Aussichtsturm auf dem Wingertsberg

15 Jahre schöne Aussicht

Dietzenbach - Von Weitem wirkt der Aussichtsturm auf dem Wingertsberg wie ein überdimensionierter Korkenzieher, der den Boden öffnet. Oder wie ein Turmhubschrauber kurz vorm Abheben. Von Ronny Paul 

Das Ballett der Bewegung auf dem Wingertsberg. - Archivfoto: Scholze Das Ballett der Bewegung auf dem Wingertsberg.

Von der Aussichtsplattform in 21 Meter Höhe ist der Blick bei klarem Wetter frei auf Taunus und Frankfurter Skyline. Von Weitem: ein Wahrzeichen Dietzenbachs. Von der Plattform aus: der wohl schönste Aussichtspunkt des Kreises. Seit nunmehr 15 Jahren thront das vom Frankfurter Architekten Professor Wolfgang Rang geschaffene „Ballett der Bewegung“ auf dem Wingertsberg und zieht nicht nur Besucher der Kreisstadt an. „Ich bin öfter vor Ort und gebe Führungen für Architekturstudenten und Bauherren“, sagt der 66-Jährige, der mit dem 33-Meter-Riesen etwas Einzigartiges erschaffen hat. „Der Turm ist ein Unikat.“ Das Besondere an dem Bau: Alleine mit dem Mittelpfosten würde der Turm ständig mit dem Wind schwingen. Daher hat Professor Rang Ringe im Boden verankert, an denen mehrere Stahlseile befestigt sind, die wiederum den Bau gerade halten. „Der Turm ist von Hula-Hoop-Reifen inspiriert“, sagt Rang.

In zwei Tagen errichtet die Firma Hahner im Mai 2001 das Kunstwerk. „Großartige Arbeit – der Turm war auf den Tag genau fertig“, erinnert sich Ehrenbürgermeister Jürgen Heyer. Zuvor bringt ein 40 Meter langer Sonder-Transport die rund 50 Tonnen schwere Konstruktion in vier Teilen (Spindel mit Wendeltreppe, Aussichtsplattform, Speichenrad, Windrad) von Petersberg nach Dietzenbach.

Aber es hätte auch anders kommen können. Fast wäre das ambitionierte Projekt am Widerstand einer Bürgerinitiative und der Finanzierung gescheitert. Nicht nur Naturschützer begehren auf. Anwohner befürchten, dass der Turm noch mehr Menschen auf den Wingertsberg lockt, die Lärm verursachen und Unrat hinterlassen. Ein von Anwohnern gestarteter Versuch, den Bau noch vor dem Verwaltungsgericht zu stoppen, scheitert jedoch. Ein Turmgegner schneidet mit einer Schleifhex über Nacht die Stahlseile durch. „Trotzdem haben wir an dem Turm festgehalten“, betont Heyer. Auch Thomas Stich, Ansprechpartner der damaligen Bürgerinitiative, sagt heute: „Ich kann damit leben – nach 15 Jahren ist der Ärger weg.“ Er sei sogar zweimal selbst die 119 Stufen hochgestiegen.

Kennen Sie die Wahrzeichen und ihre Städte?

An der Finanzierung beteiligt sich der damalige Umlandverband Frankfurt, der den Turm in sein Regionalpark-Konzept aufnimmt. Dazu holt der in Dietzenbach lebende Verbandsdirektor Alfons Faust die Flughafen AG als Sponsor ins Boot. Zunächst heißt es, der Turm solle 275.000 Euro kosten. Nur zehn Prozent soll die Stadt zuschießen, der Rest von der Flughafen AG kommen, dem Land und dem Umlandverband. Im Januar 2001 wird neu kalkuliert: von 400.000 Euro ist die Rede; am Ende sind es 588.000 Euro. Der Anteil der Stadt liegt bei rund 85.000 Euro. Pro Jahr fallen geschätzte 3000 Euro für die Wartung an, darunter auch Vandalismusschäden.

Damit steht der feierlichen Eröffnung am 18. Mai 2001 nichts im Wege. Heyer erinnert sich: „Ich bin mit Alfons Faust und Ministerpräsident Roland Koch hoch – oben haben wir uns erstmal einen Schnaps gegönnt.“ Ein Wahrzeichen zum Hessentag: 2001 weiht die Stadt das „Ballett der Bewegung“ ein.

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