Bereits zehn „kleine Füchse“ entdeckt

Projekt zur Förderung von hochbegabten Kindern trägt Früchte

+
Schon im Kita-Alter zeigt sich Hochbegabung bei Kindern. Sie muss nur entdeckt werden.

Dietzenbach - Seit drei Jahren läuft in den städtischen Kindertagesstätten ein Projekt, das nach außen eher wenig von sich reden macht, sich aber dennoch durch große Erfolge auszeichnet. Von Barbara Scholze 

In einer gemeinsamen Bildungsinitiative unter dem Titel „Miteinander fördern, voneinander lernen“ können Erzieherinnen sich für begabungsgerechte Förderung der ihnen anvertrauten Jungen und Mädchen qualifizieren. Kooperationspartner der berufsbegleitenden Ausbildung sind die Stiftung „Kleine Füchse“, die Landesstiftung „Miteinander in Hessen“ und die Kreisstadt. „Es geht dabei um Chancen und Bildungsgerechtigkeit“, sagt Erster Stadtrat Dieter Lang. Erkennen sollen die so geschulten Kita-Mitarbeiterinnen vor allem „kleine Füchse“ unter den Kindern. Also diejenigen mit besonderem Potenzial und Talenten. „Und zwar unabhängig von der sozialen Herkunft“, betont Lang. Von den rund 1 200 Kindern in den städtischen Kindertagesstätten hätten etwa 80 Prozent einen Migrationshintergrund. „Je bildungsferner das Elternhaus und je schlechter die Sprachkenntnisse, umso schwieriger ist es, die Begabungen der Kinder zu erkennen“, informiert Lang. Das erfordere besondere Kenntnisse bei den Pädagogen.

Mehr als 20 Erzieherinnen haben die angebotene Ausbildung bereits durchlaufen. Rund zehn Kinder haben sie als „kleine Füchse“ entdeckt. „Das Projekt ist eine Bereicherung für alle, für die Kinder, die Eltern und uns“, bilanziert Ines Lesser, Leiterin der Kita Brunnenstraße. Auch sie hat die Ausbildung absolviert und wie ihre Kolleginnen unter anderem pädagogische und psychologische Beobachtungsverfahren, Dokumentation und Diagnostik gelernt.

Kompetenzen, die sie nun kontinuierlich im Kita-Alltag anwendet. „Wir haben einen anderen Blick bekommen“, berichtet die Pädagogin. Über einigen Kindern habe früher manchmal ein Fragezeichen gestanden. „Es gibt Jungs oder Mädchen, die schnell gelangweilt sind, unkonzentriert und viel herumzappeln.“ Alles typische Auffälligkeiten für Kinder mit Hochbegabung, wie Lesser heute weiß. „Dabei ist gut erkennbar, dass sie vielleicht mehr brauchen als andere, sie verarbeiten Informationen wesentlich schneller und denken anders als ihre gleichaltrigen Freunde.“ Es gelte, auf gute sprachliche Fähigkeiten zu achten, auf herausragende Gedächtnisleistungen und auf abstraktes Denkvermögen. Darüber hinaus entpuppe sich auch mancher Aufräum-Fan als „kleiner Fuchs“. „Etwa wenn jemand einen großen Hang zu Ordnung und Strukturen hat, immer wieder gleichartige Holzklötze zusammenräumt und Spielmaterial ordnet.“

Von Janosch bis Rennauto: Kinder-Apps für Mobile Geräte

Vermuten die Erzieherinnen, dass in einem Kind besondere Talente schlummern, empfehlen sie den Eltern einen Besuch in der Beratungsstelle der Stiftung „Kleine Füchse“. Wenn sich die Diagnose bestätigt, bieten die Fachleute eine kontinuierliche Begleitung an. Auch die Kita-Mitarbeiterinnen erhalten Tipps, wie die Kinder besser einzubeziehen sind. „Hochbegabte Kinder haben es oft nicht leicht und gelten als Außenseiter“, weiß Lesser. Wichtig sei daher immer die Gruppe als Ganzes und das soziale Miteinander. „Und nein, es ist kein Eliteprojekt, was wir da machen“, betont die Kita-Leiterin vehement. „Alle profitieren davon“, sagt sie, „auch für die kleinen Füchse gelten die gleichen Regeln, es gibt keine Einzelbehandlung und keinen Sonderstatus“. So wie etwa bei dem kleinen Mädchen, das sich auffallend für Natur interessierte. „Wir haben dann ein Regenwurm-Projekt für die ganze Gruppe angeboten“, erzählt Ines Lesser. Dabei könne einer dem anderen immer noch was erklären.

Kommentare