Breitbandausbau der Telekom

Surfen auf schnellen Datenwellen

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Ein imposanter Blick auf die Kreisstadt von oben. Ein Blick unter die Oberfläche würde ein Licht auf teils langsamere Internetverbindungen werfen. Das soll sich bald ändern.

Dietzenbach - Bisher surfen die Dietzenbacher vor allem im Gewerbegebiet auf langsamen Datenwellen. Das soll sich mit dem angekündigten Breitbandausbau der Telekom ändern. Von Ronny Paul 

Die Telekom baut, wie berichtet, ohne Subventionierung und auf eigene Kosten den Breitbandinternetzugang zu etwa 95 Prozent im Kreisgebiet aus. Letzte Vertragsdetails sind in der Endabstimmung, deren offizielle Bekanntgabe ist für Mitte/Ende Oktober angepeilt. Landrat Oliver Quilling (CDU) prognostizierte jüngst: In annähernd zwei Jahren sei der Kreis Offenbach der mit Breitband am besten versorgte Kreis in Hessen. Dabei solle das verfügbare Datenvolumen des Ausschreibungszieles von 30 Mbit/s für 95 Prozent und 50 Mbit/s für 85 Prozent der Anschlüsse übertroffen werden.

Was das für die Kreisstadt bedeute, fragt sich nicht nur die FDP-Fraktion, die eine Anfrage an den Magistrat gestellt hat. Seit Langem wünschen sich Gewerbetreibende und Stadtobere einen schnelleren Zugang zum weltweiten Datennetz – vor allem im Gewerbegebiet östlich der S-Bahnlinie. Die FDP fragt: „Welche Gebiete der Stadt werden vom Ausbau profitieren und welche Bandbreiten sind für diese Gebiete vorgesehen?“ Der Provider Unitymedia versorge Dietzenbach „extrem gut im Privatbereich“, sagt Michael Krtsch von der Stabsstelle Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung. 95 bis 98 Prozent der Privathaushalte surfen mit einem Unitymediazugang über das Kabelnetz.

Doch das Gewerbegebiet versorgt das Kölner Unternehmen bisher sprichwörtlich nur am Rande, nah am Wohngebiet, informiert Krtsch. Die Telekom plane hingegen, dort die Leitungen mit der kupferbasierten Netztechnologie „Vectoring“ auszubauen. Das bedeute laut Krtsch eine Übertragungsrate von mindestens 50 und bis zu 100 Mbit/s. Derzeit lägen die Übertragungsraten deutlich unter 50 Mbit/s.

Das könnte Konzerne dazu bewegen, ihren Standort in die Kreisstadt zu verlegen. Zumindest war die langsame Internetverbindung im Gewerbegebiet bisher kein guter Köder für Unternehmensansiedlungen. So betont IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner: „Viele Unternehmen in der Region haben uns berichtet, dass eine gute Internetanbindung der zentrale Standortfaktor ist.“

Für Wirtschaftsförderer Krtsch ein Gewinn: „Wir profitieren deutlich von dem Kreisprojekt.“ Er lobt die gemeinsame Initiative aller 13 Kreiskommunen: „Das Ergebnis hätte eine Stadt alleine so nicht hinbekommen.“ Als Gemeinschaft sei man stärker. „Für den Wirtschaftsstandort Dietzenbach bedeutet das neben der optimalen geografischen Lage auch einen optimalen Standortfaktor für die Zukunftsfähigkeit der Kreisstadt.“ Das sieht auch Erster Stadtrat Dieter Lang so: „Für uns als Kommune der Metropolregion Rhein-Main ist das der nächste konsequente Schritt zur Digitalisierung und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.“

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Die FDP-Fraktion fragt weiter, welcher Zeitplan für den Ausbau der Netze vorgesehen sei. Dazu Krtsch: Er weiß momentan nicht, wo was ausgebaut wird. Das entscheidet sich Mitte/Ende Oktober. Der Ausbau erfolgt im Kreis laut Krtsch nach sogenannten Clustern. Er schätzt: „Mit dem Ausbau wird heute in 365 Tagen begonnen sein.“

Aber nicht nur die Gewerbetreibenden profitieren vom Telekomprojekt, sondern auch Privathaushalte: „Mit dem Ausbau haben Bürger die Möglichkeit, auch eine schnelle Verbindung bei der Telekom zu bekommen“, sagt Krtsch. Das heißt: Haushalte haben zukünftig die Wahl zwischen zwei schnellen Internetverbindungen. Die Telekom hat bereits einen Hauptverteiler in der Altstadt „Am Nagelbach“/ Ecke Lehrstraße.

IHK-Hauptgeschäftsführer Weinbrenner sieht die Entwicklung lange nicht am Ende: „Durch die zunehmende Digitalisierung und die steigende Bedeutung von Cloud-Services wird allerdings auch diese Bandbreite schon bald nicht mehr ausreichen.“ Das langfristige Ziel sei, noch schnellere Technologien, etwa Glasfaser, im Gewerbegebiet anbieten zu können, sagt Krtsch.

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