Das „Sportzentrum“ macht ernst

Verein um Ex-Vorstandsmitglieder der TG-Tanz- und Turnabteilung vor Gründung

Dietzenbach - Die ehemaligen TGler Richard Hierzegger und Gerd Jünger haben im Gasthaus „Zur Linde“ ihren neuen Verein vorgestellt. Von Sascha Dreger und Ronny Paul 

Gerd Jünger (von rechts), Richard Hierzegger, Ute Jünger, Michael Ockel, Lars Höfer und Sabrina Höfer stellen den neu gegründeten Verein Sportzentrum Dietzenbach in der Linde vor. 

Die Kreisstadt hat wohl bald einen neuen Sportverein: das Sportzentrum Dietzenbach. Die nötigen Unterlagen seien beim Amtsgericht sowie beim Landessportbund eingereicht, eine vorläufige Registernummer bereits vorhanden: „Wir rechnen in den kommenden ein bis zwei Wochen mit der Eintragung in das Vereinsregister“, sagte der stellvertretende Vereinsvorsitzende Gerd Jünger bei einer Informationsveranstaltung vor rund 40 Zuhörern in der Gaststätte „Zur Linde“. Neben Gerd Jünger ist auch dessen Frau Ute mit von der Partie, sie kümmert sich ums Rechnungswesen. Das Ehepaar Jünger und der Sportzentrum-Vorsitzende Richard Hierzegger saßen im Vorstand der mitgliederstärksten Sparte der TG Dietzenbach – der Turn- und Tanzabteilung mit 400 von insgesamt rund 650 Vereinsmitgliedern. Wegen Differenzen mit dem TG-Hauptvorstand war der gesamte Spartenvorstand um den Vorsitzenden Hierzegger, wie berichtet, zu Jahresbeginn zurückgetreten.

Nun wollen die ehemaligen TGler mit einem eigenen Verein starten. Das Sportzentrum bietet die Sparten Tanzen, Turnen und Fitness an, weitere sollen nach Angabe der Verantwortlichen folgen. Man wolle wachsender Verunsicherung und fehlender Zukunftsperspektiven von Aktiven, Trainern und Eltern entgegenwirken und eine Stabilisierung sowie den Ausbau sportlicher Erfolge herbeiführen. Auch eine Zusammenarbeit und offene Kommunikation mit anderen Vereinen hat sich der Vorstand vorgenommen, Gespräche gab es laut Hierzegger bislang aber noch keine.

Einzelne Kurse sollen bereits nach den Sommerferien starten. Eine Anmeldung soll in zwei bis drei Wochen möglich sein. Auf sportzentrum-dietzenbach.de ist ein Eintrag der Mailadresse für weitere Informationen möglich. Wert legt Hierzegger darauf, dass es nur einen Vereinsbeitrag gibt. Tanzen kostet im Jahr 120 Euro, die anderen Sparten 90. Wer also fürs Tanzen bezahlt, könne auch die anderen Angebote nutzen. Wer 90 Euro bezahlt, könne alle Angebote exklusive Tanzen nutzen, erläutert er. Bis zum Jahresende bietet das Sportzentrum Vereinswechslern Beitragsfreiheit an, eine Abmeldung von anderen Vereinen sei aber nicht vonnöten, sagt Hierzegger auf Anfrage. Basis sei der Breitensport, darauf baue der Leistungssport auf, sagte Gerd Jünger in der Linde. Beim Tanzen sei die Teilnahme an Turnieren und Meisterschaften ein erklärtes Ziel, auf das mit Choreografen und einem Trainerteam hingearbeitet werden soll. Ein besonderes Augenmerk liege auf gut ausgebildeten Trainern, die möglichst aus Eigenressourcen durch Unterstützung des Vereins hervorgehen sollen: „Die Trainer sind das wichtigste Kapital des Vereins“, betonte Gerd Jünger.

In der Sparte Fitness solle das Angebot universell sein – vom Breitensport bis zu leistungsbezogenen Angeboten. Ein Trainerteam sei im Aufbau, danach solle das Angebot organisiert werden. „Wir wünschen uns eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit anderen Vereinen“, betonte Gerd Jünger. Auch das Zusammenlegen von Ressourcen mehrerer Vereine, etwa für gemeinsame Mannschaften, sei denkbar. „Das soll eine Win--Win–Situation für beide Seiten sein.“ Auch eigene Sportstätten hat das Sportzentrum derzeit nicht. Gespräche mit Vereinen oder Schulen, beispielsweise über eine gemeinsame Hallennutzung, seien aber im Gange. „Wir sind guter Dinge“, gibt sich Hierzegger zuversichtlich, man habe diverse Möglichkeiten.

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„Die Örtlichkeiten werden in den kommenden drei Wochen zementiert“, sagt Hierzegger auf Nachfrage. Mittel- und langfristiges Ziel sei eine eigene Halle. Der Vorsitzende nennt einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren für die Umsetzung des Vorhabens. Durch ein „sichergestelltes Sponsoring“ sieht sich der Verein für kommende Investitionen, etwa für Hallenmieten oder den Kauf von Sportgeräten, gut aufgestellt: In einem Zeitraum von zehn Jahren stünden dem Verein laut Hierzegger jährlich 40.000 Euro zur Verfügung. Das Geld komme von einem einzelnen Sponsor und sei gesichert, antwortete Hierzegger in der Linde auf Nachfrage des stellvertretenden Vorsitzenden der IG Sport und Freizeit, Ralf Reichelt.

Der steht der Neugründung kritisch gegenüber: „Der Sinn erschließt sich mir nicht“, jeder andere Verein hätte Trainer und Aktive gebrauchen können, sagt er. „Wenn ich einen Verein gründe, muss ich etwas Neues bieten – doch alles, was das Sportzentrum bietet, haben SC, SG und TG auch.“ Reichelt hätte sich ein Schlichtungsgespräch gewünscht: „Ich habe Bedenken, dass Mitglieder untereinander abgeworben werden.“ Dies könne für Unruhe in den bestehenden Vereinen sorgen.

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