Aktion „Sauberhaftes Dietzenbach“

Bürger entmüllen die Straßen

+
Auf dem Lkw zu sehen: Unter Müllsäcken liegen unter anderem Fahrrad und Autoreifen.

Dietzenbach - Mehr als 200 Kreisstädter – verteilt auf 24 Gruppen – haben bei der Aktion „Sauberhaftes Dietzenbach“ mitgemacht. Die Bilanz: Eine Containerladung von rund 40 Kubikmeter Müll haben die Bürger innerhalb weniger Stunden gesammelt. Von Matthias Towae 

Ob es nun Tränen der Freude oder der Trauer waren, die Wettergott Petrus an dem Tag des Großreinemachens vergossen hat? Vermutlich beides zu gleichen Teilen. Freudentränen im Fall der vielen Helfer. Derer waren es laut Jessica Kintzel, Koordinatorin der Aktion bei den Städtischen Betrieben, mehr als 200 – verteilt auf 24 Gruppen. Diese ließen sich trotz Schmuddelwetter nicht davon abhalten, ihre Stadt – und im Fall der Geflüchteten ihren Zufluchtsort – von Müll zu befreien. Tränen der Trauer jedoch deshalb, da eine Containerladung von 40 Kubikmeter Unrat zusammengekommen ist – reichlich Müll traf konsequenterweise auf reiches Engagement von Bürgerseite.

Claudia und Arndt Zettler aus Steinberg etwa säuberten um ihr Quartier herum Straßen, Wege, Hecken, Ecken und Büsche. Ins Netz gingen ihnen dabei neben einem Leitpfosten dem Vernehmen nach auch viele Dias und gerahmte Bilder, zudem eine Gehhilfe.

„Sauberhaftes Dietzenbach“: Arnd (von rechts) und Claudia Zettler sowie Frauke Nelle, Frederick und Alexander Leutz haben Müll rund um den Dominik-Brunner-Platz gesammelt. 

Gerd Wendtland von der hiesigen Flüchtlingshilfe war an dem Aktionstag früh auf den Beinen und holte die für die Putzaktion notwendigen Utensilien – Müllsäcke, Greifzangen sowie Handschuhe – bei den Städtischen Betrieben auf dem Bauhof ab. Danach ging es direkt zur Flüchtlingsunterkunft am Kindäckerweg. Dort wartete er geduldig darauf, dass ihm seine Schützlinge behände zur Seite springen würden. Er musste jedoch mit sanftem Druck nachhelfen, wie er mit viel Milde in der Stimme und einem nachsichtigen Lächeln zu Protokoll gab. Ein Abstecher zum Bauhof zeigte das Ausmaß der rühmlichen Lesewut der engagierten Putzteufel der Kreisstadt. Auf einem der unentwegt im Stadtgebiet zirkulierenden Pritschenwagen fand sich alles Erdenkliche: Reifen, Dämmwolle, Metallteile, Bauschutt. Die Mitarbeiter des Bauhofs hatten Mühe, den bei ihnen anlandenden Umweltfrevel ordnungsgemäß zu trennen und zu sortieren. Insbesondere an der Bahn-endstation in der Eisenbahnstraße kam viel Unrat zusammen. Konkret: laut Kintzel 15 Kubikmeter verteilt auf fünf Pritschenwagenladungen. Eine Beteiligung der Bahn konnte bisweilen – trotz mehrerer Anfragen – nicht angebahnt werden, sagte Christian Locke, Geschäftsführer der Städtischen Betriebe.

Bilder aus dem Jahr 2014

„Sauberhaftes Dietzenbach“

Zur Tagesmitte fanden sich dann nach und nach mehr Helfer im Bildungshaus ein. Dort stärkten die Anpacker sich mit einer Suppe und Geflügelwürstchen, bekamen ferner Freikarten fürs Waldschwimmbad als Dankeschön ausgehändigt. Christel Germer, wie berichtet seit Freitag neue Stadtverordnetenvorsteherin, hielt dort eine kurze Ansprache und dankte allen Helfern, die ihren Beitrag zu einem schöneren, saubereren Stadtbild geleistet haben. Sie erinnerte zugleich daran, dass die Kreisstadt kostengünstige und -freie Möglichkeiten der Müllentsorgung anbietet und bat alle Beteiligten der Saubermachaktion darum, „Botschafter“ zu sein, Mitbürger auf Fehlverhalten hinzuweisen. Silvia Sanchez, Inhaberin der Weinstube Korkenzieher, und ein Teil ihres Teams beteiligten sich ebenfalls an der Aktion. Ihre Ausbeute unter anderem: verwestes Fleisch mit Knochen, eine Spritze, Radkappen, Socken und eine Messerklinge. „Wir wollen unsere Stadt sauber sehen und denken nach, was man für die Umwelt tun kann“, sagte Sanchez, nach dem Grund für ihr Engagement gefragt. Einen weiteren schob sie gleich nach: „Es macht Spaß im Team.“

Kommentare