Gewerbliche Sammmlungen

Das Geschäft mit den Altkleidern

Mit gebrauchten Klamotten und Schuhen lässt sich Geld verdienen. Das nutzen Gewerbetreibende aus und stellen Dutzende Container auf. Wie hier an der Albert-Einstein-Straße stehen in der Kreisstadt viele Altkleidercontainer auf Freiflächen. Offensichtlich auch eine willkommene Anlaufstelle für Müllentsorger.
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Mit gebrauchten Klamotten und Schuhen lässt sich Geld verdienen. Das nutzen Gewerbetreibende aus und stellen Dutzende Container auf. Wie hier an der Albert-Einstein-Straße stehen in der Kreisstadt viele Altkleidercontainer auf Freiflächen. Offensichtlich auch eine willkommene Anlaufstelle für Müllentsorger. 

Dietzenbach  - Gefühlt stehen sie an jeder Ecke: Altkleidercontainer. Auch in der Kreisstadt. Egal, ob in der Alstadt, am Hexenberg, in Steinberg und allzu oft mitten im Nirgendwo am Feldrand oder auf einer Brachfläche. Von Norman Körtge 

Nie war es einfacher, seine Altkleider oder gebrauchten Schuhe loszuwerden. Und wenn dann noch durch Aufkleber oder Aufdrucke der Anschein erweckt wird, dass mit dort eingeworfenen Textilien eventuell Bedürftige unterstützt werden, dann zieht der Spender auch mit einem guten Gewissen an der Klappe, damit er den Sack in den Container  fallenlassen kann. Viel kleiner und unauffälliger als der Aufdruck „Besonders dringend werden Schuhe benötigt!“ steht aber auf den Containern, dass es sich um eine rein gewerbliche  Sammlung handelt. Und diese Gewerbetreibenden nehmen es mit dem Gesetz oft nicht allzu genau. Beweis dafür sind zwei dicke Aktenordner im Büro von Ordnungsamtsleiter Markus Hockling. Nicht, weil es in Dietzenbach besonders viele illegal aufgestellte Altkleidercontainer gibt. „Es ist ein bundesweites Phänomen“, berichtet Hockling. Aber in Dietzenbach hat eine Firma ihren Sitz, die an vielen Orten Container aufstellt. Wenn es dann Beschwerden gibt, landen diese bei Hockling auf dem Schreibtisch. Er hat dadurch auch einen tiefen Einblick in das offensichtlich lukrative Geschäft mit Altkleidern gewonnen.

Durch das Verhängen von Bußgeldern kennt er die finanziellen Schmerzgrenzen der illegalen Containeraufsteller. 200 Euro hätten oft keine Wirkung gezeigt, die Container wurden einfach anderswo wieder aufgestellt. „Bei 500 Euro hat es dann aufgehört“, berichtet Hockling. Wie viele illegale Altkleidercontainer es in Dietzenbach gebe, sei schwer zu sagen. Denn die meisten stehen nicht auf öffentlichen Flächen, sondern auf privaten. Oft in der Hoffnung, dass die Eigentümer es nicht bemerken oder es ihnen egal ist. Dabei sei es aber auch schon zu kuriosen Telefonaten gekommen, in denen Hockling den Containeraufsteller kontaktiert habe, dieser aussagte, es sei mit dem Grundstückseigentümer abgesprochen und Hockling ihm dann sagen musste, dass das nicht sein könne, weil dieser sich gerade beim Ordnungsamt beschwert habe. Die einzigen von der Stadt zugelassenen Altkleidercontainer auf öffentlichen Flächen sind an den vorhandenen Standorten mit Altpapier- und Altglascontainern zu finden, so Markus Krallinger, Abteilungsleiter Abfallwirtschaft und Umweltdienste bei den Städtischen Betrieben.

Ordnungsamt sind die Hände gebunden

33 Container sind bei ihm registriert, sowohl von karitativen Organisationen als auch von gewerblichen Sammlern. Letztere sind deutlich in der Mehrzahl, auch weil für das Aufstellen eine Gebühr fällig wird. Ein Modell wie in Rodgau, wo die Stadtwerke selbst ins Geschäft eingestiegen sind und Container aufgestellt haben, ist in Dietzenbach derzeit kein Thema. Auf den Plan werden Hockling und Kollegen auch regelmäßig gerufen, wenn in einem Straßenzug wieder Wäschekörbe von Altkleidersammlern verteilt werden. Oft sind dem Ordnungsamt dabei die Hände gebunden, denn die Körbe stehen meist nicht auf dem Bürgersteig, sondern auf dem Grundstück. Ist also Privatsache. Und wer sich schon immer gefragt hat, warum er ausgerechnet einen Wäschekorb hingestellt bekommen hat, an dem ein Tragegriff fehlt, kann Hockling die Antwort geben: Es ist die Cleverness der Altkleidereinsammler.

Nacht der Lichter in der Altstadt von Dietzenbach

„Nacht der Lichter“ in der Altstadt

Wäre es ein Korb mit zwei Griffen, dann würde er sicherlich Verwendung in der ein oder anderen Waschküche der Anwohner finden. So lassen sie ihn einfach stehen, bis er wieder eingesammelt wird. Und auch mit der Mär, dass Altkleidersammler Katzen einfangen, um aus ihrem Fell Rheumadecken zu machen, räumt Hockling auf: „Da ist nichts dran.“

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