„Wie gefährlich ist das Gift?“

Vogelspinnen in der Stadthalle

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Die Angst vor Spinnen scheint unter Kindern kaum verbreitet. Bei der Riesenspinnen-Ausstellung in der Stadthalle zeigten sich die meisten fasziniert von den haarigen Krabblern.

Babenhausen - 43 Spinnen aus unterschiedlichen Kontinenten und weitere Insekten tummelten sich kürzlich in der Babenhäuser Stadthalle. Von Michael Just 

Ein Kammerjäger war nicht zugegen – stattdessen etliche Neugierige, die sich die exotischen Krabbler einmal aus nächster Nähe ansehen wollten. Ganz Mutige gingen sogar auf Tuchfühlung mit einer haarigen Tarantula.  Es sind Schweißperlen, die sich auf der Stirn einer 52-Jährigen bei der Schau „Riesenspinnen“ im kleinen Saal der Stadthalle abzeichnen. Die Babenhäuserin, die lieber ungenannt bleiben möchte, leidet nämlich unter Arachnophobie. Damit ist die Angst vor Spinnen gemeint. In die Ausstellung ist sie mit dem Wunsch gekommen, diese Phobie ganz, oder zumindest ein Stück weit, zu überwinden. „Ist eine Spinne zu Hause bei mir im Raum, muss die tot oder lebendig da raus“, berichtet sie. Früher habe sie die ungebetenen Gäste sogar mit dem Staubsauger „weggefangen“. Sidney Sperlich, der hinter der Ausstellung steht, kennt diese Ängste. Auch wenn mit seiner Schau kein „Therapieangebot“ einhergeht, nimmt er sich fast immer den Phobien an. Nach der Beruhigunng und wichtigen Informationen lässt er die Babenhäuserin mit dem Zeigefinger das behaarte Hinterbein einer Tarantula berühren. Die Frage der Frau, ob die Spinne sie anspringen kann, verneint er. Kurze Zeit später läuft die Vogelspinne kurz über den Handrücken der Besucherin, was dieser Tränen der psychischen Anstrengung in die Augen treibt. Überglücklich lässt die 52-Jährige danach noch ein Foto mit sich und der Spinne auf der Hand ihres „Therapeuten“ machen. Der Fotobeweis ist für die Tochter und soll den Mut der Mutter festhalten.

Mit seinen Vogelspinnen, englisch auch „Tarantula“ genannt, war Sperlich nun zum zweiten Mal in Babenhausen. Insgesamt hatte er 43 Spinnen aus unterschiedlichen Kontinenten dabei. Dazu tummelten sich in den 60 Terrarien weitere Insekten der besonderen Art, darunter Gottesanbeterinnen. Der 26-jährige Kfz-Mechaniker kommt aus Helmstedt in der Nähe von Braunschweig. Als Kind bekam er eine Vogelspinne von seinem Vater geschenkt, was die Leidenschaft in Gang setzte. Heute hält er in einem riesigen Gewölbekeller über 2 000 Krabbler. Darunter sind viele Jungtiere. Jeder Wurf einer Tarantula bringt nämlich 50 bis 60 neue Achtbeiner hervor. Ein großer, beheizter Anhänger hilft Sperlich, seine Tiere, die alle Nachzuchten sind, zu den Schauen zu transportieren. Die Veranstaltungen müssen beim örtlichen Veterinäramt angemeldet werden. Das behält sich mögliche Kontrollen über Zustand und Herkunft der Tiere vor. Sperlich eilt aber ein guter Ruf voraus.

Sechs Euro für Erwachsene und vier Euro für Kinder kostet der Eintritt. Wer ein Foto mit einer Spinne möchte, muss weitere fünf Euro zücken. Für besonders neugierige Kinder holt der Niedersachse immer mal wieder ein Exemplar heraus und lässt die Eltern ein Handyfoto ohne Bezahlung machen. Wird der Spinnenkenner als Kopf der Schau erkannt, prasseln Fragen auf ihn ein. „Wie gefährlich ist das Gift?“ oder „Was fressen Vogelspinnen?“ wollen die Leute unter anderem wissen. „Grillen, Heimchen und Wüstenschrecken“ lautet die eine Antwort. Für die andere Erklärung holt er weiter aus: „Das Gift kommt einem Wespenstich gleich und ist nicht sonderlich gefährlich, sofern keine Allergie vorliegt.“ Laut Sperlich gibt es aber Spinnen, deren Gift ohne Gegengift tödlich sein kann. „Das sind dann aber keine Vogelspinnen“, so der 26-Jährige.

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Auf Insektenbörsen lassen sich Vogelspinnen zu sehr unterschiedlichen Preisen erwerben. Los geht es ab 25 Euro, für seltene Exemplare kann der Preis auf bis auf 2 000 Euro hochgehen. Ausstellungsbesucher Wolf Sauer ist voll des Lobes, dass solche Schauen existieren. „Die Kinder von heute leben doch nur noch in virtuellen Welten. Hier werden sie mit der Natur konfrontiert“, sagt er. Trotz der Wertschätzung ist ihm aber auch eine artgerechte Haltung wichtig. Deshalb will er von Sperlich wissen, wie man kranke Spinnen erkennt. „Vor allem am Verhalten, wie etwa einem eingeschränkten Bewegungsdrang“, erklärt er. Bei der Babenhäuserin mit Arachnophobie schafft es Sperlich mit viel Information und der Möglichkeit, eine Tarantula zu berühren, einen Großteil der Angst zu nehmen. So weiß die 52-Jährige jetzt, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass eine Spinne jemals nachts über ihr Gesicht krabbeln wird. Der Luftzug, der beim Atmen aus der Nase entsteht, vertreibt in der Regel die Tiere. Auch den Puls eines Menschen können sie aufnehmen und suchen danach lieber das Weite.

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