Der Herr des Lichts und seine Laternen

Kreisstadt testet System für intelligente Straßenbeleuchtung

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Karsten Seibert von den Städtischen Betrieben hat die Straßenbeleuchtung voll im Griff. Vor allem die auf dem Hexenberg, die er mit einem Mausklick am Computer steuern kann.

Dietzenbach - Ein Pilotprojekt für intelligente Straßenbeleuchtung soll die Betriebskosten senken, die Ausfallsicherheit erhöhen und den Emissionsausstoß verringern. Der Stadt soll so ein kostengünstiges Licht aufgehen. Von Carolin Henneberg 

Wenn auf dem Hexenberg – jedenfalls zwischen der Danziger und der Berliner Straße – in nächster Zeit die Laternen auch mal am Tag kurz leuchten, oder es in den Abendstunden vorübergehend dunkel bleibt, dann liegt das höchstwahrscheinlich an Karsten Seibert. Der Abteilungsleiter der Städtischen Betriebe-Elektroabteilung testet nämlich zurzeit ein intelligentes System für Straßenbeleuchtung. „Wir haben extra Fehler simuliert, um zu sehen, wie das Programm reagiert“, sagt Seibert, der einen der 53 Schaltschränke in Dietzenbach nun über den Computer und sogar über das Smartphone steuern kann. „Wenn zum Beispiel irgendwo in der Stadt ein Einsatz von etwa der Freiwilligen Feuerwehr oder dem Notarzt wäre, die mir Bescheid geben, dass sie mehr Licht brauchen, könnte ich es mit dem System einfach anschalten“, erläutert Seibert.

Ausgetüftelt hat das Programm der Technikerabsolvent Daniel Ring. Zwar gebe es schon einige dieser Programme auf dem Mark, doch das von Ring sei herstellerunabhängig und daher sehr flexibel. Momentan ist das Ganze noch ein kostenloses Pilotprojekt, dem sich Dietzenbach als erste Stadt angenommen hat. Sobald eine oder mehrere Lampen ausgefallen sind, bekommt Seibert vom System automatisch eine Meldung, wäre somit nicht mehr auf Hinweise der Bürger angewiesen. „Das ist super – ich weiß direkt, wenn irgendwo was nicht stimmt und kann ganz gezielt hinfahren“, sagt der Elektroniker. So entfielen auf Dauer etwa unnötige Fahrten durchs Stadtgebiet, was wiederum Arbeitszeit und eben auch Geld spare „und den Emissionsausstoß verringert“, wie Seibert hinzufügt. Auch die täglichen Kontrollfahrten seien wesentlich effizienter: „Ich schicke meine Leute dann raus zur Kontrolle, schalte die Lampen im jeweiligen Bereich einfach aus dem Büro aus schon an.“ Wenn seine Mitarbeiter dann am Ziel ankommen, hätten die Straßenlaternen ihre volle Leuchtkraft erreicht und könnten direkt überprüft werden.

Licht aus! Vorher-Nachher-Fotos der "Earth Hour"

Außerdem könne das unterirdische Kabelnetz über das Energiemanagementsystem überwacht werden. Sollte im Erdreich ein Kabelfehler auftreten, wird dieser sofort vom System identifiziert, eingegrenzt, gemeldet und sogar der Strom abgeschaltet – lange Fehlersuchen in einem Kurzschlussfall gehörten damit der Vergangenheit an. „Ein Fall wie etwa in der Brunnenstraße, wo die Kabel in der Erde durchgeschmort sind, kann es dann zwar trotzdem noch geben, aber wir wüssten direkt, woran es liegt, wo es passiert ist und wo wir ansetzen müssen“, sagt der Elektriker. Im Januar mussten an der Straße in der Altstadt auf rund 800 Metern die Kabel erneuert werden, weil die bisherige Leitung regelrecht abgebrannt war.

Die Städtischen Betriebe hoffen, dass durch das Projekt weitere Städte und Kommunen dazu angehalten werden, ökologisches Handeln weiter voranzutreiben. Abteilungsleiter Karsten Seibert ist auf jeden Fall jetzt schon begeistert vom Pilotprojekt. Also nicht wundern, liebe Hexenberger, wenn das Licht mal verrückt spielt.

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