Piloten zeigen Kunststücke beim RC-Heli-Treffen

Rotoren drehen über der Stadt

+

Dietzenbach - Zwei Tage Festivalstimmung: Modell-Hubschrauber-Piloten aus ganz Deutschland treffen sich zum RC-Heli-Fliegen des Flug- und Modellbau-Clubs Dietzenbach (FMCD) am Sandhorst. Von Burghard Wittekopf

Der Wind steht günstig auf dem Flugplatz am Sandhorst. Ein kurzer Blick zum Flugleiter: „Ready for take off?“ Ein Nicken, und Peter Sauer gehört der Flugplatz für fünf Minuten alleine. Er drückt auf einen Knopf und startet die Turbine. „Sie muss auf Touren kommen“, sagt Sauer. „Maximal 94 000 Umdrehungen dreht sie und leistet 4,5 Kilowattstunden: Das sind etwa sechs PS, also so viel wie bei einem kleinen Moped.“ Sauer betreibt seinen Turbinenheli „Lama“ mit Kerosin. „Der Spitzname Lama kommt daher, dass er große Lasten in große Höhen tragen kann – eben wie ein echtes Lama.“ Und dann ist der Heli auch schon startklar. Sauer lenkt ihn mit einer Fernbedienung und gibt den Befehl zum Abheben. Erst einmal eine langsame Runde, damit die zahlreichen Zuschauer das Prachtstück in aller Ruhe betrachten können. Danach dreht er noch mehrere schnelle Runden und zeigt, wie wendig Lama sein kann. In der Luft sieht das Modell, das im Maßstab 1:5 gebaut wurde, wie das Original aus. Nur nicht ganz so laut. Nach ungefähr fünf Minuten ist der Flug vorbei, der nächste Teilnehmer an der Reihe.

Stephan Wiederhold, der extra aus Limburg an der Lahn angereist ist, gehört ebenso zu den aktiven Teilnehmern. Wie viel Arbeitszeit steckt in so einem Hubschrauber? „Man baut ungefähr 18 Monate“, sagt Wiederhold und präsentiert stolz seinen Bell 430. Den steuert er täglich eine halbe Stunde – „bei schlechtem Wetter manchmal auch länger“, sagt der Modellbauer. Der Bell 430 ist ein Bausatz eines amerikanischen Reisehubschraubers der Firma Vario im Maßstab 1:5. „Eben für Menschen, die bei der Spesenabrechnung etwas mehr Spielraum haben“, sagt Wiederhold. Sein Bell 430 ist ein Elektro-Heli: 14 Lithium-Polymer-Zellen liefern die notwendige Power. „Er kommt auf knapp neun PS, die Batterie hält für acht Flugminuten, die Ladezeit dauert eine halbe Stunde.“ 17 Kilogramm wiegt der in schwarz lackierte Helikopter. Und die Kosten? Wiederhold lächelt und antwortet: „Einigen wir uns auf einen schönen Kleinwagen.“ Bauchschmerzen bereitet ihm eine deutschlandweite Regelung, die Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt plant. „Wir dürfen dann nicht höher als 100 Meter fliegen.“ Die Wildflieger – egal, ob Modellflug oder Drohne – werden sich auch weiterhin nicht an eine Begrenzung halten, vermutet Wiederhold. „Aber wir Vereinsmitglieder werden bestraft, wir müssen diese Regelung verhindern.“

Der Bell 430 und der Lama gehören zur Helikopterklasse Scaler. „Es gibt zwei unterschiedliche Modelle: Scaler und 3D“, sagt Wolfgang Ruppert, Vorstandsmitglied des FMCD. „Unter Scaler versteht man originalgetreue Nachbauten – nur eben kleiner.“ In der Regel in Maßstäben zwischen 1:5 und 1:10. 3D ist eine neuere Klasse. „Die sind extrem wendig und können sich nicht nur in alle drei Raumrichtungen bewegen, sondern dabei die Richtung sehr schnell wechseln“, erklärt Ruppert. Die 3D-Modelle besitzen ein markantes Heckteil und sind bei spektakulären, teils kaum zu fassenden Manövern einfacher zu steuern, können extreme Loopings fliegen oder auch senkrecht in der Luft stehen. Ruppert: „Die Kunst besteht darin, eine anspruchsvolle Choreografie zu präsentieren.“

Bilder aus dem Jahr 2015:

Bilder: RC-Heli-Treffen beim Flug- und Modellbauclub

Tim Grünewald aus Darmstadt und Lars Rößling aus Kaiserslautern gehören zu den Anhängern der 3D-Helis. „Wir kommen jedes Jahr, Dietzenbach hat einen sehr hohen Stellenwert bei uns. Hier können wir uns mit einem großen internationalen Publikum messen. Die Informationen erhalten wir über Internetforen.“ Das zweitätige Heli-Treffen des FMCD in der 13. Auflage ist international bekannt. „Ich freue ich mich über den hohen Stellenwert und den Namen, den sich unser Verein inzwischen gemacht hat“, sagt Ruppert. „Die Teilnehmer kommen meist aus dem deutschsprachigen Ausland, aber wir hatten auch schon Teilnehmer aus Holland und Dänemark dabei“. Dieses Jahr zählt der FMCD etwa 50 Anmeldungen – das sei ein stabiler Wert. Für die Zukunft wünscht sich Ruppert neue junge Mitglieder. Mit Wohnwagen und Zelten reisen die Piloten an, die Stimmung auf dem Platz erinnert an ein Festival. Zahlreiche freiwillige Helfer versorgen Teilnehmer und Besucher mit Speisen und Getränken.

Kommentare