Verkehrsströme besser steuern

Darmstadt ist Hessens schlimmste Stau-Stadt

Darmstadt - Es ist kaum zu glauben: In Darmstadt gibt es pro Einwohner mehr Autos als in der Banken-Metropole Frankfurt – und das schon länger. Der Straßenverkehr macht der Stadt schwer zu schaffen. Von Joachim Baier 

Der Verkehr staut sich auf der Rheinstraße in der Darmstädter Innenstadt.

Laut dem Verkehrsdatenanbieter Inrix ist Darmstadt sogar Hessens Stau-Stadt Nummer eins – mit 33 Stau-Stunden im vergangenen Jahr, noch vor Frankfurt mit 32 Stunden. Die beiden Städte tauschten im Vergleich zum Jahr davor die Plätze. Am längsten im Stau stehen deutschlandweit die Autofahrer in Stuttgart mit 73 Stunden. In dieser Rangliste steht Darmstadt auf Platz 13, Frankfurt hinter Hannover auf Platz 15. In Darmstadt ballen sich Autos, Busse und Lastwagen nicht nur morgens und abends, wenn Pendler aus den umliegenden Städten und Gemeinden rein- und wieder rausfahren. Nach Angaben von Inrix ist in Städten generell auch mit dem wachsenden Internethandel das Anliefern der Waren zu spüren. Für Klaus Habermehl, Professor an der Hochschule Darmstadt, kommt der Verkehr in der Stadt zudem durch „Baustellen ein bisschen durcheinander“.

Kürzlich wurden in der Darmstädter Innenstadt nur ein paar Fahrbahnmarkierungen ergänzt, der Bereich war gesperrt. Auch noch an einer Kreuzung gegenüber kamen Rechtsabbieger kaum weiter, denn Fußgänger hatten gleichzeitig Grün und Vorrang. „Bei Baustellen wird es ganz finster“, beschreibt der Fotograf Arthur Schönbein aus Darmstadt seine Erfahrungen. „Ich habe gefühlt den Eindruck, dass das andere Städte besser können.“ Allerdings komme die Stadt um Baustellen auch nicht herum. Wie kann es besser werden? „Man kann aus den Spitzenstunden den Verkehr verlagern“, schlägt Wissenschaftler Habermehl vor – zum Beispiel auf öffentliche Verkehrsmittel. Noch ein Vorschlag: Das Parken in den Städten teuer machen, an den Stadträndern billig, so dass die Autos draußen bleiben. „Das wäre eine Möglichkeit.“ Eine andere: Die öffentlichen Verkehrsmittel bis an die angrenzenden Regionen ausdehnen, damit mehr Pendler zusteigen können.

In Hessens Stau-Stadt Nummer eins gibt es die Initiative 2proAuto. Sie wirbt dafür, nicht mehr nur alleine Auto zu fahren. „Ein freier Sitzplatz ist eine Ressource“, sagt Koordinator Martin Patri. „Fast jedes Auto ist nicht ausgelastet. Darmstadt könnte von heute auf morgen eine staufreie Stadt werden.“ Die Vision laute: „Montagmorgen und keiner steht im Stau.“ Dass sich das nicht gleich umsetzen lässt, ist Patri klar: „Wenn ich das Gefühl habe, dass mehr Menschen zusammen im Auto sitzen, ist das schon das Ziel.“

Das Wichtigste zum Thema Stau

Weniger Verkehr wäre weniger Lärm, Feinstaub und auch Kohlenstoffdioxid (CO2), erklärt die Initiative, die auch in anderen Städten für ihr Konzept wirbt. Ein Fallbeispiel, gerechnet für die Stadt Frankfurt: Wenn zehn Prozent der Pendler montags ihr Auto stehen lassen, sind an dem Tag mehr als 32 000 Autos weniger unterwegs, eine enorme Menge Kohlendioxid würde eingespart – im gleichen Zeitraum wären etwa 750 000 Bäume vonnöten, um diese Menge an CO2 entziehen zu können. Damit es auf den Straßen besser flutscht, will die Stadt Darmstadt als ein Hauptpunkt ihres Verkehrskonzeptes die Ampelsteuerung an wichtigen Verkehrsknotenpunkten verfeinern – „Verkehrsverflüssigung“ heißt das Programm. Laut einem Sprecher könnte dies noch in diesem Jahr erledigt sein: „Wir wollen die Verkehrsströme besser steuern, damit die Leute schneller durchkommen.“ dpa

Quelle: DA-imNetz.de

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