Sprachförderung weiter ausgebaut

Sprachförderung in Dietzenbach: Der Bedarf ist groß.

Dietzenbach -   KiSS, diese Wortschöpfung aus dem Hessischen Sozialministerium, steht für „Kinder-Sprach-Screening“ – eine Bestandsaufnahme der Sprachfertigkeit aller vierjährigen Kinder im Land. Von Nina Beck

Doch während das Programm in manch einer Kommune erst anläuft, kann die Kreisstadt bereits auf fast ein Jahrzehnt Sprachförderung in Kitas zurückblicken.

2003 war es zunächst in fünf Dietzenbacher Kindertagesstätten losgegangen: Externe Fachkräfte besuchten die Einrichtungen, schauten, welche Kinder besondere Sprachförderung benötigen, und dann wurden diese Mädchen und Jungen in Kleingruppen gesondert gefördert. Seit nunmehr fünf Jahren sind alle elf städtischen Kitas im Boot, kofinanziert durch das hessische Sozialministerium (wir berichteten).

2011, sagte Hans-Jürgen Daum, Abteilungsleiter Jugendhilfe und Soziales, auf Anfrage, unterstützte das Land die Sprachförderung „Spielend Deutsch lernen“ der Awo-Lernwerkstatt mit rund 112 000 Euro. Etwa 30 000 Euro kamen aus dem Säckel der Kreisstadt. Dabei richtet sich das Sprachförderprogramm an Kinder mit und ohne Migrationshintergrund, „die bereits im Elementarbereich aufgrund sehr geringer, beziehungsweise gar nicht vorhandener Deutschkenntnisse auffallen“, wie es in der Projektbeschreibung heißt. Verstärkt, haben die Mitarbeiter über die Jahre festgestellt, treten sprachliche Auffälligkeiten auch bei einsprachig deutschem Nachwuchs auf.

Bedarf ist groß

Der Bedarf ist groß – und er steigt. Waren es bis 2011 etwa 24 Mädchen und Jungen pro Einrichtung, die an dem Förderprogramm teilnahmen (267 Kinder), so hat die Awo-Lernwerkstatt das Angebot zum Jahresbeginn deshalb erweitert: In drei Kitas konnten nun jeweils bis zu 24 weitere Jungen und Mädchen aufgenommen werden. Insgesamt nehmen nun 336 Drei- bis Sechsjährige eine Sprachförderung in Anspruch, wobei die Vorschulkinder die größte Fördergruppe bilden. Denn das ist eines der erklärten Projektziele: Der Übergang von der Kita in die Schule soll erleichtert werden.

Neben dem Erwerb der deutschen Sprache oder der Vertiefung bestehender Kenntnisse wird aber bei Kindern mit Migrationshintergrund auch die Mehrsprachigkeit gefördert. Herkunftsländer ihrer Familien sind im wesentlichen die Türkei und Marokko, gefolgt von Afghanistan, Pakistan, Russland und Polen, so die Awo. Und weil viele der an dem Programm teilnehmenden Kinder neben einem immensen Sprachdefizit auch „weitere Benachteiligungen sozialer Art“ aufwiesen, motorische Defizite und Verhaltensauffälligkeiten „überdurchschnittlich häufig“ bei den Förderkindern anzutreffen seien, ist ein weiteres, nicht unwesentliches Ziel die Stärkung der sozialen Kompetenz.

Der Förderzeitraum beträgt mindestens ein Jahr. Zweimal pro Woche, jeweils für zwei Unterrichtseinheiten pro Kind, kommen die Mitarbeiterinnen der Awo-Lernwerkstatt mit den Mädchen und Jungen in Kleingruppen von etwa acht Kindern zusammen. Zu Beginn steht meist eine kleine Erzählrunde, weiter geht es dann mit unterschiedlichen Sprachförder-Modulen und Themenbereichen, welche die Mitarbeiterinnen erarbeitet haben, und die aufeinander aufbauen, je nach Alter und Kenntnisstand.

Fortbildung für Erzieherinnen

Welche individuellen Fortschritte die Kinder machen, ob das Förderkonzept gegebenenfalls verändert werden muss, das zu beobachten ist die Aufgabe der institutseigenen Sprachentwicklungsbegleitung, welche die Awo-Lernwerkstatt seit Juni vornimmt. Über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen ließen sich bei der Sprachstandsbeobachtung Tendenzen „weitgehend objektiv beurteilen“, so die Awo.

Bereits im Jahr 2007 hatte eine Kooperation mit Wissenschaftlern der Unis Frankfurt und Würzburg sowie dem Sprachwissenschaftler Zvi Penner bestanden. Nun begleiten die Awo-Mitarbeiterinnen, die mit den Kindern arbeiten, deren Sprachentwicklung. Eines der Ergebnisse des Programms: Jungen und Mädchen, die länger als ein Jahr an der Sprachförderung teilnehmen, weisen „eine positive Entwicklung ihrer Sprachkenntnisse“ auf, so die Awo.

Darüber hinaus bietet die Lernwerkstatt auch Fortbildungen für Erzieherinnen zum Thema Sprachförderung an, Elterngespräche sowie die stark nachgefragten, erfolgreichen „Mama-lernt-Deutsch“-Kurse – damit das Deutschlernen für die Kinder nicht mit der Tür ins Schloss fällt, sobald sie zuhause sind. Ein Engagement, das auch Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) bei seinem Besuch in der Kreisstadt lobend hervorhob.

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