Engel des Friedens kommt nach Dietzenbach

Skulptur als Zeichen der Versöhnung

+
Der Pilgerweg für den Frieden führt am kommenden Sonntag von der Altstadt ins Stadtzentrum. Den Engel der Kulturen haben Gregor Merten und Carmen Dietrich geschaffen.

Dietzenbach - „Das Projekt passt zu Dietzenbach, zu der Vielfalt der hier lebenden Nationen und der offenen und toleranten Art, miteinander umzugehen.“ Erster Stadtrat Dieter Lang wartet gespannt auf das Kunstobjekt „Engel der Kulturen“, das am Sonntag, 9. Oktober, in die Kreisstadt einziehen wird. Von Barbara Scholze 

Der „Engel der Kulturen“ wird im Rahmen eines mehrstündigen Programms quer durch die Stadt rollen und schließlich seine endgültige Bleibe am Europaplatz finden. Die beiden Künstler Gregor Merten und Carmen Dietrich aus Leverkusen haben die Engelsfigur durch eine bestimmte Anordnung der Symbole Kreuz, Halbmond und Stern geschaffen. In der angespannten Situation zwischen den Religionen soll sie ein vermittelndes Zeichen für den Frieden sein.

Rund 20 Unterstützergruppen, Gemeinden und Religionsgemeinschaften haben den Engel der Kulturen ermöglicht, darunter auch das kreiseigene Projekt „Pro Prävention“. „Es waren viele Monate der Vorbereitung und nun freuen wir uns auf ein Fest, das wir während eines halben Tages feiern werden“, sagt die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger. Die Intarsie, die schließlich am Rande eines der Rosenbeete in der Mitte des Europaplatzes eingelegt wird, sei auch ein Objekt des Friedens für den ganzen Landkreis. „In Zeiten wie diesen, in denen religiöser Extremismus um sich greift, ist eine solche Aktion umso wichtiger.“

Ab 12.30 Uhr wird der Engel in Form eines großen Metallrings auf einem „Pilgerweg für den Frieden“ durch Dietzenbach rollen. Treffpunkt ist der Trinkborn an der Borngasse. Dort gibt es Grußworte und einen musikalischen Auftakt durch den Posaunenchor der Martin-Luther-Gemeinde. Nach einem großen Stadtgeläut um 13 Uhr geht es weiter zum Platz am Stadtbrunnen, wo arabische Saitenmusik auf die Pilger wartet. Nächste Station ist gegen 14 Uhr das Bildungshaus an der Rodgaustraße. Dort singt der Projektkinderchor der Luther-Gemeinde und es gibt Interviews zum Thema Religion. Um 15 Uhr, am Spessartviertel, Innenohr Nord, bietet Roman Kuperschmidt Klezmer-Musik, Schüler der Waldorfschule zeigen eine Pantomime und die jungen Artisten des Zirkus Chicana geben akrobatische Kunststücke zum Besten. Gegen 16 Uhr wird der Engel der Kulturen dann auf dem Europaplatz verlegt, wo die Arbeitsgemeinschaft der Religionen auch zum Friedensgebet lädt. Dann entfernen die Künstler, die während des gesamten Pilgerweges anwesend sind, aus einer Metallscheibe einen Teil der Engelsskulptur für ein Folge-Kunstwerk in einer nächsten Stadt. Schaffen wollen sie damit eine symbolische Verbindung zwischen den einzelnen Kunstorten. „Von Dietzenbach aus soll so ein starkes Signal für Frieden und Versöhnung sowie für ein harmonisches Zusammenleben verschiedener Völker, Religionen und Kulturen ausgehen“, kündigen die Organisatoren an. Etwa 6000 Euro an Sachkosten hat die Aktion verursacht. „Die ehrenamtlichen Arbeitsstunden sind allerdings gar nicht zu bezahlen“, sagt Pfarrerin Sandra Scholz vom evangelischen Dekanat Rodgau. Als Schirmherr fungiert Landrat Oliver Quilling.

Derzeit, da sowohl der Islam als auch das Christentum leicht vereinnahmt würden, sei die Aktion ein wichtiger Beitrag, betont auch der evangelische Dekan Carsten Tag. „Bereits die Vorbereitungen haben viel Miteinander geschaffen“. Der Ort des Engels biete auch in Zukunft Chancen für weitere Aktionen, etwa mit Konfirmanden und Schulklassen.

Mehrere Grundschulen haben sich bereits intensiv auf das Projekt vorbereitet. Im Religions- und Ethik-, aber auch im Kunstunterricht haben sich die Mädchen und Jungen mit den Symbolen beschäftigt. „Es ist ein Thema, das in das alltägliche Leben hineinreicht und mit dem man Solidarität zum Ausdruck bringen kann“, sagt etwa Jochen Schepp, Schulleiter der Dietzenbacher Sterntalerschule.

Kommentare