Stadtkirche in Dietzenbachs Partnerstadt

Ein hölzerner Hingucker

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Neuhaus’ Kirche ganz aus Holz.

Dietzenbach - Jetzt, zur Sommerzeit, gilt es, in die Ferne zu schweifen. Doch auch wer daheim bleibt, kann im Geiste reisen, Bücher lesen, sich informieren und Bilder von Sehenswürdigkeiten ansehen, die vielleicht nicht unbedingt zu den größten der Welt zählen. Von Barbara Scholze 

Auch in den sechs Partnerstädten Dietzenbachs gibt es touristische Schätze, die es sich irgendwann einmal zu heben lohnt. Eine Auswahl dieser reizvollen Monumente werden wir in der Ferienzeit vorstellen. Vielleicht entstehen daraus sogar Ihre nächsten Urlaube. Um den Besuch dieses Bauwerks kommt wahrscheinlich kein Dietzenbacher herum, der einen Fuß in die Schwesterstadt Neuhaus am Rennweg setzt: Die Stadtkirche am Kirchweg, gebaut nach dem Vorbild der englischen Gotik, wurde am 28. August 1892 eingeweiht und prägt den thüringischen Ort auf ganz eigene Weise. Außen komplett mit Blauschiefer-Platten bedeckt und innen mit viel Holz gestaltet, kommt das Gotteshaus auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen düster, aber dennoch imponierend daher. Der Sakralbau gilt als eine der wenigen reinen Holzkirchen Deutschlands.

Verschwistert haben die Städte Dietzenbach und Neuhaus sich 1990, nur kurze Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung. „Ich kann mich gut erinnern, dass wir bereits bei den ersten Besuchen auch in der schönen Holzkirche Station gemacht haben“, sagt Jürgen Heyer, heutiger Ehrenbürgermeister und damals aktiv im Amt. Es sei ein „tolles Gebäude“, das er auch später immer gerne besucht habe. „Irgendwie hatte diese Kirche in der damals sehr nostalgischen Zeit angesichts der Verpartnerung die Rolle eines Symbols“, so Heyer. Vor allem das Innere habe als Ruhepol den Kreis geschlossen. „Es war so ein bisschen das Zentrum für die neue Zusammengehörigkeit.“

Wie die evangelische Kirchengemeinde Neuhaus in ihren Veröffentlichungen mitteilt, stand an der Stelle der heutigen Holzkirche bereits im 17. Jahrhundert eine kleine Barockkirche. Für den Neubau des Gotteshauses übernahm der Fürstlich Schwarzburg-Rudolstädtische Staat die Kosten. Baurat Brecht, Architekt der Fürsten Georg und Günther Viktor von Schwarzburg-Rudolstadt, erarbeitete die Planung und überwachte die Arbeiten.

Die beliebtesten deutschen Sehenswürdigkeiten

Anfangs trug das neue Gebäude noch Dachgauben, die allerdings aus Witterungsgründen wieder entfernt werden mussten. Der Kirchenraum hat rund 350 Sitzplätze und ist komplett mit Holz verkleidet, ebenso die drei Seiten umfassende Empore. Die Fenster beeindrucken mit Glasmalerei im geometrischen Stil, das Altarbild zeigt im Öldruck die Kreuzabnahme von Peter Paul Rubens. Die Holzkirche sei eine „erzählende Kirche“, schreiben die Gemeindevertreter. Ornamente von Weintrauben, Blätter und Reben symbolisieren ein Kapitel aus dem Johannes-Evangelium, in dem es heißt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“

Das Gotteshaus habe auch sie stets sehr beeindruckt, erzählt Yvonne Tesch-Klühspies, Vorsitzende des für die Städtepartnerschaften verantwortlichen Vereins für Internationale Beziehungen. „Und sie ist immer einen Besuch wert.“

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