Ein Ruf nach Regeln und Ordnung

Stadtverwaltung lädt zur öffentlichen Integrationskonferenz

Dietzenbach - Ein voller Sitzungssaal, Informationen in Hülle und Fülle und zum Ende hin angeregte Gespräche im kleinen Kreis: Integration ist in Dietzenbach keine Worthülse. Von Barbara Scholze

Die Stadtverwaltung hatte zur öffentlichen Integrationskonferenz geladen, gekommen waren mehr als 120 Vertreter aus der Bürgerschaft, aus Vereinen und Institutionen. Sie alle harrten mehrere Stunden aus, um Bilanz zu ziehen und in die Zukunft zu blicken. „Unser bisheriger Weg hat sich gelohnt“, stellte Bürgermeister Jürgen Rogg zum Auftakt fest. Nun müsse es weitergehen mit der Arbeit an einem „friedlichen und gedeihlichen Miteinander“.

Erste Impulse setzte Matthias Schulze-Böing, Leiter des Amtes für Arbeitsförderung, Statistik und Integration in Offenbach, mit einem Vortrag unter dem Titel „Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Integration – was kann man auf kommunaler Ebene tun?“ Dietzenbach habe einen guten Ruf und werde in der Fachöffentlichkeit oft gewürdigt, lobte er. Mit einem Blick auf historische Fakten zum Zusammenleben stellte Schulze-Böing europäische Städte als Orte der Innovation dar. „Der Umgang mit Fremdheit war immer etwas, was das Lebensgefühl in der Stadt ausgemacht hat.“ Strategische Handlungsfelder lägen fortwährend in den Bereichen Bildung, Stadtentwicklung, Zusammenleben und Arbeit. Darüber hinaus müsse die Verwaltung personell und finanziell für die integrative Arbeit befähigt werden, „und manchmal muss sie auch eingefahrene Pfade verlassen“, so Schulze-Böing.

Aus dem Alltag im Kindergarten erzählte die Erzieherin Ayten Gültekin. Intensive Arbeit gelte auch den Eltern. „Zwischen den Nationen ist es manchmal schwierig“, berichtete sie. Nicht nur eine gewisse „Grüppchenbildung“ erschwere gemeinsame Treffen. Auch Kinder würden beeinflusst, andere nicht zu kontaktieren. Die Arbeit in Kindergärten und Schulen sei eine Art Hot Spot der Integration, betonte auch Schulze-Böing. Gegen Parallelgesellschaften gelte es stets anzugehen. „Wir müssen die Menschen überzeugen, dass es sich lohnt, etwas gemeinsam zu machen.“ Selver Erol, Integrationsbeauftragte der Kreisverwaltung, stellte fest, gerade in Dietzenbach gebe es immer mehr Menschen, die sich engagieren. Eine besondere Würdigung verdiene etwa die Flüchtlingshilfe. „Was dort geleistet wird, ist unglaublich.“

Auch Erster Stadtrat Dieter Lang bekräftigte: „Das Erreichte ist kein Grund sich auszuruhen.“ In diesem Wissen habe die Verwaltung der Integrationsarbeit einen Schwerpunkt gegeben. „Wir haben inzwischen ein fünfsprachiges Team“, berichtete er. Als Leiterin der Stabsstelle Integration hielt Sonja Hoffmann einen Rückblick auf die letzten sechs Jahre und die Entwicklung des Integrationskonzeptes. „Dietzenbach hat inzwischen deutschlandweit eine gewisse Vorreiterrolle“, teilte sie mit. Indes sei nun der Zeitpunkt gekommen, das Konzept weiterzuentwickeln. „Wir möchten die dazu gehörigen Arbeitsgruppen reaktivieren und wieder mit Leben füllen.“

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Wichtig sei dabei die öffentliche Umfrage, mit der die Integrationsstelle seit einiger Zeit arbeite. Rund 200 Bürger haben sich bisher daran beteiligt. Eine erste Bilanz zog anlässlich der Konferenz Issam Ahsaymi vom Integrationsbüro. Mit den beiden Fragen, die eine ausführliche Antwort verlangten, seien alle Altersgruppen erreicht worden und konstruktive Vorschläge eingegangen. Indes sei auch eine gewisse „Unzufriedenheit“ feststellbar sowie ein Ruf nach „Regeln und Ordnung“, was sich etwa an den Themen „Erziehung“ und „Eltern“ festmache. Ebenso gebe es aber auch die Forderung nach mehr Begegnungsmöglichkeiten, zusammen mit Vorschlägen, wie diese zu schaffen seien. „Abschließend können wir feststellen, dass es keine Kritik an der Integrationsarbeit der Stadt gibt, im Gegenteil, es wird immer wieder festgestellt, dass viel gemacht wird.“ Bis Ende Dezember soll die Umfrage noch laufen, Näheres auf der Seite www.dietzenbach.de.

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