Containerdorf im Waldstadion wird abgebaut

Neue Gemeinschaftsunterkunft ist bezugsfertig

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In unmittelbarer Nähe des S-Bahn-Gleises befindet sich die neue städtische Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber. Die drei Flachdachhäuser sind u-förmig angeordnet und wurden in Holzständerbauweise errichtet.

Dietzenbach - Gerade war die Zeit der Begehungen, die Presse durfte mal schauen, die Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe, die benachbarten Gärtner. Von Barbara Scholze 

Wenn in der kommenden Woche dann die Bewohner in die neue, von der Stadt errichteten Gemeinschaftsunterkunft für Asyl- suchende an der Lise-Meitner-Straße einziehen, ist Privat- sphäre angesagt. Mit den u-förmig angeordneten Gebäuden an der Lise-Meitner-Straße ist ein Domizil für vorerst Heimatlose entstanden, das sich von dem „Schnell-Schnell-Konzept“ der sonst üblichen Container-Einrichtungen absetzt. Drei Flachdachhäuser mit zwei Etagen, gefertigt in Holzständerbauweise, umranden einen mit einer Wiese begrünten Innenplatz. Verbunden sind die Bauten durch überdachte Laubengänge im ersten Stock, die nachbarschaftlichen Plausch ermöglichen. „Wir sind exakt in der Zeit und haben die veranschlagten Kosten in Höhe von 2,4 Millionen Euro eingehalten“, freut sich Erster Stadtrat Dieter Lang. Das sei mit einer Container-Lösung gar nicht möglich gewesen. „Als wir im vergangenen November den Auftrag vergeben haben, war die Wartezeit für Container viel zu lang und die Preise waren aufgrund des hohen Bedarfs stark gestiegen.“ Etwa 20 Prozent Mehrkosten hätte eine solche Lösung am Ende bedeutet.

In den 25 „Mikro-Appartements“ werden 90 der zurzeit etwa 300 Flüchtlinge in der Stadt nun künftig leben. Jede Wohnung ist 40 Quadratmeter groß, der Eingangsbereich ist zugleich Küche mit Essplatz, darüber hinaus gibt es ein kleines Bad und zwei Schlafzimmer. Herd, Kühlschrank und Spüle in einfachstem Standard werden gestellt, ebenso die Betten und Spindschränke. „Seine eigene Matratze bringt dann jeder beim Umzug mit“, sagt Lang. Im sogenannten Kopfbau sind Technikraum und Waschküche eingerichtet, ebenso Schulungsräume und Büros, für den Hausmeister und die Sozialarbeiter.

Erster Stadtrat Dieter Lang (von links), Bau-Fachbereichsleiterin Sandra Homberg und Monika Rühr, Abteilungsleiterin Immobilienmanagement, inspizieren die neue Unterkunft.

Die Wiese zwischen den Gebäuden ist frisch eingesät und braucht noch ein bisschen Schonung, bis das Gras angewachsen ist. Demnächst sollen dort Kinder spielen; in die Erdgeschoss-Räume werden vor allem Familien einziehen, oben sollen sich Wohngemeinschaften gründen. Vier Personen sind pro Wohnung vorgesehen. „Der gesamte Bau hat nicht unbedingt den Charakter einer Gemeinschaftsunterkunft“, betont Sandra Homberg, Fachbereichsleiterin Bau und Immobilienmanagement. Man habe jedoch Qualität geschaffen, die nicht nur sozial besser vertretbar sei, sondern auch nachhaltig in der Verwendung. „Und es ist ein anderes Wohn- und Raumklima, wir erwarten eine bessere Energieeffizienz“, ergänzt Monika Rühr, Abteilungsleiterin Immobilienmanagement. Darüber hinaus fördere das Wohnkonzept Eigenverantwortlichkeit und Selbständigkeit.

Nahe Idomeni entsteht neues improvisiertes Flüchtlingslager

In der nächsten Woche fahren dann die Umzugswagen der Firma Arnold und Hanl vor und bringen die Habseligkeiten der künftigen Bewohner. Dann beginnt auch eine Verlegung vieler Flüchtlinge quer durch alle bisher genutzten Immobilien. In den Neubau an der Lise-Meitner-Straße ziehen Bewohner aus unterschiedlichen bisherigen Unterkünften ein, aus den Containern am Kindäcker Weg, aus Wohnungen und den Wohncontainern am Waldstadion. Andere nehmen wiederum die so freiwerdenden Plätze ein.

Die Container-Domizile am Waldstadion braucht am Schluss niemand mehr. „Das Quartier wird aufgelöst, der komplette Abtransport ist für den 16. Juni vorgesehen“, teilt Erster Stadtrat Dieter Lang mit. Für die Zeit des Umzuges planen die Ehrenamtlichen der Flüchtlingshilfe ein „Welcome-Café“ in der neuen Gemeinschaftsunterkunft. Beteiligt an den Übersiedlungen sind ebenso Mitarbeiter der Stadtverwaltung und der Städtischen Betriebe sowie die Sozialarbeiter der Stadt und der Arbeiterwohlfahrt.

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