So lief der zweite Verhandlungstag

Mord am Wertheimer Weg: Falsche Angaben und skurrile Geschichte

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Die Feuerwehr löschte den Brand in einer Erdgeschosswohnung am Wertheimer Weg und fand eine Männerleiche. Zu diesem Zeitpunkt wirkte der Tod des Mannes noch wie ein tragischer Unfall.

Dietzenbach - Im Prozess um den vermeintlichen Mord eines 80-jährigen Afghanen hat am zweiten Verhandlungstag auch der letzte und jüngste Angeklagte eine Aussage gemacht. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Die drei jungen Männer hatten, wie berichtet, in der Nacht auf den 16. April 2015 den ihnen bekannten Landsmann überfallen, mit Reizgas außer Gefecht gesetzt, gefesselt, geknebelt und die Wohnung im Wertheimer Weg längere Zeit nach Geld durchsucht. Als der alte Herr aufgrund der Misshandlungen starb, setzten sie zur Vertuschung der zahlreichen Spuren den Kleiderschrank in Brand.

Gleich zu Beginn der Einlassung müssen erstmal falsche Angaben richtig gestellt werden: „Mein Mandant heißt Shirzad N., nicht Shirzad W., und ist erst 17 Jahre alt, nicht 18. Er hat sich ein Jahr älter gemacht, weil ihm gesagt wurde, dass er vor 16 keinen Asylantrag stellen könne!“, erklärt Verteidiger Thorsten Peppel, der das vorgefertigte Geständnis verliest: „Er wurde in Kabul geboren, hatte eine gute Kindheit und ist acht Jahre zur Schule gegangen. Er war talentierter Taekwondo- und Boxkämpfer. Als er entgegen vorheriger Anweisungen im Ringkampf gegen einen Kommandantensohn gewann, wurde die Familie fortan gewalttätig angegriffen. Bei einem Sportwettkampf in Polen nutzte N. die Gelegenheit und floh nach Deutschland.“ Dort wollte er einen Schulabschluss nachholen und eine Berufsausbildung beginnen.

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In einer Asylunterkunft in Frankfurt-Höchst habe er dann den 19-jährigen Komplizen Mohammed I. kennengelernt. Den ebenfalls angeklagten Abdul P., der in Wahrheit schon 22 und nicht erst 19 Jahre alt sein soll, traf er in einem Deutschkurs. Peppel: „I. erzählte N. von einem Mann, der angeblich 80.000 Euro aus einem Immobilienkauf zu Hause aufbewahre. Von I. kam auch die Idee, den Mann zu überfallen.“ Mit einer skurrilen Geschichte will I. den beiden Mitangeklagten beweisen, dass der Mann wirklich Geld habe. Er hatte vor, den Mann für ein Sexabenteuer mit einem käuflichen Mädchen in Langen anzupumpen. Die Logik dahinter – dass er ja nur Geld verleihen könne, wenn er davon im Überfluss habe – erscheint nicht wirklich ausgereift, aber die Mitangeklagten glauben I.. In der Wohnung finden sie magere 550 Euro und ein Handy. „Danach stellten sie fest, dass der Mann nicht mehr atmete.

Meinem Mandanten war sofort klar: Wir haben ihn zu Tode gebracht. P. hatte dann den Einfall, die Wohnung abzufackeln, um Fingerabdrücke zu beseitigen“, so der Verteidiger. Das Geschehene tue N. unendlich leid. Er würde gerne alles rückgängig machen, schließt Peppel. Im weiteren Verlauf des Verhandlungstages werden drei Feuerwehrmänner und ein Brandsachverständiger des LKA vernommen. Alle bestätigen im Prinzip die Aussagen der Angeklagten. Der Prozess wird fortgesetzt.

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