Bürgerinitiative wegen Urheberrechtsverletzung vor Amtsgericht Frankfurt

Steinberg-Kreisel: Entwürfe genutzt, ohne zu fragen

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Die neue Form der Kreiselinsel ist nach dem ersten Baustellentag schon zu erkennen. Noch bis Ende Juni soll an dem Verkehrsrund gearbeitet werden, damit in einem zweiten Bauabschnitt Ende Juli die „Ratte Ludwig“-Skulptur dort ihren Platz finden kann.

Dietzenbach - Es geht um Urheberrechtsverletzung. Vor dem Frankfurter Amtsgericht verantworten musste sich die „Bürgerinitiative gegen den Rattenkreisel“. Von Ronny Paul 

Künstlerin Uschi Heusel und die „Bürgerinitiative (BI) gegen den Rattenkreisel“ haben sich vor dem Amtsgericht Frankfurt wiedergetroffen. Heusel hat gegen die BI geklagt. Der Vorwurf: Mit der Abbildung ihrer Entwürfe für den Umbau des Steinberg-Kreisels habe die BI ihr Urheberrecht verletzt. „Die haben die Entwürfe, ohne mich um Erlaubnis zu fragen, verwendet, das geht nicht!“, sagt Heusel. Zwei Fotografien der Ludwig-Statue auf einem Steinberg sitzend – eine aus unserer Zeitung und eine aus einer Fernsehsendung – hat die BI auf den Unterschriftenlisten abgebildet. „Wir haben nichts anderes gemacht, als das Veröffentlichte abzufotografieren“, sagt Hans-Willi Willems, der Sprecher der BI. Wenn es ein Privatentwurf gewesen wäre, „dann würde ich es verstehen“, sagt er, „aber die Kunst soll ja im öffentlichen Raum stehen“. Dem widerspricht Heusel: „Erst wenn ein Kunstwerk steht, ist es im öffentlichen Raum – aber die Ludwig-Statue steht ja noch gar nicht.“ Die Entwürfe seien dafür gedacht gewesen, der Stadt, die ihr den Auftrag erteilt hatte, zu zeigen, wie sie sich die Kreiselgestaltung in 3D vorstelle, betont sie: Eben wie bei einem Architekten.

Wenn die menschengroße Ratte-Ludwig-Statue in Bronze steht (Eröffnung: Sonntag, 31. Juli, 15 Uhr), „darf sie jeder fotografieren“, sagt Heusel. „Jeder Künstler möchte gern selbst entscheiden, was mit seiner Kunst passiert: Ich verstehe nicht, warum die BI das nicht einsieht.“ Im Gegenteil, Willems sieht sich nicht im Unrecht: „Es tut mir leid, wenn wir gegen Paragrafen verstoßen haben sollten, aber mein Rechtsempfinden als Nichtjurist sagt mir, dass wir nichts Falsches gemacht haben.“

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Der Richter habe mehrmals Anlauf genommen, einen Vergleich herbeizuführen, berichtet der BI-Sprecher. Dem hat Heusel nach Beratung mit ihrer Anwältin nicht zugestimmt: „Das hieße: Jeder trägt seine Kosten.“ Auch habe der Richter gefragt, ob es ihr aufs Geld ankomme. Das habe sie verneint, betont Heusel, die auch bei der Statue-Gestaltung gänzlich auf ihr Honorar verzichtet. Ihr gehe es darum, ihre Kunst zu schützen. Schließlich habe die BI auf den Listen, auf denen ihre Entwürfe abgebildet sind, den Namen Rattenkreisel verbreitet und Stimmung geschürt.

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Thomas Strittmatter, selbst Künstler und in der BI engagiert, sagt: „Wir wollten es transparent halten und mit Fotos dokumentieren, wofür die Menschen unterschreiben.“ Zudem streitet er den Vorwurf ab, an den Bildern die Größe der Statue manipuliert zu haben. Das Urteil in der Causa verkündet der Richter am 12. Juli vor dem Frankfurter Amtsgericht. Willems sieht die Sache „völlig offen“. Heusel hingegen wertet die Verhandlung als „eindeutig positiv“. Im Falle einer Entscheidung pro Heusel droht der BI eine Unterlassung und Geldstrafe.

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Eine schlechte Idee: Ich halte nichts vom neuen "Ratten-Kreisel".
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