Taufe, Trauer und Tierschutz

Circus Barus: Frühgeborenes Lama tot

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Sechs Wochen alt ist das kleine Trampeltier des Circus Barus. Besucherin Sarah spielte die Taufpatin, der Täufling hört auf den Namen „Buddy“ – in Erinnerung an Schauspieler Bud Spencer.

Dietzenbach - „Heute ist ein besonderer Tag – wir taufen unser sechs Wochen altes Kamel“, sagt Marco Frank, Inhaber des Familienzirkus Barus, und präsentiert stolz seine Trampeltiere. Von Burghard Wittekopf 

Zu einer Taufe gehört eine Patin – und das möchte sich Sarah, eine junge Zirkusbesucherin, nicht nehmen lassen. Sarah folgt Frank mutig in das Laufgehege und tauft sodann das Kamel auf den Namen „Buddy“. „Buddy kommt von Bud Spencer. Ich bin sein größter Fan“, erzählt Frank. Eigentlich sollte ja das gerade erst geborene Lama der Öffentlichkeit präsentiert werden, aber: „Es ist leider verstorben“, sagt Frank. „Es war eine Frühgeburt. Wir haben es mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, sind nachts aufgestanden, haben es halbstündlich versorgt, aber letztlich war es zu schwach. Wir sind tief traurig.“ Der Mutter des kleinen Lamas gehe es gut. „Sie hat alles gut überstanden.“

Frank, seine Frau und die drei Kinder betreiben den Wanderzirkus Barus, der gerade in Dietzenbach gastiert, nun schon in der siebten Generation. 1812 war das Gründungsjahr. Mehr als 40 Tiere, darunter Trampeltiere, Alpacas, Esel, Hunde, Affen und sein ganzer Stolz – Friesenhengst „Atos“ – gehören zum Programm. Allabendlich werden Kamel-, Hunde-, Esel und Pferdedressuren präsentiert. Es gibt Artistik und natürlich einen Clown, der von Franks Sohn gespielt wird. „Unsere Hochzeiten sind Frühjahr und Herbst. Da ist jede Vorstellung mit fast 400 Besuchern ausverkauft. Jetzt im Sommer kommen nur wenige Zuschauer. Vielleicht 20 oder 30. Es ist warm draußen, die Leute gehen dann eher in das Schwimmbad.“

Es ist in der heutigen Zeit nicht einfach, einen Zirkus zu betreiben. „Viele Städte bieten keine Stellplätze mehr an“, schildert Frank. Wir müssen uns also privat umschauen. Auch das ist nicht immer planbar. Der Juni war verregnet, die Bauern konnten die Wiesen erst sehr spät mähen und das bedeutet für uns natürlich eine Verzögerung.“ Nach Dietzenbach komme der Familienbetrieb sehr gerne. „Der Stellplatz bietet viel Freiheit für unsere Tiere und wir können sie mit Obst, Gemüse und Brot von lokalen Anbietern versorgen. Von den Lebensmittelmärkten und der Dietzenbacher Tafel bekommen wir Obst- und Gemüseabfälle und Altbrot abends von der Bäckerei Bauder.“

Und wie sieht Frank die Rolle des Zirkus in der heutigen Zeit? Seine Antwort: „Opas Zirkus lebt – aber der Ruf muss besser werden.“ Viele assoziierten Zirkus mit Tierquälerei. „Wir legen heute viel mehr Wert auf den Tierschutz und übertreffen ihn sogar. Ein Zirkus muss sich an die strengen Auflagen halten, die regelmäßig vom Veterinäramt kontrolliert werden. Tun wir das nicht, verlieren wir die Genehmigung.“

Frank weiß, wovon er spricht, auch wenn er nicht gerne darüber redet. Die Strafe, die er 2009 wegen Verletzung von Tierschutzauflagen ertragen musste, habe ihn „verändert“, unterstreicht er. „Letztlich war es nur eine Änderung der Vorschrift, die wir nicht rechtzeitig umgesetzt hatten. Und die Umstände, ein Affe bekam plötzlich Fieber und es bestand Ansteckungsgefahr, waren schwierig. Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, dabei aber eine Vorschrift verletzt. Ich habe die Strafe akzeptiert und daraus gelernt.“ Stichwort Tierschutz? „Sehr wichtig. Wir erfüllen ihn und sogar noch mehr“, sagt Frank. Jedes unserer Tiere hat mehr als doppelt so viel Auslauf, wie die Vorschriften es verlangen. Und worauf ist er besonders stolz? „Auf meine Kinder und dass Sie den Zirkus lieben und Barus weiterführen möchten“. Das wäre dann die achte Generation.

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