Zu Gast beim „Rudel Sing Sang“ im Theater Schöne Aussichten

Heiter-harmonisches Stimmbandkitzeln

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Mitmachen ist alles: Beim fröhlichen Rudelsingen im Theater Schöne Aussichten.

Dietzenbach - Die Exekutivgewalt im Staate, sie hätte auf Ideen kommen können bei der jüngsten Mitsingveranstaltung „Rudel Sing Sang“ – bekannt auch durch Funk und Fernsehen – im Theater Schöne Aussichten im Herzen der Altstadt. Von Matthias Towae 

Vermutlich würden polizeiliche Vernehmungen fortan in einem solch heiteren Rahmen abgehalten werden; gesungen hat dort am Ende nämlich wohl noch jeder. Gegen die akute Ansteckungsgefahr, den schnell grassierenden Mitsingdrang, ist denn auch kein Kraut, pardon; Lied, gewachsen. Der Obertshausener Leitwolf Thomas Jeutter alias Tom Jet legt sich jedenfalls charmant ins Zeug, sein Rudel zum Nachheulen zu animieren. Und er hat leichtes Spiel. Wobei freilich nie schräger Gesang im vielstimmigen Chor mit 40 Leuten herauskommt, sondern ein „durchaus beachtliches Stimmbandkitzeln“, so der allgemeine Tenor.

Von Rudi Carrells Gassenhauer „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ über Rod Stewarts „Sailing“ bis hin zu George Gershwins „Summertime“ – „Da können Sie bei ihrem Partner am Frühstückstisch angeben“, kommentiert Jeutter schmunzelnd – reihen sich die Lieder. Auch die „99 Lufballons“ von Nena fügen sich nahtlos ins Programm ein. Sämtliche Liedtexte werden auf eine Leinwand projiziert. Es bereitet allen Teilnehmern Freude, zu sehen und zu hören, wie die Nebenleute dem Vorsinger fröhlich folgen und an den Lippen hängen. Beim Kuschelsong „Angels“ von Robbie Williams gehen dann die Hände in die Höhe und werden nach links und rechts im Takt gewogen, ohne darüber das kräftige, befreiend wirkende Mitschmettern der Liedzeilen zu vergessen.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Immer wieder kommen mit Sand gefüllte Rassel-Eier zum Einsatz, die im Takt locker aus dem Handgelenk geschüttelt werden. Jene machen die Mitsänger zugleich zu Mitspielern, die im Hintergrund einen sanften Klangteppich legen. Schnell wird eines deutlich: Der Mensch, er braucht Gesellschaft, um Mensch zu sein und zu bleiben. Einander größtenteils Unbekannte gehen eine Liaison mit der Lust am Gesang ein und bilden eine wundervolle, harmonische Einheit – den Blutdruck zu senken, gelingt wohl selten auf natürlichere Weise.

Inge Richter, die ihren Mann Manfred im Schlepptau hat, zeigt sich höchst begeistert von der Veranstaltung: „Wir sind zum dritten Mal dabei und lieben Tom Jet“ – sie seien sogar in dessen Fanclub. Ehemann Manfred trägt der olympische Gedanke: Dabeisein ist alles. „Er singt zwar nicht, hat aber trotzdem seinen Spaß“, verrät die Steinbergerin mit einem Augenzwinkern. Fröhlichkeit, Heiterkeit und am Tag danach vielleicht auch Heiserkeit? Es gibt sicherlich schlimmere Andenken an gelungene Abende als einen kurzzeitigen Teilverlust der Stimme.

Der nächste „Rudel Sing Sang“ mit Tom Jet ist für Freitag, 19. August, 19.30 Uhr, unter freiem Himmel auf dem Harmonieplatz geplant. Wer mitsingen möchte, ist mit zehn Euro dabei. Infos: www.thesa.de.

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