Trinkborn, Stadtbrunnen, Bildungshaus und Innenohr

Engel der Kulturen auf Pilgerreise

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Ein Symbol, das über Religionsgrenzen hinaus begeistert: Der „Engel der Kulturen“ lockte mehr als 300 Menschen auf eine Pilgerreise durch Dietzenbach.

Dietzenbach - Nach einer Reise durch Dietzenbach mit rund 300 Menschen im Schlepptau hat der „Engel der Kulturen“ seine Spuren am Europaplatz hinterlassen. Als Zeichen für ein gedeihliches Miteinander. Von Barbara Scholze 

Der Engel der Kulturen, eine kunstvolle Bodenintarsie, ist jetzt auch in Dietzenbach angekommen. „Am Europaplatz haben wir einen Ort gefunden, mit dem sich alle identifizieren können“, sagt Erster Stadtrat Dieter Lang. Wie in vielen anderen Städten der Welt auch, soll die Figur nachhaltiges Zeichen für ein gedeihliches Miteinander sein. Jetzt liegt er eher unscheinbar am Rande eines Rosenbeetes vor dem Rathaus. Ein kleiner blauer Himmelsbote, der seine Flügel ausbreitet und dabei recht fröhlich erscheint. Eines hat er schon mal geschafft, der sogenannte Engel der Kulturen: Runde fünf Stunden hat er bei seiner Anreise Dietzenbacher und Gäste zusammengebracht, die sich sonst an diesem Tag wohl nicht begegnet wären.

Geschaffen von den Künstlern Carmen Dietrich und Gregor Merten steht die Bodenintarsie für eine Verbundenheit der Religionen. Nicht nur sichtbares Zeichen soll er sein. Teil des Konzeptes seiner Schöpfer ist es ebenso, durch Aktionen im öffentlichen Raum den Engel in der jeweils neuen Heimat landen zu lassen. Und so parallel zu der gegenständlichen Plastik auch eine soziale zu kreieren.

Entsprechend gestaltet sich die Anreise des Engels fast spektakulär. Quer durch die Stadt rollt er, macht Halt an vier Stationen, bevor er seine Bleibe erreicht. Dabei reist er nicht als Intarsie, die später verlegt wird. Für die Tour haben Dietrich und Merten einen Stellvertreter mitgebracht: ein etwa 1,50 Meter großes Metallrad, aus dem sie mithilfe der Symbole Davidstern, Kreuz und Halbmond eine Engelsfigur herausgearbeitet haben.

Bereits die erste Station ist gut besucht. Rund 150 Interessierte versammeln sich rund um den Trinkborn, um der Kunstfigur Tribut zu zollen. „Die Organisatoren haben viel Herzblut in diese Veranstaltung gesteckt“, lobt Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger. Der Posaunenchor der evangelischen Martin-Luther-Gemeinde spielt dem Anlass entsprechend kräftig auf und es werden Grußworte gesprochen. Am Ende lauschen die Versammelten dem „Großen Stadtgeläut“ aller Kirchenglocken. Mehrere Institutionen haben sich zusammengetan, um den Engel in die Kreisstadt zu holen, darunter der Kreis Offenbach, das evangelische Dekanat Rodgau und die Arbeitsgemeinschaft der Religionen in Dietzenbach. Am Stadtbrunnen, dem nächsten Haltepunkt der kleinen Pilgerreise, stehen die Kinder im Mittelpunkt. Buben und Mädchen aus der Dietrich-Bonhoeffer- und der Aue-Schule haben sich im Unterricht mit der Figur auseinandergesetzt, jetzt tragen sie entsprechende Zeichnungen um den Hals gehängt oder an einem Stab befestigt. „Die Kinder haben gelernt, dass es viele Gemeinsamkeiten in den Religionen gibt“, erzählt Nina Baumann, Schulleiterin der Bonhoeffer-Schule. Vor dem Stadtbrunnen hinterlässt der Engel dann auch die ersten Spuren. Gemeinsam mit den Kindern fertigen die Künstler einen Gottesboten aus Quarzsand. Zwei weitere werden im Verlaufe des Weges noch dazu kommen. Dass sie nicht lange liegen bleiben, ist allen Beteiligten klar. Die Fährten sollen dennoch deutlich werden.

„Engel der Kulturen“ setzt Zeichen des Friedens: Bilder

Auf dem weiteren Weg wird die Pilgergruppe stetig größer. Ein buntes Völkchen bewegt sich zur dritten Station, dem Bildungshaus. Dort gibt ein Projektchor samt Musikern erste Eindrücke des neuen Musicals zum Lutherjahr, das Chorleiterin Barbara Wendtland präsentieren wird. Die Kinder der benachbarten Sterntalerschule begrüßen den Engel, und die Teilnehmer eines Projektes im Kreisjugendbildungswerk erzählen von ihren Erfahrungen mit Religion. Dann wartet noch eine große Überraschung: Das Team des Bildungshauses verteilt frisch gebackene Waffeln.

„An jedem Ort sollen Menschen etwas von dem zeigen, wofür sie sich engagieren“, hatte Pfarrerin Sandra Scholz vom evangelischen Dekanat als Haupt-Initiatorin des Projektes bereits im Vorfeld angekündigt. Unter der Moderation des Redakteurs Tobias Schwab funktioniert das auch beim nächsten Treff, im Innenohr des Spessartviertels. Schüler der Waldorfschule präsentieren eine Pantomime und junge Artisten des Zirkus Chicana begeistern mit ihren Kunststücken. Zwischendrin wuselt Musiker Roman Kupperschmidt, der mit seiner Klarinette vor allem die Kleinsten magisch anzieht.

Kurz nach 16 Uhr sind Engel und Menschen an ihrem Ziel, dem Europaplatz angelangt. Dort warten weitere Gäste, mindestens 300 Teilnehmer versammeln sich jetzt, die Klezmer-Band „Schmackes“ heizt ein. Die kleine blaue Figur in dem Rosenbeet zu verlegen, ist gar nicht so aufsehenerregend. Spannender wird es, als unter Einsatz eines Schneidbrenners die Engelsform für den nächsten Ort, Edingen-Neckarhausen, ausgebrannt wird. Das Innere wird, wie alle anderen auch, nach Jerusalem wandern. „Der Engel hat hier ein wunderbares Zuhause gefunden“, sagt Dekan Carsten Tag. Nun gelte es, seine Botschaft weiterzutragen. Im anschließenden Friedensgebet bitten die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der Religionen um Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Toleranz und Versöhnung.

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