Keine Parkplätze, keine Moschee

Tawhid-Moschee: Nicht als religiöse Versammlungsstätte genehmigt

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Dreigeschossig ist der Neubau des „Marokkanisch islamischen Freundschaftskreises Tawhid-Moschee“ an der Justus-von-Liebig-Straße. Rechts daneben das bisherige Domizil – eine umgebaute Lagerhalle.

Dietzenbach - Voraussichtlich Anfang Juni sollen im Neubau des „Marokkanisch islamischen Freundschaftskreises“ auch die Innenarbeiten weitestgehend abgeschlossen sein. Als Moschee ist das Gebäude nicht genehmigt. Von Norman Körtge

Es ist ein schöner, repräsentativer Neubau, den der Marokkanisch islamische Freundschaftskreis Tawhid-Moschee an der Justus-von-Liebig-Straße 8 errichtet hat. Dreigeschossig, die Fassade in zwei Grüntönen gestrichen, große Rundbogenfenster. Wahrscheinlich Anfang Juni, zu Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan, soll das Gebäude offiziell seiner Bestimmung übergeben werden. Zumindest hoffen Vorstandsmitglieder, dass bis dahin alle notwendigen Innenarbeiten abgeschlossen sein werden. Egal, wann das neue Gebäude fertig werden wird – es ist kein Vergleich zum bisherigen Domizil, eine direkt daneben gelegene ehemalige Lagerhalle, die von den Gläubigen umgebaut wurde. „Tawhid-Moschee Dietzenbach“ steht an dem ansonsten unscheinbaren Anwesen im Gewerbgebiet Mitte. Der ästhetische Unterschied zwischen dem im behördendeutsch so bezeichneten Bestandsgebäude und dem 2012 begonnenen Erweiterungsbau ist für jeden ersichtlich.

Für viele zunächst weniger nachvollziehbar: Nur der „Altbau“ ist offiziell als Moschee genehmigt, wie der Kreis Offenbach auf Nachfrage bestätigt. 1998 sei dies geschehen. Der Neubau allerdings nicht. Darauf weist eindringlich die Pressestelle der Kreisstadt hin: Für die Nutzung des dreistöckigen Gebäudes als Moschee gibt es keine Baugenehmigung. Vielmehr seien Räume zur „Schulung“ und „Spielbereich für Kinder“ im Antrag zu finden. Wie vor fünf Jahren ein Vorstandsmitglied unserer Zeitung berichtete, sollten Angebote wie Koranschule, Hausaufgabenhilfe und Deutschunterricht dort Platz finden. Aber nicht nur Jugendbetreuung, auch für Senioren werden Aufenthaltsräume geschaffen. Neu hinzugekommen sind nun scheinbar „Gebetsräume für Frauen“, wie aus einer städtischen Mitteilung hervorgeht. Und weiter heißt es: Um als religiöse Versammlungsstätte, wie etwa eine Moschee, zu firmieren, würden andere baurechtliche Anforderungen gelten. Unter anderem gehöre zu den Vorgaben, zusätzliche Pkw-Stellplätze auszuweisen.

„Die Inbetriebnahme des Erweiterungsbaus als Moschee kann daher nach derzeitiger Rechtslage eine sofortige Nutzungsuntersagung durch die Kreisbauaufsicht zur Folge haben“, warnt die Stadt. Und Kreis-Pressesprecherin Kordula Egenolf ergänzt, dass der Kreis immer noch am prüfen sei, ob dort alles rechtens ist. Allerdings ist sowohl den Verantwortlichen der Kreisstadt als auch den Vertretern der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Kreises Offenbach daran gelegen, eine Lösung zu finden.

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Eine davon ist, dass genügend Pkw-Stellplätze nachgewiesen werden können, um dem zu erwartenden Verkehrsaufkommen gerecht zu werden. Erster Stadtrat Dieter Lang nennt die Zahl 31. Sollte der Stellplatznachweis erfolgen, bestehen seitens der Stadt und der Bauaufsicht keine grundsätzlichen Einwände gegen die Nutzung als Moschee im erweiterten, dreigeschossigen Gebäude. Der Verein sei auf die wesentlichen baurechtlichen Voraussetzungen hingewiesen worden.

Wer allerdings das Gelände vor Ort kennt, weiß, dass nach derzeitigem Stand 31 Fahrzeuge dort nur schwer Platz finden. Wie groß der Andrang sowohl in der Tawhid-Moschee als auch in der schräg gegenüber gelegenen Fatih-Moschee der türkischen Gemeinde ist, ist jeden Freitag zu beobachten.

Wie von einem Vorstandsmitglied des Freundschaftskreises zu erfahren ist, sei der Verein gewillt, die Auflagen zu erfüllen. „Natürlich schaffen wir Parkplätze.“ Und die Rede ist von Missverständnissen, die einfach nur aus der Welt geschafft werden müssten.

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