Intensivtäter aus Dietzenbach

14-Jähriger mit mehr als 70 Straftaten auf dem Kerbholz

Dietzenbach - Eine ausgedehnte Spritztour mit einem gestohlenen Streifenwagen hat das Fass zum Überlaufen gebracht: Ein polizeibekannter 14-Jähriger aus Dietzenbach sitzt wegen mehrerer Vergehen in Untersuchungshaft im baden-württembergischen Adelsheim, nachdem er ein umfassendes Geständnis abgelegt hat. Von Ronny Paul

In seinem Tatenbuch stehen unter anderem Autodiebstahl und Diebstahl wertvoller Gegenstände. Bereits vor seinem 14. Lebensjahr hatte er mehr als 70 Straftaten auf dem Kerbholz. Seitdem er strafmündig ist, sind 10 Vergehen hinzugekommen. Allerdings: „Da könnten noch mehr Fälle auftauchen“, vermutet Dietzenbachs Polizeichef Klaus Hofmann.

Die wohl spektakulärste Tat, Anfang Mai in Düsseldorf: Dort hatte der Intensivstraftäter sich in die Tiefgarage einer Autowerkstatt geschlichen und versucht, einen 7er-BMW zu stehlen. Als das misslang, entschied er sich für einen zur Reparatur abgestellten Streifenwagen. Das Polizeifahrzeug parkte er nach einer Spritztour unbeschädigt im rund 25 Kilometer entfernten Lank-Latum (Rhein-Kreis Neuss).

Ein Zufall hat laut Matthias Gebl, stellvertretender Leiter der Dietzenbacher Ermittlungsgruppe, zur Festnahme des Jugendlichen geführt. Der Polizist Marco Böhm stieß im Internet auf die Fahndungsmeldung der Düsseldorfer Kollegen. Das Vorgehen des Täters kam den Dietzenbacher Ordnungshütern mehr als bekannt vor; sie informierten den Düsseldorfer Staatsschutz. Mit dem Abgleich der Überwachungsaufnahmen aus der Werkstatt war der „Treffer versenkt“, sagt Hofmann. Die Polizei nahm den verdächtigen Jugendlichen in der elterlichen Wohnung in Dietzenbach fest.

„Er erschleicht sich Vertrauen, das ist seine Masche.“ Hofmann schildert eine Tat in einem Offenbacher Autohaus an der Waldstraße. Dort sei der Junge von einem Verkäufer angesprochen worden. Er warte auf seine Mutter, war die Antwort. Als der Verkäufer den Jungen aus den Augen ließ, ging der an dessen Schreibtisch und entwendete Autoschlüssel und das dazu passende Fahrzeug.

Gebl: „Dumm ist er keineswegs.“ Der Junge brauche aber klare Strukturen. „Wenn’s ihm nicht passt, bricht er aus, fährt mit dem ICE durch ganz Deutschland.“ Sein Elternhaus sei zerrüttet, er werde ständig zwischen Pflegefamilien und Betreuung herumgeschoben, sagt Gebl. Wegen mehrerer Delikte bundesweit – unter anderem in München, Mannheim, Düsseldorf und Dietzenbach – muss sich der 14-Jährige am 16. Juni vor dem Amtsgericht Mannheim verantworten.

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Rubriklistenbild: © dpa

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