Chinesische Gäste in der Kreisstadt

Bald Seniorenreisen nach Kunming?

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Eine Delegation aus der chinesischen Freundschaftsstadt Kunming weilte zu Besuch in der Kreisstadt. Vor allem das soziale Geschehen der Stadt stand im Fokus der Reise.

Dietzenbach - Kurz, aber knackig: Zu einer Stippvisite mit intensiven und aufschlussreichen Begegnungen hielt sich eine Delegation aus der chinesischen Freundschaftsstadt Kunming in Dietzenbach auf. Von Barbara Scholze 

Einen Tag lang eilte die Abordnung mit Erstem Stadtrat Dieter Lang durch die Kreisstadt – immer auf der Suche nach möglichst vielen Informationen über das soziale Geschehen bei den deutschen Freunden. „Auf Wunsch der Gäste haben wir dieses Mal wesentliche Aspekte aus dem Fachbereich Soziale Dienste präsentiert“, sagte Lang. Ihren Streifzug durch Dietzenbach beginnen die Gäste mit einer Führung durch das Rathaus. Eine anschließende Zusammenkunft steht unter dem Motto „Sozialpolitik“ mit Themen wie Bildung in Kindergarten und Schule.

Nachmittags geht es auf Tour durch die Stadt. Ziel ist das Seniorenzentrum in Steinberg. Dort zeigen sich die Chinesen beeindruckt von der Vielfalt der Seniorenarbeit, die Abteilungsleiterin Sigrun Schreibweiss präsentiert. „Wir bieten ein Netz, das trägt und waren damit schon zu früheren Zeiten führend in der Bundesrepublik“, sagt Schreibweiss. Besondere Aufmerksamkeit bringen die Gäste den Zahlen zu Bevölkerungsstruktur und demografischer Entwicklung entgegen. „Wir haben eine ähnliche Altersstruktur“, sagt Xingguo Fang, der in einer einem Staatssekretär vergleichbaren Position in Kunming arbeitet und Ehrenpräsident der Freundschaftsgesellschaft für die Beziehungen mit Dietzenbach ist. Indes seien die Dimensionen in Kunming etwas anders. „17 Prozent der Bevölkerung der Hauptstadt in der Provinz Yunnan sind älter als 60 Jahre. Bei insgesamt rund 7,6 Millionen Einwohnern sind das immerhin 950.000 Frauen und Männer, die zu den Senioren zählen.“

Schreibweiss’ Bemerkung „ältere Menschen heute sind vitaler, sie leben länger und bleiben länger fit“, löst reges Nicken bei den chinesischen Freunden, unter ihnen weitere Vertreter der Stadtregierung, aus. Die Abteilungsleiterin der Seniorenarbeit weist darauf hin, dass die Arbeit entsprechend vielfältig sei. Es gehe darum, Selbstständigkeit und Selbstbestimmung zu erhalten und ein Miteinander der Generationen und Nationalitäten zu ermöglichen.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Intensive Nachfragen haben die Gäste vor allem zur Wohnsituation älterer Menschen. „Wir haben in der Stadt insgesamt sechs Seniorenwohnanlagen mit 194 Wohnungen und derzeit ein Senioren- und Pflegeheim“, berichtet Schreibweiss. Dabei fordert das deutsche System der freien Träger durchaus einiges an Erklärungen für die Chinesen. „Bei uns baut die Staatsregierung die Altersheime“, erzählt Fang. „Das Thema der Versorgung unserer Älteren beschäftigt nicht nur uns, sondern die ganze Welt“, betont er. Er sei beeindruckt von dem Dietzenbacher Konzept, „vor allem Anregungen zu Treffpunkten, die soziale Kontakte der älteren Menschen ermöglichen, werden wir mit nach Hause nehmen“. Auch China wolle, dass Ältere besser und gesünder leben. „Dabei können wir viel von Deutschland und jetzt auch von Dietzenbach lernen.“ Und Fang denkt noch weiter: „Luft und Lebensqualität in Kunming sind sehr gut, vielleicht kommen eines Tages Senioren aus Dietzenbach zu uns“, schlägt er vor.

Seit 2011 pflegt Dietzenbach freundschaftliche Beziehungen zu der Stadt in China. Initiiert hatte die Beziehung Unternehmer und Weltenbummler Norbert Kern, Mitglied des ehrenamtlichen Wirtschaftsrates. Erst vor wenigen Wochen waren Kreisstädter nach Kunming gereist. „Wir haben in den vergangenen fünf Jahren sehr gute persönliche Beziehungen entwickelt“, stellt Xingguo Fang fest. Er freue sich, dass der Austausch auch über wirtschaftliche Belange hinausgehe, hebt Michael Krtsch, Chef der Wirtschaftsförderung, hervor.

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