Angeklagter pädophil

Missbrauch in Kita: Mehrjährige Haftstrafe für Erzieher

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Symbolbild

Darmstadt - Es ist der Alptraum aller Eltern: Ein pädophiler Erzieher vergeht sich in einer Kita an einem Mädchen, während die anderen Kinder Mittagsschlaf halten. Dafür will ihn das Gericht jetzt hinter Gitter stecken. Doch die Verteidigung kündigt Revision an.

Der Angeklagte nickt, als die Anwältin der Nebenklage sagt: "Sie haben großen Schaden angerichtet." Die Mutter des vierjährigen Opfers sitzt daneben, krallt sich in ihr Taschentuch, ihre Augen sind tränengerötet. Insgesamt fünf Mal hat sich der 29 Jahre alte Erzieher im vergangenen Sommer in einer Kindertagesstätte in Roßdorf (Kreis Darmstadt-Dieburg) an dem kleinen Mädchen vergangen. Dafür wird er heute vom Landgericht Darmstadt zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt. Mit dem "Wolf im Schafspelz" vergleicht Richter Marc Euler den Angeklagten in der Urteilsbegründung. Angefangen habe der Angeklagte mit dem Konsum von Kinderpornografie. Fast 8000 Dateien werden später bei ihm sichergestellt. Dann habe er sein Verhalten langsam geändert, erklärte der Richter weiter.

"Obwohl er von kleinen Kinder erregt wird, beschließt er, im Kindergarten zu arbeiten", sagt der Richter. Dort sei er ein geschätzter Kollege gewesen, bei den Kindern beliebt, sein späteres Opfer habe ihm ganz besonders vertraut. Zu den Übergriffen zwischen Juni und August 2015 kommt es im Schlafraum der Kita, während die anderen Kinder dort Mittagsschlaf halten. Die Situation im Schlafraum habe der Angeklagte bewusst ausgenutzt, sagt Euler. Nachdrücklich warnt er davor, männliche Erzieher unter Generalverdacht zu stellen, stellt allerdings auch klar: "Der Kindergarten ist kein Selbstbedienungsladen für Pädophile." Strafmindernd wertet das Gericht das umfassende Geständnis des nicht vorbestraften Täters, auch wenn er das komplette Ausmaß der Taten erst in der Hauptverhandlung eingeräumt habe. Raum für verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten oder minderschwere Taten sieht Euler jedoch nicht. Auch wenn das Gericht in weiten Teilen der Argumentation der Staatsanwaltschaft folgt, bleibt es deutlich unter der von ihr geforderten Haftdauer von sechs Jahren und zehn Monaten.

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Oberstaatsanwalt Wolfgang Sattler wirft dem Angeklagten vor, nichts gegen seine Neigungen unternommen zu haben. "Er wusste es, er kannte es, er hatte seine Kontrollmechanismen", sagt er und wendet sich dann direkt an den Angeklagten. "Pädophilie ist keine Straftat, sondern eine Neigung, die sich niemand aussucht. Der Vorwurf ist, dass Sie die Pädophilie ausgelebt haben. Deswegen sind Sie angeklagt." "Kindesmissbrauch in einer Kita ist ein Super-Gau", räumt auch Verteidiger Jürgen Rath ein. Trotzdem fordert er eine Bewährungsstrafe. Sein Mandant habe ein umfangreiches Geständnis abgelegt, das glaubhaft und durchaus von Reue getragen gewesen sei. Zudem habe er sich uneingeschränkt therapiebereit gezeigt. Er benötige keinen Strafvollzug, sondern eine Therapie. Das Urteil nimmt der Angeklagte zunächst regungslos auf. Erst später fährt er sich mehrfach mit dem Taschentuch über die Augen. Rath kündigt Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH) an. Die Entscheidung des Landgerichts stimme nicht mit dem Vorgaben des BGH in anderen, wesentlich schwereren Fällen überein, sagt er. Nebenklage-Anwältin Angela Gräf umarmt nach der Urteilsverkündung die Mutter des Opfers, der die Erleichterung anzusehen ist. Mit der Entscheidung des Gerichts sei sie sehr zufrieden, sagt Gräf. "Aber diese Tat wird das Kind und die Familie ein Leben lang begleiten."

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dpa

Quelle: DA-imNetz.de

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