„Swing und mehr“

Aus einer Weinlaune geboren

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Die beiden Ausnahmepianisten Christoph Oeser (links) und Dirk Raufeisen duellieren sich beim 100. Swing und mehr.

Dietzenbach - Mit einer Jam-Session hat es angefangen. Mittlerweile gehört „Swing und mehr“ zu den renommiertesten Jazz-Veranstaltungen im Rhein-Main-Gebiet. Von Ronny Paul 

Eine Schnapsidee war es mitnichten. Sondern eine Weinlaune, aus der eine Erfolgsgeschichte mit Höhen und Tiefen wurde. „Eigentlich wollte ich was für die Altstadt tun“, sagt Swing-und-mehr-Organisatorin Monika Reichenbach. Ihr schwebte eine Jazz-Reihe vor, die es ähnlich in Offenthal gab. Auf dem Dietzenbacher Weinfest kam sie mit Musikern über ihre Idee ins Gespräch. Den mittlerweile verstorbenen Neu-Isenburger Saxofonisten Kurt Krick nennt Reichenbach den „Vater des Ganzen“: „Hätte er nicht gesagt: Wir helfen dir, wäre es nicht zustande gekommen.“

Dass nun am kommenden Sonntag, 5. Juni, 12 bis 18 Uhr, im Hotel „ARTrium am Park“ (Waldstraße 94) die 100. Swing-und-mehr-Veranstaltung steigt, daran sei damals nicht zu denken gewesen, sagt Reichenbach. „Und dass daraus so ein Highlight wird – wie nun im ARTrium –, erst recht nicht.“

Eine Jam-Session im Musiklokal „Zum Hügeleck“ am 12. September 2007 war die Geburtsstunde von Swing und mehr. Als Geburtshelfer sprang Reichenbach Manfred „Jessy“ Lehr zur Seite, der schon organisatorische Erfahrung mit der Veranstaltung „Jazz im Wald“ beim FC Dietzenbach gesammelt hatte. Reichenbach: „Ich habe Jessy auf dem Weinfest gefragt, ob er mitmachen wolle.“ Lehr hat „drei bis viermal drüber geschlafen“ und dann zu Reichenbach gesagt: „Ich helf’ dir ein bisschen.“ Aus dem Bisschen sind mittlerweile neun Jahre geworden, in denen die beiden die Veranstaltung zu einem musikalischen Aushängeschild Dietzenbachs in der Region gemacht haben, dabei gab es aber auch Durststrecken und strukturelle Änderungen, weil das Publikum weniger geworden sei, sagt Lehr.

Mittlerweile flattern pro Tag zwei Anfragen von Bands ins Haus, schätzt Lehr, die bei Swing und mehr auftreten wollen. „Ich muss fast alle ablehnen.“ Er verpflichte fast ausschließlich Künstler aus dem Rhein-Main-Gebiet. Und das hat einen einfachen Grund: „Wir wollen eine Jazz-Veranstaltung bieten, die für Rentner bezahlbar ist“, sagt Lehr. Und das „unabhängig von der Stadt“, betont Reichenbach. Das finanzielle Risiko liegt bei Reichenbach und Lehr. Früher wirkte die Stadtmarketing-Agentur als Veranstalter. Seit Mitte des vergangenen Jahres sei die Stadtmarketing-Agentur nur noch bei Werbung kooperativ, sagt Lehr.

Die Organisation sei nur dank der Sponsoren möglich. Dank zollen die beiden auch Brigitte Pfaffenholz vom Hotel ATRium am Park, die stets mithilft und die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Ebenso dem Unternehmerehepaar Wörner, die das ARTrium der Firma Controlware zur Verfügung gestellt hatten, in das die Reihe 2011 wegen Kapazitätsgrenzen im Hügeleck umgesiedelt war. Seit 2013 heißt’s im Wintergarten des Nachbargebäudes, Hotel ARTium am Park: Swing und mehr. Und das besondere Ambiente bleibt Künstlern im Gedächtnis. Reichenbach erzählt von einem Jazzkonzert der „Original Blütenweg-Jazzer“ in Bensheim, das sie jüngst besucht hat: „Durchs Mikro haben die mich begrüßt und gesagt, was das für ein Highlight war, in Dietzenbach zu spielen.“

Der Umzug in den Wintergarten habe für die Reihe einen „Riesenschub“ bedeutet, sagt Lehr. Und das nicht nur wegen des Ambientes: „Die Besucherzahlen haben sich verdoppelt.“ 150 bis 200 Besucher sind es laut Lehr mittlerweile regelmäßig. Nach der 100. Veranstaltung ist das nächste große Ziel für die Organisatoren der zehnjährige Geburtstag am 10. September 2017 mit dem „Hinterland Jazz Orchestra“, verrät Lehr: „Was danach passiert, wissen wir nicht.“ – Aber davor gibt es ja auch noch ein Weinfest...

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