Zukunft ungewiss

Kino in Dietzenbach: Warten auf ein Happy End

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Es war einmal: Filmgenuss unter freiem Himmel im Waldschwimmbad.

Dietzenbach - Große Resonanz gab es vor rund einem Jahr bei der ersten Ideenwerkstatt „Wir retten unser Kino“. Seither ist es still geworden. Von Ronny Paul 

Die Schlümpfe, Ghostbusters, Ice Age – drei Fortsetzungen bekannter Filmtitel, die diesen Sommer über Deutschlands Kinoleinwände flimmern. Doch wohl nicht „In der Hitze der Nacht“ (USA, 1967) im Freiluftkino der Kreisstadt – und auch nicht im Kino D im Bürgerhaus.

Die im vergangenen Juli vielversprechend gestartete Aktion „Wir retten unser Kino“ (wir berichteten) scheint derzeit wie „Vom Winde verweht“ (USA 1939). Stattdessen: „Früchte des Zorns“ (USA, 1940). „Ein Jahr vergangen –trotz zahlreicher Interessensbekundungen ist nichts passiert. Ist echt blöd, wenn man den Bürger vor den Kopf stößt, der bereit ist, sich für die eigene Heimatstadt zu engagieren“, schreibt ein Nutzer im sozialen Netzwerk Facebook. Ein anderer vermutet: „Eigentlich müsste man ja jetzt mitten in der Saisonvorbereitung sein. Ich befürchte aber, dass sich so gar nichts getan hat. Wäre dann leider wieder ein Beispiel dafür, die Chancen des www nicht genutzt zu haben (Stichwort Crowdfunding).“

Im vergangenen Jahr blieb die Leinwand des Open-Air-Kinos im Waldschwimmbad erstmals seit der Premierensaison 2008 dunkel. „Die letzte Vorstellung“ (USA, 1971) im Sommer 2014. Der Grund: „Moderne Zeiten“ (USA, 1936). Für den analogen Projektor der Stadt gab es schlichtweg keine aktuellen Filme mehr. Seither scheiterte eine Fortsetzung am klammen Stadtsäckel, ein digitaler Projektor kostet rund 48 000 Euro, könnte aber in beiden Kinos genutzt werden.

Bei einer Ideenwerkstatt mit großer Resonanz im Zuge der „Wir retten unser Kino“-Initiative regte etwa der IT-Kaufmann Timo Hellmund an, das nötige Geld für den Digital-Projektor zumindest teilweise über Crowdfunding zu generieren. Zusammen mit dem Mediengestalter Oliver Seib hatte Hellmund zudem ein gesamtes Designkonzept erarbeitet, wie das Kino D umgestaltet werden könnte: Dies sieht eine neue Farbgebung, Beleuchtung und Umgestaltung des Bürgerhaus-Untergeschosses vor. Hellmund und Seib waren zweimal zur Begutachtung der Räume vor Ort. Auch ein Logo haben sie kreiert. Seib erklärt, warum sich beide rund vier Monate in ihrer Freizeit ehrenamtlich mit dem Konzept beschäftigt haben: Das Kino „ist immerhin auch ein Stück Dietzenbach, das wir in unserer Kindheit und unsere Eltern in ihrer Jugend bereits besuchten“.

Open-Air-Kino am Schwimmbad

Mittlerweile haben beide die Arbeit am Konzept eingestellt, „da Herr Zens-Petzinger sich nicht mehr äußerte und wir keine Fortschritte sehen“, sagt Seib: „Der Workshop war leider auch ziemlich das Letzte, was zu diesem Thema seitens Herrn Zens-Petzinger passierte.“

Ein während des Workshops eingerichteter E-Mail-Verteiler versendete exakt eine Nachricht an die dort Eingetragenen. Der Inhalt: Eine Zusammenfassung der ersten und bis heute einzigen Ideenwerkstatt. Außerdem der Hinweis, dass ein weiterer Termin folge – in vier bis acht Wochen. Seither sind mehr als 40 Wochen vergangen...

Christoph Zens-Petzinger, Leiter der Stadtmarketing-Agentur, hatte Anfang Dezember auf Facebook geschrieben, es gebe keine verbindliche Aussage vom Land bezüglich einer Bezuschussung. Es gebe auch Gespräche mit Sponsoren, „die bisher interessant gelaufen sind. Ich hoffe bis Ende des Jahres eine Zahl nennen zu können“. Seither: „Das Schweigen“ (Schweden, 1963), eine offizielle Äußerung der Stadtmarketing-Agentur nach mehreren Anfragen steht aus.

Doch „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ (Deutschland, 2002): Im Kommunalen Investitionsprogramm (KIP) sind, wie berichtet, 47 000 Euro für die Digitalisierung des Kinos vorgesehen. So winkt vielleicht doch noch ein Happy End und die Aktion war keine „Mission: Impossible“ (USA, 1996).

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