QR-Codes vermitteln Ortsgeschichte

Historie hören und lesen

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Das Fachwerkhaus an der Borngasse war der Wohnort von Heimatforscher Philipp Wolf. 

Dietzenbach - Sogenannte QR-Codes auf Acryltafeln laden ab Montag in der Altstadt zur privaten Stadtführung ein. Die übers Smartphone les- und hörbaren Informationen über markante Punkte und Orte soll es zukünftig in mehreren Sprachen geben. Von Ronny Paul 

Das plant der Heimat- und Geschichtsverein. Am alten Fachwerkhaus in der Borngasse hängt eine Acryltafel mit der Aufschrift: „Wohnhaus von Philipp Wolf, Heimatforscher und Lehrer. Hier geboren am 28.09.1899, gestorben am 30.05.1945 (im Lazarett in Schneeberg/Sachsen).“ Doch warum gerade an dem Haus eine Acryltafel hängt und was Philipp Wolf für die Stadt geleistet hat, bleibt Nichtkennern unklar...

„Willkommen im alten Dietzenbach“ tönt es ab Montag, 2. Mai, aus dem Smartphone – beim Einscannen eines sogenannten QR-Code. Der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) hat sich eine besondere Stadttour einfallen lassen. Seit einigen Jahren schon prangen an 15 historisch bedeutenden Gebäuden und markanten Punkten der Stadt Acryltafeln, die in kurzen Worten die Geschichte des jeweiligen Ortes erzählen. An den Tafeln hängt nun auch ein QR-Code, der sich mittels einer Handy-App einscannen lässt. Dieser ist mit der Seite des HGV verlinkt und führt den Nutzer zu detaillierten Informationen. Diese können gelesen oder angehört werden.

So ist an Philipp Wolfs Haus nach dem Scannen zu hören: „Willkommen im alten Dietzenbach. Die Tafel erinnert an den großen Heimatforscher Philipp Wolf, geboren am 28. Mai 1899. Am 30.05 1945, also nur wenige Wochen nach Kriegsende, verstarb er am Fleckfieber in einem Lazarett in Sachsen. Er hinterließ zahlreiche wegweisende Aufsätze zur Ortsgeschichte und deren Umfeld. Seine Studien zu den Flurnamen sind heute noch die Basis zur Erforschung mittelalterlicher und neuzeitlicher Geschichte in Dietzenbach.“

Der HGV möchte die autarke Stadtführung aber noch ausbauen. Hans Erich Scholze, Vorsitzender des HGV, spricht von einem „sehr interessanten Projekt“: Der HGV plant, die Texte in mehreren Sprachen anzubieten. Derzeit gibt’s die Informationen nur auf Deutsch. Künftig solle nach dem Einscannen der QR-Codes als Erstes mehrere Länderflaggen erscheinen, sodass Nutzer ihre jeweilige Sprache auswählen können. „Wir hoffen, bis zum Ende des Jahres eine bestimmte Anzahl an Fremdsprachen anbieten zu können“, sagt Scholze. Er erlebe es immer wieder, dass Menschen mit Migrationshintergrund die Sprache nicht verstehen, aber etwas über die Geschichte des Ortes erfahren wollen. „Denen bringt auch kein Rundgang was, weil sie den Stadtführer nicht verstehen.“

So solle das niedrigschwellige Informationsangebot etwa in Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Türkisch, Marokkanisch und Arabisch angeboten werden. „Wir benötigen aber Muttersprachler, damit das Gesprochene auch authentisch rüberkommt“, sagt Scholze und hofft, dass sich für die jeweiligen Sprachen Interessierte bei ihm (s 06074/3709207, hans-erich.scholze@happytext.de) melden. Auch Spender sucht der HGV noch, um etwa Material, Tonaufnahmen und gegebenenfalls Übersetzer und Sprecher finanzieren zu können. Bisher hat der Verein rund 4 000 Euro „aus eigener Kraft“ in das Projekt investiert, berichtet der Vorsitzende, wobei die Acryltafeln zum Teil von Dietzenbacher Bürgern gespendet wurden.

Die Texte hat der HGV in Zusammenarbeit mit Museumsleiterin Maria Polatowski-Ruprycht verfasst, vertont hat sie der ehemalige Dietzenbacher Werner Sodermann. Um die Technik mit den QR-Codes hat sich der stellvertretende HGV-Vorsitzende Markus Feuerstein gekümmert. „Der ist da richtig fit“, lobt Scholze. Der HGV plant zudem weitere Acryltafeln – etwa am Friedhof oder in der Schäfergasse – in den kommenden Jahren aufzuhängen. „Wir wollen auf 20 bis 25 Tafeln kommen“, sagt Scholze.

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