„Mit der Situation unzufrieden“

G. Weller
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G. Weller

Dietzenbach - Ein Wechsel an der Fraktionsspitze der FWG mitten in der Legislaturperiode ist an sich nichts Ungewöhnliches. Und doch könnte der Verzicht von Günther Weller auf den Vorsitz diesmal weitreichende Folgen für die Freien Wähler und deren Koalition mit der CDU haben. „Ich bin unzufrieden mit der Situation der FWG“, sagt Weller, ohne Details nennen zu wollen. Er bleibe aber Mitglied der FWG-Fraktion. Von Barbara Scholze und Christoph Zöllner

H. Nalbach

Die Neuwahl für den Fraktionsvorsitz sei turnusgemäß an der Reihe gewesen, betont der neue Fraktions-Chef Harald Nalbach. „Es war von Anfang an geplant, dass wir etwa in der Hälfte der Legislaturperiode wechseln“, sagt er. Dass Weller nicht mehr kandidierte, sieht er hauptsächlich in dessen Lebensplanung begründet. „Er wird sich wohl grundsätzlich eher zurückziehen wollen“, vermutet Nalbach. Klären will der neue Fraktionsvorsitzende nun schnellstens das Verhältnis zum Koalitionspartner. „Ich werde mich noch in dieser Woche mit Helmut Butterweck zusammensetzen“, kündigt Nalbach ein Gespräch mit dem CDU-Chef an.

Zuletzt hatte es zwischen CDU und FWG unter anderem wegen der Wahl des Ersten Stadtrates gekriselt. Laut Koalitionsvertrag liegt das Vorschlagsrecht für die Position zwar bei der CDU, die Freien Wähler hatten allerdings Ende Dezember in einem offenen Brief einen „Alleingang“ des politischen Partners bei der Kür Dietmar Kolmers (CDU) zum Stadtrats-Kandidaten moniert. Dass die FWG aus eigenen Reihen noch einen Bewerber stellt, schließt Harald Nalbach aus. Ein eventueller Bürgermeisterkandidat dagegen sei noch nicht komplett aus der Diskussion. „Es sieht tendenziell nicht so aus, als würden wir einen eigenen Bewerber stellen. Das wird sich aber endgültig auf der Mitgliederversammlung Ende März entscheiden“, teilt Nalbach mit.

Dass die Koalition schwächelt, war offenkundig geworden, als es im Dezember um die Erhöhung der Abgeordnetenentschädigung ging. Nalbach attackierte den Initiator Butterweck im Stadtparlament scharf, während Weller als einziger FWG-Abgeordneter für eine Anhebung stimmte. Butterweck und Weller arbeiten eng zusammen und haben wesentliche Punkte des Koalitionsvertrages – etwa Personalfragen – miteinander ausgearbeitet.

Doch gerade die Besetzung der Posten sorgt nun für böses Blut. Unter wesentlicher Einflussnahme von Bürgermeister Stephan Gieseler (CDU) war im Sommer 2007 Birgit Deller-Henneberg von der FWG als ehrenamtliche Stadträtin nominiert worden. Da nach dem Ausscheiden des Ersten Stadtrats Werner Hoch (SPD) zunächst auf eine Wiederbesetzung verzichtet wurde, baute Gieseler Deller-Henneberg zu seiner Stellvertreterin auf. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Weller ebenfalls Ambitionen gehegt hatte, vom Parlament in den Magistrat zu wechseln.

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