Eintracht appelliert an Fans

Gericht: Verbot unverhältnismäßig und mangelhaft begründet

Darmstadt - Gestern kippte das Verwaltungsgericht Darmstadt das von der Stadt verhängte Aufenthaltsverbot für Fans von Eintracht Frankfurt. Heute folgte die Begründung für die Entscheidung:

Das von der Stadt Darmstadt angeordnete Innenstadtverbot für Eintracht-Fans ist nach Ansicht des Verwaltungsgerichts mangelhaft begründet und unverhältnismäßig. "Nicht jeder, der Fankleidung trage, könne ... dem Kreis potenzieller Straftäter zugerechnet werden", heißt es in der am Freitag vorgelegten Begründung der Entscheidung (Az: 3L642/16.DA). Ein generelles Aufenthaltsverbot gegenüber allen Eintracht-Fans sei unverhältnismäßig.

Die Stadt Darmstadt wollte aus Angst vor Fan-Ausschreitungen beim Bundesliga-Hessenderby zwischen dem SV Darmstadt 98 und der Eintracht das Zentrum von Freitagabend bis Sonntagmorgen für Frankfurter Fans sperren. Das Verwaltungsgericht Darmstadt kippte aber am Donnerstagabend die entsprechende Verfügung. Das Verwaltungsgericht bemängelte unter anderem, dass aus der Verfügung der Stadt nicht eindeutig hervorgehe, ob sich das Aufenthaltsverbot an alle Eintracht-Fans oder nur an die richte, die nach außen als Anhänger des Vereins erkennbar seien. Außerdem könne nicht davon ausgegangen werden, dass sich die gewaltbereiten Anhänger durch Fankleidung, Skandieren oder durch sonstiges Auftreten zu erkennen gäben.

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Trotz der Entscheidung des Gerichts hat die Führung von Eintracht Frankfurt an die Fans des Vereins appelliert, rund um das Bundesliga-Derby nicht nach Darmstadt zu reisen. "Wir wollen ein friedliches Derby. Unsere Aufforderung ist, Provokationen zu vermeiden", sagte Vorstandsmitglied Axel Hellmann heute bei einer Pressekonferenz. "Wir haben kein Verständnis für jemanden, der gewaltbereit oder in einer aggressiven Absicht nach Darmstadt fährt."

Die Eintracht wirft der Stadt Darmstadt allerdings vor, die Sicherheitslage durch diesen "Soloweg" (Hellmann) weiter verschärft zu haben. "Es wird jetzt eher so sein, dass einige demonstrativ von ihrem Recht Gebrauch machen werden, in Darmstadt präsent zu sein. Das hätte man verhindern können", sagte Hellmann. "Wir haben versucht, über unsere Kanäle in jeder Hinsicht deeskalierend zu wirken. Aber das ist uns nicht einfacher gemacht worden. Eine Stadt, die über viel Erfahrung mit diesen Dingen verfügt, wäre im Vorfeld auf alle zugekommen. Man hätte versuchen müssen, alle einzubinden, die Fachwissen haben." (dpa)

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Quelle: DA-imNetz.de

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