Versorger kündigt sinkenden Verbrauchspreis an

Fernwärme: EVD gibt „redaktionellen Fehler“ zu

Dietzenbach - Die rund 1200 Dietzenbacher Fernwärmekunden gehen ins zweite Abrechnungsjahr mit der EVD. Die kündigt an, der Verbrauchspreis werde für alle Kunden deutlich sinken. Von Ronny Paul 

Sie könne verstehen, dass einige Kunden auf die Barrikaden gehen“, sagt EVD-Geschäftsführerin Lena Blazek: „Wenn der Energieversorger mit Preisänderungen kommt, ist das für die Kunden ärgerlich.“ Seit Längerem schwelt ein Streit zwischen EVD und Verbrauchern. Die Energieversorgung Dietzenbach (EVD) hat das zum 1. Oktober im vergangenen Jahr durch öffentliche Bekanntmachung eingeführte Preissystem mit neuer Preisänderungsklausel ein Stück weit revidiert. Denn der EVD ist dabei laut Blazek „ein redaktioneller Fehler unterlaufen“. So seien einzelne Faktoren doppelt benannt worden, und „angegebene Preiseinheiten wichen von den tatsächlichen ab“. Blazek: „Dafür entschuldigt sich die EVD beim Verbraucher.“ Ein Nachteil sei dadurch für die Kunden nicht entstanden, betont die EVD-Geschäftsführerin: „Die gezahlten Abschläge resultieren aus den zum Oktober 2015 veröffentlichten Preisen: Diese sind korrekt und bestehen unverändert fort.“ Nur die ergänzende Formel der Preisänderungsklausel sei fehlerhaft gewesen, aber bislang noch nicht zur Anwendung gekommen. Daher hatte sie „noch keine Relevanz für die Kunden“, sagt Blazek. Sie gelte erst ab Oktober und für die Folgejahre.

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Die nun nach der Preisänderungsregelung ermittelten und ab diesem Samstag gültigen Preise kommentiert Blazek so: „Allgemein lässt sich zusammenfassen, dass der Grundpreis wesentlich von der Entwicklung der Löhne und Investitionsgüter geprägt ist.“ Für den Grundpreis werden die Preise um rund ein Prozent steigen. Der Jahrespreis für Messung und Abrechnung bleibe unverändert.

Weitere Bestandteile des Fernwärmeentgeltes seien die verbrauchsabhängigen Komponenten des Verbrauchspreises sowie das CO2-Entgelt. Dies werde laut Blazek aufgrund der Preisentwicklung der an der Energiebörse EEX gehandelten Zertifikate für CO2-Emissionen ebenfalls leicht ansteigen. Der deutlich größere Bestandteil des Verbrauchspreises werde jedoch unter anderem durch die Preisentwicklungen von Kohle und Gas geprägt. Blazek prognostiziert, der Verbrauchspreis werde für alle Kunden um rund sieben Prozent deutlich sinken. Sie kündigt an, „die neuen Preise werden bereits für die Vorauszahlungen ab dem 1. Oktober 2016 berücksichtigt“.

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Für einen Kunden mit einem Einfamilienhaus, einem Anschlusswert von zehn Kilowatt und einem Verbrauch von 30.000 Kilowattstunden bedeute die Preisentwicklung eine Ersparnis von rund 90 Euro für das kommende Abrechnungsjahr (Oktober 2016 bis September 2017); dies entspreche einer Reduzierung von rund 3,8 Prozent gegenüber dem laufenden. Laut Blazek profitiert der Kunde bereits in der Endabrechnung für 2016 von der sogenannten Bestpreis-Regelung. Bei Kunden bis zu einem Anschlusswert von 45 Kilowatt werde zum Jahresende ein Vergleich anhand des Anschlusswertes und des tatsächlichen Verbrauchs zwischen den beiden Tarifen „EVDsmart“ und „EVDplus“ vorgenommen. Die Abrechnung erfolgt dann automatisch mit dem für die Kunden günstigeren Tarif, so Blazek: „Die Ersparnis hängt auch vom individuellen Verbrauchsverhalten ab.“

Die gegen die EVD vom Bundesverband der Verbraucherzentralen eingereichte Klage wegen einer einseitig in laufende Verträge eingeführten Preisgleitklausel liegt der EVD inzwischen vor. Dazu Blazek: „Die EVD ist nach wie vor davon überzeugt, dass die gewählte Vorgehensweise zur Einführung des neuen Preissystems den Vorgaben der AVBFernwärmeV (Anm. d. Red.: Verordnung über allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme) entspricht.“ Die EVD werde einen Anwalt engagieren, das Verfahren am Landgericht Darmstadt zu führen. Eine Klageerwiderung sei in Arbeit.

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