Betreiber Kahl denkt über Rückzug nach

Erhalt des Freibades: Wird das Planschen teurer?

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Die aufblasbaren Gummigeschöpfe einer Event-Agentur waren in den Sommerferien ein absoluter Höhepunkt.

Babenhausen - Der Magistrat soll sicherstellen, dass das Freibad im nächsten Jahr wieder geöffnet wird. Diese Forderung der Grünen fand im Hauptausschuss eine Mehrheit. Von Norman Körtge

Die Tage des Babenhäuser Schwimmbades sind gezählt. Zumindest für 2016. Am kommenden Sonntag öffnet das Freibad mit dem ehemaligen Küstenmotorschiff „Jenny“ als Blickfang, das neben dem Kiosk auch die Technik für die Schwimmbecken beherbergt, zum letzten Mal in diesem Jahr. Zumindest auch politischer Wille ist es, dass es im Frühjahr 2017 wieder öffnet. Denn unisono sprachen sich am Mittwochabend in der gemeinsamen Sitzung von Haupt- und Sozialausschuss alle Fraktionen dafür aus, dass das Schwimmbad aller Sparbemühungen zum Trotz als Freizeit- und Sporteinrichtung erhalten bleiben muss. Untermauert wurde das Ganze durch einen Änderungsantrag der Grünen, der im Ausschuss eine Mehrheit fand. Eine der Forderungen darin: Der Magistrat soll sicherstellen, dass das Freibad im nächsten Jahr wieder öffnet.

Wie sehr das Thema Freibad den Babenhäusern unter den Nägel brennt, war an den voll besetzten Zuschauerplätzen zu erahnen. Zirka 70 Bürger hörten sich die Diskussion der Lokalpolitiker an. Auf die Agenda gebracht hatten es CDU und Freie Wähler Babenhausen (FWB) mit einem gemeinsamen Antrag im Rahmen ihres Konsolidierungspaketes. Inhalt des Antrages: Es soll ein neues Betreibermodell für das Schwimmbad gefunden werden das dazu beiträgt, den jährlichen städtischen Zuschuss auf eine halbe Millionen Euro zu deckeln. Da der Betrag zuletzt bei zirka 650.000 Euro lag, bedeutet dies, dass mindestens 150.000 Euro eingespart werden sollen.

Schließung nicht beabsichtigt

CDU-Fraktionsmitglied Günther Eckert betonte, dass keinesfalls eine Schließung beabsichtigt ist. Zugleich brachte er Modelle aus Nachbarkommunen ins Spiel. Etwa Schaafheim, das sein Freibad in Eigenregie betreibt. Oder Groß-Umstadt, wo ein Förderverein wichtige Arbeit leistet. In Babenhausen hingegen betreibt die Kahl GmbH das Schwimmbad und erhalte von der Stadt dafür jährlich 225.000 Euro. Kosten könnten gespart werden durch den Einsatz von Ehrenamtlichen – etwa an der Kasse oder beim Rasenmähen, meinte Eckert. Auch müsse darüber nachgedacht werden, die Eintrittspreise zu erhöhen und ein Konzept entwickelt werden, um das Schwimmbad noch attraktiver zu machen. Mit einem Förderverein oder einem anderen Modell müssten die Einsparung zu schaffen sein, meinte der CDU-Politiker.

„Unrealistisch“ nannte hingegen SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Roth die Einsparsumme von 150.000 Euro. Auch Manfred Nodes von den Grünen war der Auffassung, dass dies nicht machbar sei. Im Antrag seiner Fraktion ist eine Einsparsumme von 50.000 Euro vorgesehen, allerdings eben mit jener Prämisse, dass das Schwimmbad wieder öffnen soll. Bürgermeister Joachim Knoke war ebenfalls der Meinung, dass 150.000 Euro „faktisch nicht erreichbar ist“.

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Schließlich stimmten nur CDU und FWB für ihren Antrag. Im Ausschuss zu wenig, um ihn für die Stadtverordnetenversammlung am 15. September zu empfehlen. Der Grünen-Antrag fand mit den Ausschuss-Stimmen der Antragssteller, der SPD und FDP eine Mehrheit, CDU und FWB enthielten sich.

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Die Diskussion rund um die Kosten beim Schwimmbad stoßen hingegen beim Betreiber, der Kahl GmbH, bitter auf. Vor allem, dass die Summe von 225.000 Euro unkommentiert in den Raum gestellt wird. Weder Lokalpolitiker noch die Verwaltung hätten bislang das Gespräch mit ihr gesucht, sagt Dalila Kahl auf Anfrage. Ihr Mann Michael erklärt, dass die Summe nicht aus der Luft gegriffen worden ist. Als vor etlichen Jahren erstmals Verträge geschlossen wurden, sei die Voraussetzung gewesen, dass er 20 Prozent unter den Personalkosten der Stadt bleibt. Dies sei geschehen. Auch dürfe nicht vergessen werden, dass es mittlerweile einen Mindestlohn gibt und die Kahl GmbH das Risiko trägt, mit dem Geld alle entstehenden Personalkosten abdecken zu müssen. Stattdessen müssten die Kahls und ihre Mitarbeiter sich nun anhören, was sie mit dem Geld machen. „Das ist unverschämt“, sagt Dalila Kahl. Sie überlegt, ob sie den Vertrag mit der Stadt von sich aus kündigt. Bis Ende September hat sie dazu die Möglichkeit.

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