Mehrheit im Parlament lehnt Projekt ab

Einen Schlussstrich gezogen: Keine Hochzeitshalle

Dietzenbach - Es steht fest: Die Stadt bekommt vorerst keine Halle für Hochzeiten. Das Projekt von Familie Kaya lehnen die Parlamentarier ab. Von Barbara Scholze

In ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause haben die Stadtverordneten einen Schlussstrich unter ein Bauvorhaben gesetzt, das seit Jahren für reichlich Diskussionsstoff sorgt. Mehrheitlich lehnten die Parlamentarier die Pläne der Familie Kaya ab, nach denen an der Alfred-Nobel-Straße eine Groß-Hochzeitshalle sowie Bürogebäude entstehen sollten. Dafür sprach sich lediglich die FDP aus, die Linke und die DL/FW-UDS enthielten sich. Erste Pläne für das Projekt Festhalle gibt es schon lange, das konkrete Bauvorhaben bewegt sich seit etwa zwei Jahren im parlamentarischen Raum, wurde immer wieder geschoben. Dabei ging es um eine Änderung des Bebauungsplanes, die rechtliche Sicherheit für das Projekt bringen sollte. „Wir müssen irgendwann Klarheit schaffen, wir haben da eine Altlast, die wir heute entscheiden müssen“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Rainer Engelhardt in der SVV.

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Seit 16 Jahren betreibt die Familie Kaya auf einem ehemaligen Gartenbaugrundstück einen Baggerbetrieb an der Alfred-Nobel-Straße 13, eine Nachbar-Parzelle kaufte sie Ende 2010 dazu. Sie seien durch die Stadtverwaltung auf die Idee gekommen, eine Hochzeitshalle zu bauen, immer wieder sei großer Bedarf an einer solchen Location kommuniziert worden, hatten die Kayas betont. Ihren Baggerbetrieb wollten sie behalten, träumten aber von einer Hochzeitshalle für rund 550 Gäste, von Bürogebäuden, unter anderem für Anwälte, einer zuzüglichen Lagerhalle und Betriebswohnungen. „Wir haben bereits einen sechsstelligen Betrag in das Grundstück investiert“, teilte Arslan Kaya bereits vor einem Jahr mit. Darüber hinaus hatte sich die Familie bereit erklärt, ein weiteres benachbartes Grundstück zu erwerben und dort auf eigene Kosten mehrere Meter hohe Altablagerungen beseitigen zu lassen, was die Stadt etwa 100 000 Euro kosten würde.

Recht schnell klinkte sich auch der benachbarte Geflügelzuchtverein – selbst Betreiber einer größeren Halle – in die Diskussion ein, schrieb einen offenen Brief mit Bedenken etwa hinsichtlich der Parksituation. Zudem hatte sich die Kreisbauaufsicht eingeschaltet. Im geltenden Bebauungsplan ist Wohnbebauung auf dem „Außenbereichsgrundstück“ nicht möglich. Und so mussten mehrere Mieter aus sogenannten Betriebswohnungen ausziehen. Nach einer kurzen Zeit der Stille um das Projekt tauchte aus dem Lager der Stadtverordneten eine neue Idee auf. Ein Prüfantrag von WIR-BfD und SPD sah vor zu untersuchen, ob nicht die Stadt das Grundstück erwerben könnte, um den chronisch überlasteten Wertstoffhof und den Grünabfallsammelplatz dort zu installieren. „Aber wir haben festgestellt, dass das wirtschaftlich nicht darstellbar ist“, betonte Bürgermeister Jürgen Rogg im letzten Bauausschuss.

Adel zwischen Liebesglück und Scheidungsrichtern

Er finde die Ablehnung des Vorhabens völlig unverständlich, sagte Artus Rosenbusch, Fraktionsvorsitzender der FDP im Parlament. „Die Leute arbeiten fleißig, warum nimmt man ihnen diese Chance?“ Auch die benachbarten Geflügelzüchter hätten eine große Halle und organisierten viele Feste. „Vielleicht haben sie sich von der Befürchtung leiten lassen, dass Konkurrenz entsteht.“ Während Christoph Mikuschek (CDU) angesichts der Bauskizzen von einem „Blankoscheck“ für die Kayas sprach, betonte Grünen-Chefin Andrea Wacker-Hempel die Notwendigkeit für eine Hochzeitshalle: „Aber bitte an einer anderen Stelle, es gibt genügend Flächen innerhalb der Bebauung.“

Von der Familie Kaya war aktuell keine Stellungnahme zu dem endgültigen Aus für ihre Pläne zu erhalten. Bei anderen Gelegenheiten hatte sie jedoch mehrfach erklärt, sie fühle sich diskriminiert. „Schließlich haben wir mit der Halle etwas betreiben wollen, das auch der Stadt Vorteile gebracht hätte.“

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