Der Historie lauschen

Drei Führungen am Geschichtspfad

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Gleich mal den neuen QR-Code mit dem Handy einscannen und den Ausführungen zum Geschichtspfad lauschen.  

Dietzenbach - So ziemlich jeder Dietzenbacher dürfte den Alten Bahnhof kennen. Doch wer kann sagen, wann er eröffnet wurde? Eine Antwort darauf und viele weitere Fakten gibt’s ab sofort am aufgehübschten Geschichtspfad. Von Burghard Wittekopf 

Wie sieht’s also aus mit dem kreisstädtischen Wissen? Wurde der Bahnhof 1928, 1908 oder 1898 eröffnet? Die richtige Antwort: Schon seit dem 1. Dezember 1898 rollten Züge über die Gleise. Die Eröffnung sollte zeitgleich mit jener der damaligen Bahnstrecke Offenbach-Bieber erfolgen. Doch während der Bauphase kam es auf der Strecke nach Dietzenbach zu Verzögerungen, der Eröffnungstermin drohte zu scheitern. Dabei war die Verbindung wirtschaftlich bedeutsam, denn das bäuerliche Dietzenbach musste seine Waren auf die Märkte in Offenbach und Frankfurt bringen. So packten die Bürger einfach selbst beim Bau der letzten zwei Kilometer mit an. Dank vereinter Kräfte konnte der geplante Termin gehalten werden. Diese und weitere spannende Themen gibt’s ab sofort frisch aufbereitet am Dietzenbacher Geschichtspfad an der Verlängerung der Ober-Rodener Straße: „Wir haben ein Schmuckstück direkt vor der Haustür und es ist uns leider aus den Augen entglitten“, sagt Bürgermeister Jürgen Rogg und erklärt, dass einige der Ausstellungsstücke beschädigt und teilweise zugewachsen waren. „Deshalb haben wir uns entschlossen, diesen Ort wieder mit Leben zu füllen.“

Die parkartig angelegte Ausstellung, die vom Frankfurter Landschaftsarchitekten Wilfried Baumgartner konzipiert und gestaltet wurde, gibt es seit dem Hessentag 2001. Nun wurde der Pfad von Mitarbeitern der Städtischen Betriebe und der Stadtverwaltung wieder begehbar gemacht. Sie befreiten das Gelände von Partymüll, trimmten die Vegetation und reinigten die Ausstellungsstücke. „Wir haben dort ein ökologisch wertvolles Gebiet“, sagt Ursula Becking-Noller, Abteilungsleiterin der Stadtplanung, und verweist auf den Naherholungscharakter des Geschichtspfads. „Viele Tier- und Pflanzenarten sind dort heimisch geworden und finden Zuflucht.“

Pfad mit Audioguide ausgestattet

Um die Attraktivität weiter zu steigern, wurde der Pfad mit einem Audioguide ausgestattet. Die QR-Codes, die sich mit dem Smartphone einscannen lassen, erzählen Geschichten aus der jeweiligen Zeitepoche. Die Texte, die von Susanne Gertler, Mitarbeiterin der städtischen Personalabteilung, gesprochen werden, verbinden welthistorische Ereignisse mit Dietzenbacher Heimatgeschichte. So erfahren die Besucher beim Ausstellungsstück „Eisenbahnanschluss“ zum Beispiel etwas über den spanischen Krieg oder den deutschen Kaiser Wilhelm II. Auch die Hintergründe zum Bau der Eisenbahn und die enorme Wirkung auf Dietzenbach werden thematisiert.

Die Wiederbelebung des Gebietes erfolgte kostenneutral. Alle Aufgaben wurden von Mitarbeitern der Stadtverwaltung gestemmt. Die Grünarbeiten übernehmen die Städtischen Betrieben einmal im halben Jahr. Die Beschilderung der Ausstellung mit QR-Codes stiftete die Regionalpark Ballungsraum Rhein Main GmbH. Der Geschichtspfad liegt auf der Regionalparkroute Rhein-Main, die verbliebene und manchmal auch vergessene Naherholungslandschaften miteinander verbindet.

Live und ohne Technik können Interessierte aber auch bei drei Führungen dabei sein. Birgit Göckes, Ur-Dietzenbacherin, spickt den Spaziergang durch die Vergangenheit dann obendrein mit witzigen Anekdoten. ‘ Die erste Führung steht am Mittwoch, 24. August, von 15 bis 16 Uhr an. Weitere Führungen sind am 4. September, 15 bis 16 Uhr und am 10. September von 10 bis 11 Uhr.

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