Lediglich ein Dach über dem Kopf

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Nur für den Notfall: Die Stadt weist Menschen ohnefeste Bleibe in eine angemietete Wohnung ein.

Dietzenbach - Ein Dach über dem Kopf zu haben und ins gemütliche Zuhause kommen zu können, ist in der kalten Jahreszeit besonders schön. Und doch sind eine warme Wohnung und ein gedeckter Tisch nicht für jeden Menschen eine Selbstverständlichkeit, für manche bedeutet das Luxus. Von Simone Weil

Es gibt viele Gründe, warum jemand ohne feste Bleibe sein kann: Dennoch haben Städte und Gemeinden die Pflicht, unfreiwillig obdachlose Personen unterzubringen, wenn diese selbst nicht dazu in der Lage sind, dafür zu sorgen. In Dietzenbach ist Ute Weber vom Fachbereich Öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig für die Unterbringung Wohnsitzloser und Zwangsgeräumter.

Mit Obdachlosen, die ihre Habseligkeiten in Rucksack und Plastiktüten mit sich schleppen, hat sie selten zu tun. Weber: „Die Durchreisenden bleiben höchstens zwei oder drei Tage, kassieren ihr Tagesgeld von elf bis zwölf Euro beim Kreis und ziehen weiter. Die wollen aber auch sonst nichts von uns.“ In der städtischen Notunterkunft in einer angemieteten Wohnung im Spessartviertel sitzen eher Spieler, die ihr ganzes Geld verzockt haben. Schon öfter war ein Einziger verantwortlich dafür, dass seine ganze Familie ihre Wohnung räumen muss, weil sich große Mietrückstände angehäuft haben.

Maximal drei Einzelpersonen

Maximal drei Einzelpersonen können in den heruntergekommen Räumen gleichzeitig wohnen. Dort findet sich nichts, was den Betroffenen den Aufenthalt in irgendeiner Form verschönt, es sei denn, die Zwangsgeräumten konnten einige Habseligkeiten aus ihrer früheren Wohnung retten. Sonst gibt es nicht mehr als eine Liege, ein Tisch und Stühle – mehr nicht.

Die Männer von der Stadtpolizei, die die Betroffenen beim ersten Mal dorthin begleiten, und Ute Weber sehen sicherheitshalber zu, dass sie möglichst nichts anfassen: Schon im Aufzug benutzen sie ihre Schlüssel, um die Tasten nicht mit den Fingern drücken zu müssen.

Plätze in zwei verschiedenen Pensionen anmieten

Sind die drei Zimmer der Wohnung belegt oder muss eventuell eine Frau untergebracht werden, können weitere Plätze in zwei verschiedenen Pensionen angemietet werden. Wöchentlich sind es etwa zehn Personen, die bei der Ordnungsamtsmitarbeiterin wegen einer Unterkunft anklopfen. Darunter sind beispielsweise auch Jugendliche oder junge Erwachsene, die gerade Stress mit ihren Eltern haben oder wegen Streitereien mit der Freundin ausziehen wollen.

Doch bevor eine Person in der für den Notfall bereitgehaltenen Wohnung landet, würden erst einmal die Alternativen geprüft, erläutert Markus Hockling, Leiter des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Wenn es Familie oder soziale Netzwerke gibt, müssen zunächst mal diese sich kümmern. „Bei Migrantenfamilien wie Türken und Marokkanern funktioniert das noch besser als bei den Deutschen“, erklärt Hockling.

Manche kämen mit einer gehörigen Portion Anspruchsdenken ins Rathaus und denken, sie erhielten ein Haus zur Verfügung gestellt, berichtet Hockling. Doch diese Wünsche haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Die Stadt zahlt lediglich die Unterkunft in der Wohnung oder der Pension – sonst nichts. Für weitere Leistungen ist der Kreis zuständig.

Hilfe zur Selbsthilfe

Großen Wert legt das Ordnungsamt darauf, die Betroffenen mit Hilfe zur Selbsthilfe zu unterstützen. Die Kundschaft, die zuletzt in Dietzenbach gemeldet gewesen war, muss also selbst etwas dafür tun, um wieder aus der Notunterkunft herauszukommen, auf die sie im Durchschnitt zwischen drei und sechs Monate angewiesen ist. Acht Personen waren das im vergangenen Jahr.

Oft geht es im Leben der Gestrauchelten um eine Vielzahl von Problemen wie Arbeitslosigkeit, Schulden und Alkohol. Ute Weber versucht zu unterstützen, indem sie Kontakte zu Beratungsstellen vermittelt. „Doch wir können nur den Weg aufzeigen, gehen müssen sie den alleine“, sagt die Verwaltungsmitarbeiterin.

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