Opfer schwebt in Lebensgefahr

Hammer-Attacke in Jobcenter: Haftbefehl nach „Blackout“

Dietzenbach - Ein schwer verletzter Behördenmitarbeiter, ein mutmaßlicher Täter, der einen Blackout gehabt haben will und schockierte Kollegen – die brutale Hammer-Attacke im Dietzenbacher Jobcenter hat ihre Spuren hinterlassen. Von Ralf Enders

Das Opfer der Dietzenbacher Hammer-Attacke befindet sich weiter in einem kritischen Zustand. Wie der Landrat des Kreises Offenbach, Oliver Quilling (CDU) heute unserer Zeitung berichtete, liegt der 64-Jährige Familienvater mit schwersten Kopfverletzungen im künstlichen Koma. Quilling hatte bereits kurz nach der Tat am Donnerstag die Familie des Mitarbeiters des kreiseigenen Jobcenters besucht. Gegen den mutmaßlichen Täter wurde unterdessen Haftbefehl wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung erlassen, wie Oberstaatsanwalt Axel Kreutz, Leiter der Zweigstelle Offenbach der Staatsanwaltschaft Darmstadt, auf Anfrage mitteilte.

Es handele sich um einen 51-jährigen Vietnamesen aus Obertshausen. Medienberichte, wonach der Mann ebenfalls verletzt sei, konnte Kreutz nicht bestätigen. Das Motiv des Mannes sei noch immer unklar. „Er hat angegeben, einen Blackout gehabt zu haben und sich nicht an die Tat erinnern zu können“ berichtete Kreutz.

Quilling zufolge ist der mutmaßliche Täter bereits seit etwa zehn Jahren Kunde des Jobcenters. Er habe am Donnerstag einen festen Termin gehabt. Der Mann sei völlig unauffällig gewesen, nichts habe auf die Bluttat hingewiesen. Zu möglichen zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen in dem Jobcenter mochte sich der Landrat noch nicht äußern. „Wir werden das mit der Polizei erörtern, aber nicht in blinden Aktionismus verfallen“, sagte er. Im Gegensatz zu anderen hessischen Landkreisen verfügten die Mitarbeiter in Dietzenbach bereits über Notfallknöpfe am Schreibtisch. Diesen Schalter konnte das 64-jährige Opfer bei der Tat am Donnerstag gegen 12.10 Uhr gerade noch betätigen.

Im „Forum II“, der Zweigstelle des Jobcenters in der Albert-Einstein-Straße, war der Obertshausener Hartz-IV-Empfänger unvermittelt mit einem Hammer auf den Sachbearbeiter losgegangen und hatte mehrmals auf seinen Kopf eingeschlagen. Kollegen wurden durch die Schreie aufmerksam und eilten dem Opfer zu Hilfe. Den Täter hielten sie bis zum Eintreffen der Polizei fest. Die Mitarbeiter des Jobcenters Pro Arbeit mit ihrem Geschäftsführer Boris Alexander Berner und auch die Kollegen des Kreishauses seien sehr betroffen von der Bluttat, berichtete Landrat Quilling. Der Kreis Offenbach biete psychologische Hilfe und Betreuung an. Das Jobcenter blieb am Freitag komplett geschlossen.

Es war nicht der erste Zwischenfall dieser Art in Dietzenbach. Im Januar war auf das Gebäude geschossen worden. Verletzt wurde dabei seinerzeit niemand, da es wegen Betriebsferien geschlossen war.

Die Bilder zum Tod im Frankfurter Jobcenter

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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