Debüt in Marokkos Länderauswahl gegeben und gleich getroffen

Dietzenbachs Nationalspieler Aziz Bouhaddouz

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Läuft: Aziz Bouhaddouz (11) erzielt für seinen Klub FC St. Pauli am vergangenen Wochenende das 1:0 gegen den VfB Stuttgart.

Dietzenbach - Debüt gegen Albanien, ein Tor im zweiten Länderspiel für Marokko gegen São Tomé und Príncipe. Im Ligaspiel mit seinem FC St. Pauli gegen den VfB Stuttgart legt Aziz Bouhaddouz nach und trifft zur Führung. Von Ronny Paul

Es läuft gerade gut für den ehemaligen Kreisstädter. Der 29-Jährige spricht im Interview unter anderem über seine Anfänge beim FC Dietzenbach (1996 bis 2003) und seine Zukunftspläne.

Aziz, Du hast gerade deine ersten beiden Länderspiele für Marokko hinter Dich gebracht. Gleich im zweiten Spiel hast Du dein erstes Tor geschossen. Was ging Dir da durch den Kopf?

Das war definitiv ein grandioses Gefühl. Ich hab’ mich riesig gefreut und konnte es erst nicht glauben. Es ist, denke ich, für jeden Fußballer ein grandioses Gefühl, wenn er für sein Land ein Tor schießt.

Was ging Dir durch den Kopf, als du gegen Sao Tome ins Stadion von Rabatt vor 52 000 Zuschauern aufgelaufen bist und die Hymne gehört hast?

Das war ein besonderer Moment, in der Heimat vor so einer großen Kulisse die marokkanische Hymne zu hören. Da waren auch Freudentränen dabei. Mit 29 Jahren sein Debüt in der Nationalmannschaft zu feiern, ist ja nicht selbstverständlich.

Erinnerst Du dich noch daran, als Du das erste Mal ins Dietzenbacher Waldstadion eingelaufen bist?

Nein, nicht an das erste Mal. Ich weiß nur noch, dass mich mein Trainer damals immer auf dem Gepäckträger seines Fahrrads mit zum Training genommen hat (lacht).

Wo hast Du in Dietzenbach in Deiner Freizeit gekickt?

Früher gab’s beim Jugendhaus einen Gummiplatz, den gibt’s heute nicht mehr. Da haben wir sechsmal die Woche von morgens bis abends gekickt.

Wann hast Du gemerkt, dass es mit der Profikarriere klappen könnte?

Ich habe schon immer dran geglaubt, auch wenn die Möglichkeiten damals nicht so groß waren. Als ich mit 16 Jahren zum FSV Frankfurt gewechselt bin, hat sich mein Traum, Profi zu werden, noch einmal verstärkt, obwohl die Mannschaft damals nur in der vierten Liga gespielt hat. Als ich 18 Jahre alt war, sind wir dann in die dritte Liga aufgestiegen, da durfte ich als Perspektivspieler mitwirken. Nach sechseinhalb Jahren FSV wollte ich die nächste Station angehen.

Wie ging es dann weiter?

Erst zu Wehen Wiesbaden, danach zu Viktoria Köln in die vierte Liga, dann bin ich zu den Amateuren von Bayer Leverkusen gewechselt. Der Verein hatte mir versprochen, dass ich ab und zu mit den Profis mittrainieren durfte. Das war wohl der wichtigste Schritt meines Lebens. Dort bin ich Torschützenkönig geworden und dann zum SV Sandhausen gewechselt. Die Zeit in Sandhausen war anfangs nicht so einfach, da ich vierter oder fünfter Stürmer war. Aber ich habe hart gearbeitet und mich zu einem Stammspieler entwickelt. 

Wie kam es, dass der marokkanische Nationaltrainer sich bei Dir gemeldet hat?

Es gab schon mehrmals Spekulationen in der marokkanischen Presse. Aber Marokko hat ja viele namhafte Spieler in den europäischen Ligen wie Mehdi Benatia oder Younès Belhanda. Ich habe mir immer gewünscht, dabei zu sein. Im Freundschaftsspiel gegen den FC Sevilla und im Punktspiel gegen den VfB Stuttgart vor ein paar Wochen habe ich ganz gute Leistungen gezeigt und jeweils ein Tor geschossen. Diese Spiele haben sich die marokkanischen Trainer wohl angeschaut und mich schließlich nominiert.

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Hast Du noch Kontakt zu Deinen ehemaligen Dietzenbacher Mannschaftskollegen?

Ja, mit dem einen oder anderen habe ich noch Kontakt. Aber nicht mehr so wie früher. Ich bin ja relativ früh aus Dietzenbach weggegangen.

Kommst Du denn noch ab und zu nach Dietzenbach?

Ja klar! Ich bin vergangenen Montag in Frankfurt gelandet und hab meinen Bruder in Dietzenbach besucht. Allerdings ist die Strecke von Hamburg bis Dietzenbach schon ein bisschen länger als letzte Saison von Sandhausen aus.

Könntest Du Dir nach Karriereende vorstellen, als Trainer nach Dietzenbach zurückzukehren?

Das ist eine gute Frage. Klar will ich im Profifußball noch so lange bleiben, wie ich kann. Deswegen will ich bis ich 35, 36 Jahre alt bin noch spielen. Was danach passiert? Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht...

Was würdest Du jungen Dietzenbachern empfehlen, die auch den Weg in den Profifußball gehen wollen?

Es kommt auf jeden Fall auf die Einstellung und Disziplin an. Junge Menschen sollten an sich glauben und nie an sich selbst zweifeln. Verzichten ist auch ein sehr großes Prinzip im Fußball: Man muss verzichten, ansonsten hat man keinen Erfolg. Generell muss man hart arbeiten, aber die Schule dabei nicht vernachlässigen.

Wie war das bei Dir?

Bei mir war das damals ein bisschen anders als heutzutage. Ich hatte nicht die Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen. Ich musste mich zwischen Profifußball und Ausbildung entscheiden. Heutzutage bieten viele Vereine eine Ausbildung neben dem Fußball an.

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Du spielst mittlerweile für den FC St. Pauli. Der Verein ist Kult. Wie gefällt es Dir dort?

Super! Mit dem Verein hab’ ich mich schon früher beschäftigt. St. Pauli ist sehr, sehr beliebt in Deutschland und sympathisch. Für mich war es direkt klar, dass ich zu St. Pauli wechseln möchte. Der Verein ist professionell, das Stadion ist grandios, die Fans sind immer gut drauf und unterstützen uns auch, wenn wir verlieren. Das sieht man nicht überall im Profifußball. Deswegen ist das etwas Besonderes.

Wie läuft denn die Zusammenarbeit mit Ihrem Trainer Ewald Lienen?

Der Trainer ist sehr erfahren und seit Jahren dabei. Bei ihm kann man einiges lernen. Das versuche ich auch, ich versuche mich jeden Tag im Training zu verbessern und dazuzulernen.

Ist Euer Ziel, dieses Jahr in die Bundesliga aufzusteigen?

Nein. Wir müssen erstmal zusehen, Gas zu geben und Spiele zu gewinnen. Der Start war nicht so gut.

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