Positive Erfahrungen weitergeben

Projekt soll Lebensqualität im DRK-Seniorenzentrum verbessern

Dietzenbach - Was ist gut, was vielleicht weniger? Diesen Fragen nimmt sich ein Forschungsprojekt der Katholischen Hochschule Mainz im DRK-Seniorenzentrum in Steinberg an. Von Carolin Henneberg

„Wir wollen verstehen, wie das Haus funktioniert, wie die Mitarbeiter vorgehen und was Ihnen hier gefällt oder eben auch nicht“, erklärt Nikolaus Meyer von der Katholischen Hochschule Mainz den Senioren. Die Bewohner des DRK-Zentrums nicken, hören bei einem Tässchen Kaffee zu, was der OLE-Projektmitarbeiter ihnen zu erzählen hat. Das Forschungsprojekt zur „Verbesserung der Versorgungsqualität in Einrichtungen der stationären Altenhilfe durch organisationales Lernen“ – kurz OLE – hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität der stationären Bewohner zu verbessern. Aber wie? Den Senioren, die das möchten, soll mehr Selbstbestimmung und mehr Beteiligung am sozialen Leben und an Entscheidungsprozessen ermöglicht werden. „Gleichzeitig werden aber auch die Mitarbeiter des Dietzenbacher Seniorenzentrums im Hinblick auf mehr Selbstständigkeit geschult“, erklärt Projektleiterin Professorin Dr. Renate Stemmer. „Die Mitarbeiter sollen lernen, noch mehr auf die jeweilige Situation einzugehen, um nicht nur abzuspulen, was sie irgendwann mal gelernt haben“, ergänzt Mike Tetzner, Leiter des DRK-Zentrums in Steinberg.

Angelegt ist das Projekt der Katholischen Hochschule Mainz, das in Kooperation mit der Hochschule München stattfindet, auf drei Jahre. Neben den DRK-Senioren-Zentren in Dietzenbach und Offenbach sind zwei weitere Einrichtungen der stationären Altenhilfe im Raum München in das Forschungsprojekt eingebunden. „Das Ganze wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 800.000 Euro gefördert“, sagt Stemmer. Am Ende soll ein Leitfaden für andere Häuser entstehen, die Projekt-Einrichtungen als Vorbilder dienen. „Dass auch das Land einen Mehrwert darin sieht, zeigt ja schon die Finanzierung“, so Tetzner.

Zur Erfassung der Ausgangssituation stehen zunächst Gespräche mit den Bewohnern, den Mitarbeitern und auch den Angehörigen an. „Dabei muss Ihnen klar sein, dass nicht Sie das Forschungsobjekt sind“, macht der Einrichtungsleiter den Senioren deutlich. Forschungsobjekt sei das Haus mit all seinen Mitarbeitern, „doch wir brauchen Sie, brauchen Ihre Hilfe, Ihre Ideen, um unser Haus noch besser machen zu können.“

Wieder geht ein kollektives Nicken durch die Seniorenrunde. Eine Bewohnerin meldet sich sogleich zu Wort: „Ich muss schon mal eins sagen, die Schwestern hier sind alle einmalig.“ Ihre Sitznachbarin fügt hinzu: „Wir gehen hier nicht weg.“ Das seien genau die Gespräche, die man führen wolle, sagt Professorin Stemmer. „Aber auch, wenn es etwas gibt, das Ihnen nicht gefällt, sagen Sie es uns.“ Alle Daten blieben dabei selbstverständlich anonym und würden nach Ende des Projekts vernichtet. Außerdem passiert alles auf freiwilliger Basis, wer nicht mitmachen möchte, muss auch nicht.

Erster Eindruck zählt - Das richtige Pflegeheim finden

Im Anschluss an die Auswertung von Gesprächen und Fragebögen geht’s an die Schulung der Mitarbeiter. Mit der Methode der sogenannten „Kollegialen Beratung“ soll die Reflexionsfähigkeit gesteigert werden: Was mache ich wie und mache ich es richtig? Außerdem sollen die Mitarbeiter lernen, ihre Selbstständigkeit weiter auszubauen, um das eigene Gestaltungspotenzial noch besser zu nutzen. „Positive Erfahrungen sollen zu einer Reduktion der erlebten beruflichen Belastung führen“, erläutert die Professorin.

Gleichzeitig, so die Erwartung der Projektverantwortlichen, geben die Mitarbeiter positive Erfahrungen an die Bewohner weiter. Auf diese Weise sollen Teilhabe und Autonomie der Senioren gestärkt und deren Lebensqualität gesteigert werden. Eine abschließende Befragung aller Beteiligten – unter wissenschaftlicher Begleitung und Auswertung – wird am Ende zeigen, ob diese Ziele erreicht werden können.

„Das Feld der Altenpflege ist noch lange nicht so weit entwickelt, wie es andere sind“, gibt Tetzner zu bedenken. „Da gibt es noch eine Menge Bedarf. Und den gehen wir mit dem OLE-Projekt an.“ Miteinander reden und sich selbst reflektieren sei dabei auf jeden Fall schon mal ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Bewohner sind zunächst zufrieden, haben keine Fragen, „wir lassen das auf uns zukommen“.

 Zum Sommerfest mit buntem Programm lädt das DRK-Seniorenzentrum (Adolph-Kolping-Straße 1) für Freitag, 8. Juli, ab 15 Uhr ein.

Pflegekurse erleichtern die Versorgung der Lieben

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

Kommentare