„Kammer des Schreckens“

Asservatenkammer des Darmstädter Regierungspräsidiums erstaunt

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Volker Geißler, als Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Darmstadt für den Artenschutz zuständig, in der Asservatenkammer inmitten von beschlagnahmten Gegenständen – darunter Elefantenfüße als Hocker, ein ausgestopfter Papagei, ein Krokodilschädel (l) und wertvolle Pelzmäntel.

Darmstadt - Wirklich groß ist der Kellerraum nicht, in ihm ist aber Besonderes: geschützte Tiere und Teile von ihnen – präpariert. Ein Gang durch die Asservatenkammer des Regierungspräsidiums Darmstadt. Von Joachim Baier

Damit rechnet in einer Behörde niemand: Eine Krokodilhaut hängt an der Decke. Im Regal steht der präparierte Kopf eines Geparden. Ein Hingucker sind auch Elefantenfüße, umgearbeitet als Hocker. „Das ist unsere Kammer des Schreckens“, sagt Volker Geißler. Ein Schmunzeln huscht dem 59-Jährigen übers Gesicht. Er ist im Regierungspräsidium Darmstadt für den Artenschutz zuständig. Gerade hat er im Keller die Asservatenkammer aufgeschlossen. Wer eintritt, ist erstaunt – und erschrocken. Das Regierungspräsidium (RP) ist gerade im Ballungsgebiet Rhein-Main für den internationalen Artenschutz verantwortlich, der in Deutschland seit 1976 gilt. „Die Sachen sind beschlagnahmt“, sagt Geißler, während er auf einzelne Stücke deutet. „Das hat sich jemand zum Protzen besorgt“, sagt er und blickt auf die Krokodilhaut ohne Kopf an der Decke.

Sind die bei Kontrollen entdeckten Tiere schon tot und präpariert, kommen sie oder Teile von ihnen in die Asservatenkammer. Leben sie noch, werden sie privaten Haltern gegeben. „Zur dauerhaften Bewahrung“, wie Geißler sagt. Tot oder lebendig, das halte sich in etwa die Waage. „Der Durchlauf ist aber hoch. Wir haben hier die meisten Reptilienbörsen. Und eine hohe Dichte an Züchtern von Schildkröten.“

Ausgestopfte Raubtierköpfe gehören auch zur „Kammer des Schreckens“.

Kontrollen gibt es statistisch gesehen an jedem Arbeitstag. Tote komplette Exemplare, Tierteile und Erzeugnisse aus tierischem Material wurden 2014 fast 150 entdeckt. Im vergangenen Jahr schnellte die Zahl aufgrund eines großen Fundes auf mehr als 700 hoch. Entdeckt werde Illegales fast überall: „Auf Messen, in Kunstgeschäften, auf Flohmärkten“, sagt Geißler. „Wir sind gut unterwegs.“ Fündig werde man auch auf Online-Marktplätzen, bei Hausdurchsuchungen der Polizei. Problematisch könne es auch werden, wenn Erben beispielsweise Omas Pelzmantel verkaufen wollten.

„Die Menschheit ist manchmal unbedarft“, meint Geißler. „Wenn etwas angeboten wird, denken viele, das sei auch okay.“ Wenn aber nicht klar belegt werden könne, dass ein Tier oder ein Teil davon nicht eindeutig legal sei, „dann hat der Besitzer ein Problem“, sagt Geißler. Denn dieser müsse beweisen, dass alles mit rechten Dingen zugeht – egal, ob geschäftlich oder privat.

Flughafen Frankfurt: Die kuriosen Funde des Zolls

Der Begriff Asservatenkammer ist abgeleitet vom lateinischen Wort „asservare“ – bewachen oder verwahren. Ein Name also für einen Raum, in dem ganz unterschiedliche Gegenstände amtlich aufbewahrt werden, weil sie illegal sind oder sogar mit einem Verbrechen zusammenhängen. „Aufbewahrt werden etwa Waffen, Diebesgut und Rauschgift als Beweismittel für eine Verhandlung“, sagt Ministeriumssprecherin Magdalena Grimm. Die stellvertretende Sprecherin der Staatsanwaltschaft Kassel, Verena Bring, ergänzt: „In der Regel werden die Gegenstände benötigt bis zu einem Urteil.“ In der Asservatenkammer des Polizeipräsidiums Frankfurt sind vor allem Gegenstände gelagert, die mit der Strafverfolgung zu tun haben – vom Stück Papier bis zu einem Gewehr.

In der Asservatenkammer des Darmstädter RP können die Gegenstände nicht ewig bleiben. Manche halten nicht auf Dauer, und die rund 30 Quadratmeter platzen aus allen Nähten. Und dann? „Tote Gegenstände gehen in die Müllverbrennungsanlage“, verrät Geißler. Aber auch dieser letzte Weg wird streng überwacht. (dpa)

Quelle: DA-imNetz.de

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