„Great Wall Motors“ kauft in der Kreisstadt eine Immobilie

„Langer Atem“ in China zahlt sich aus

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Kontakte pflegen und Ideen entwickeln: Bürgermeister Jürgen Rogg und Kunmings Vizebürgermeister Li Zhigon (Bild unten) bei einem offiziellen Termin. Zusammen mit Künstler Lou Xu (rechts), der bereits in der Kreisstadt ausstellte, betrachtet Rogg Comic-Ratten-Kunstwerke von Uschi Heusel. Eine Ausstellung in China ist in Planung.

Dietzenbach - Vor einer knappen Woche waren sie noch in Dietzenbachs chinesischer Freundschaftsstadt Kunming – Bürgermeister Jürgen Rogg und Wirtschaftsförderer Michael Krtsch. Von Matthias Towae 

Ein Mitbringsel kann sich in wirtschaftlicher Hinsicht sehen lassen: Ein großer Autobauer wird sein Domizil in der Kreisstadt beziehen. Wer reist, der hat etwas zu erzählen: Bürgermeister Jürgen Rogg sowie Michael Krtsch, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung, können davon ein Lied singen. Am Mittag des 11. Juni machten sie sich auf in das rund zehn Flugstunden entfernte Peking. Da sich der Abflug vom Frankfurter Flughafen aus verzögerte, verpassten die beiden jedoch den Anschlussflug nach Kunming, Dietzenbachs Freundschaftsstadt. Diese liegt etwa drei Flugstunden weiter südlich der chinesischen Hauptstadt in der südwestchinesischen Kultur- und Naturregion der Provinz Yunnan. Aus einer geplanten Gesamtanreisezeit von etwa 15 Stunden wurde mehr als das Doppelte.

Abgeholt wurden sie in Kunming von Xin Feibao, der in China als Nationalheld gilt. Feibao, Extremsportler, -bergsteiger und -expeditionist war schon ein paar Mal in Dietzenbach zu Gast. Norbert Kern, Sprecher des hiesigen Wirtschaftsrats, der sich im Vorfeld um die Ausgestaltung der Delegationsreise gekümmert hat, selbst indes nicht mitreiste, hat Feibao auf einer seiner Abenteuerreisen ins ewige Eis kennengelernt und sich mit ihm auch schon ein Zelt geteilt. Gemeinsam haben sie Bande zwischen ihren Städten gesponnen, die neben kulturellen demnächst auch wirtschaftliche Früchte zum Ausgang haben werden. Denn der aufstrebende Automobilhersteller „Great Wall Motors“ hat in der Kreisstadt im Gewerbegebiet Nord eine Immobilie erworben.

Rogg und Krtsch besichtigten im Laufe ihres sechstägigen Aufenthaltes das Forschungs- und Entwicklungszentrum des in der Stadt Baoding ansässigen Unternehmens. Dort konnten sie sich sowohl um- als auch zukünftige Modelle ansehen und wurden auch auf eine Testfahrt mit einem aktuellen Modell eingeladen. Beeindruckend, so ihr Urteil über die Bauweise des Hauptgebäudes, das von einem deutschen Architekturbüro geplant wurde. Sehr luftig im Innenbereich zeigt es sich von außen ebenso schön wie funktional. Im Innern arbeiten eine gute Handvoll Nationen, berichtete Rogg.

Der Besuch im zwei Autostunden von Kunming entfernten Mile, dem Geburtsort des international bekannten, chinesischen Künstlers Luo Xu, war für Rogg und Krtsch ebenfalls beeindruckend. Luo Xu, Jahrgang 1956, hatte 2013 eine viel beachtete Ausstellung im kreisstädtischen Rathaus gegeben. Der Besuch dessen Ateliers und Privathauses an einem künstlich angelegten See in Mile, an dem er derzeit ein Fünf-Sterne-Ressort errichtet, entführte die beiden Dietzenbacher in eine „völlig andere Welt“, wie sie begeistert berichteten.

China hat riesigen Hello-Kitty-Park

Wo der Bürgermeister und der Wirtschaftsförderer auch aufschlugen, die Empfänge waren würdig, professionell und geprägt von Freundschaft. „Davon lässt sich vieles ableiten“, betonte Rogg. Man brauche in China eben einen langen Atem. Geschäfte brauchen Zeit und erfordern Vertrauen, aber auch Kontakt zu politischen Entscheidungsträgern: „Ohne das geht nichts, fängt man bei null an“, so Rogg.

Die Zusammenkunft mit mehr als 30 Unternehmern in einem Hotel in Guandu – ein Stadtteil Kunmings mit einer Million Einwohner – war ein weiterer Baustein und Höhepunkt der Reise neben dem Besuch der Kunminger „Asia Expo“, auf der weitere Kontakte geknüpft wurden. Einen weiteren bedeutsamen Punkt wusste Rogg darüber hinaus mit einem Lächeln zu berichten: Die Verantwortlichen in Kunming planen für das kommende Jahr eine Ausstellung mit Kunstwerken von Ratte-Ludwig-Mama Uschi Heusel. „Ich würde mich riesig freuen“, sagte Heusel auf Nachfrage. Und ergänzt schelmisch: „Ein Land, in dem die Leute in Ratten nichts Schlimmes sehen.“ Das Jahr 2020 stehe in China wieder im Tierkreiszeichen des Nagers.

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