610 und seine Stellung als „Edel-Fest“, eine alte Bezeichnung für Edelmann, vermerkt. Einige Grabsteine sind in keinem guten Zustand. Die Inschriften sind beschädigt und unleserlich, eine Puzzle-Arbeit für die Steinmetze, die auf historisch genaue Vorlagen angewiesen sind. Kein Wunder, denn die Platten waren teils in den Kirchenfußboden eingelassen, die Gläubigen liefen über sie hinweg.

Wenn die Steinmetze ihre Arbeit beendet haben, werden die Grabsteine in einer langgezogenen Freifläche hinter dem Museum aufgestellt, die noch hergerichtet wird. Der Boden muss eingeebnet werden, ein Fundament ist nötig, auf das die Steine gestellt werden. Ein Dach soll Schutz gewährleisten, und es muss ein Kanal gelegt werden. Wie Dieter Aumann sagte, werden aber nicht nur die alten Grabsteine aus der Stadtkirche berücksichtigt. Auch aus dem Garten des Burgmannenhauses kommen Exponate hinzu, ebenso aus der Region. „Wir sind ja ein Territorialmuseum und berücksichtigen auch die Umgebung. Das heißt, die Anlage wird stetig wachsen, weil immer wieder neue Steine von historischer Bedeutung hinzukommen.

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