Dietzenbacher Musiktage:

Von türkischer Folklore bis zum Jazz

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Julia Okruashvili und Victor Plumettaz sitzen Probe in der Christuskirche. Dort, wo sie als Duo am 18. Juni auftreten.

Dietzenbach - Der Cellist und Echo-Preisträger Victor Plumettaz und die Ausnahmepianistin Julia Okruashvili treten zusammen beim zweiten Konzert der Dietzenbacher Musiktage in der Christuskirche auf. Von Ronny Paul 

Im Interview spricht das Duo über das Programm von „Classic & Crossover“ am Samstag, 18. Juni, 20 Uhr, über Musikpreise und Ziele.

Wie kam es dazu, dass Sie bei den Dietzenbacher Musiktagen auftreten?

Victor Plumettaz: Wir kennen Marcel Jung und seine Frau Nami Ejiri schon sehr lange, sind seit etwa vier Jahren eng befreundet. Marcel hat uns gefragt, ob wir bei den Dietzenbacher Musiktagen spielen wollen.

Was halten Sie vom Konzept, ein kleines Musikfestival in Dietzenbach aufzubauen?

Julia Okruashvili: Das ist fantastisch.

Victor Plumettaz: Kultur braucht man immer, da gibt es zu wenig in Dietzenbach. Es findet viel in Frankfurt statt. Und es ist doch schön, wenn auch in Dietzenbach mehr passiert.

Julia Okruashvili: Ich finde toll, wie die Konzerte zusammengestellt sind – mit ganz unterschiedlicher Musik. Wir sind fast die Einzigen, die ein klassisches Konzert spielen.

Was erwartet die Besucher bei Ihrem Konzert Classic & Crossover?

Victor Plumettaz: Das Crossover im Titel ist witzig. Ich hätte unser Konzert eher als klassisch definiert. Aber wir spielen Werke von Komponisten, die mit sehr vielen Elementen aus anderen Stilrichtungen arbeiten, vor allem Fazil Say. Dessen Sonate steht im Zentrum unseres Konzerts. Er spielt sehr stark mit verschiedenen Stilelementen. Das geht von türkischer Folklore bis hin zu Jazz, Ragtime und Avantgarde.

Und bei den anderen Werken?

Victor Plumettaz: Says Sonate wird ummantelt von einer Rhapsodie von Béla Bartók, die am Anfang des Konzerts steht. Diese arbeitet fast nur mit Folklore. Das Ziel war, Elemente aus anderen Stilrichtungen in die Klassik zu holen.

Als dritter Komponist folgt dann Sergei Rachmaninow...

Victor Plumettaz: Genau. Nach einer Pause spielen wir dann die einzige Cello-Sonate von Rachmaninow. Das ist eigentlich ein ganz klassisches, spätromantisches Werk.

Julia Okruashvili: Ein Werk voller Leben, Hoffnung, Melancholie. Wir versuchen es schlicht, ohne Pathos und jugendlich frisch zu spielen. Eine unserer Lieblingssonaten.

Haben Sie schonmal auf einem Flügel in einer Kirche gespielt?

Julia Okruashvili: Mehrmals.

Für Sie etwas Besonderes?

Julia Okruashvili: Ja. Das kommt natürlich auf die akustischen Bedingungen in der jeweiligen Kirche an. Aber eigentlich ist es ganz angenehm, in einer Kirche zu spielen, die akustisch mehr erlaubt als ein Konzertsaal. Da fühlt man sich angenehmer und entspannter.

Victor Plumettaz: Der Raumklang ändert sich natürlich, wenn die Kirche voll besetzt ist. Wenn man alleine drin ist und spielt, denkt man erst mal: Mein Gott (lacht).

Seit wann spielen Sie als Duo zusammen?

Julia Okruashvili: Wir haben uns durch gemeinsame Bekannte kennengelernt und uns interessant gefunden. Unser erstes Konzert haben wir vor fünf Jahren zusammengespielt.

Herr Plumettaz, Sie spielen im Ensemble Spark. Was spielen Sie da für Musik?

Victor Plumettaz: Wir versuchen, neue Wege zu gehen. Wir sind sehr experimentierfreudig, nehmen klassische Stücke, verändern diese und kombinieren sie mit anderen Stilen. Unsere Besetzung sind zwei Flöten, Cello, Klavier und Geige.

Sie haben beide schon einige Musikpreise gewonnen. Gibt es da einen, den Sie als den Bedeutendsten ansehen, der Sie weitergebracht hat?

Victor Plumettaz: Mit Spark habe ich 2011 den Echo in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“ gewonnen. Das hat mir schon ein paar Türen geöffnet. Allerdings ist das auch immer so eine Sache mit solchen Preisen...

Wie meinen Sie das?

Victor Plumettaz: Preise sind gut. Aber es ist manchmal einfach ungerecht, wer den Preis bekommt. Es gibt Sachen, wo ich dachte, da hab ich viel bessere Arbeit geleistet. Dafür habe ich dann keine Preise bekommen. Andererseits habe ich schon Preise bekommen für Sachen, mit denen ich total unzufrieden war (lacht).

Wie ist das bei Ihnen?

Julia Okruashvili: Preise, die wir als klassische Musiker bekommen, sind unterschiedlich wichtig. Für mich war wichtig, dass ich viele Menschen kennenlernen konnte, deren Schallplatten ich als Kind gehört habe. Ich hätte nie daran gedacht, dass ich diese Menschen einmal kennenlerne und sogar mit ihnen auftrete. Das ist wohl das Wichtigste bei den Preisen.

Mit wem würden Sie gerne mal zusammenspielen?

Victor Plumettaz: Die sind bei mir alle schon tot (lacht).

Julia Okruashvili: Ich hätte gerne Beethoven oder Bach kennengelernt. Das geht leider nicht mehr. Aber Keith Jarret würde ich gerne mal treffen.

Victor Plumettaz: Es gibt einige Ensembles, die noch relativ unbekannt, aber sehr toll sind. Mit der deutsch-serbischen Band „uwaga!“ etwa würde ich gerne mal spielen.

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